Ärger im Neubaugebiet: Ehepaar erwägt Klage gegen Gemeinde Körle

Ihr Grundstück liegt einen halben Meter über der Straße: So geplant hatten Bettina und Uwe Hofmann das nicht, als sie im Körler Neubaugebiet ein Haus errichteten. Doch die Gemeinde hat die Straße tiefer gelegt als ursprünglich vorgesehen. Das ist einer der Gründe, warum die Hofmanns eine Klage gegen die Gemeinde in Erwägung ziehen. Foto: Féaux de Lacroix

Körle. Die Gemeinde Körle wirbt mit Bauplätzen im Neubaugebiet am Körler Berg. Doch nicht alle fühlen sich dort willkommen.

Ein Ehepaar hat mit dem Grundstückskauf schlechte Erfahrungen gemacht und erwägt nun eine Klage gegen die Gemeinde.

Anfangs waren sie überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, als sie ein Grundstück im Körler Neubaugebiet „Im Kitzwinkel“ kauften. Doch inzwischen sind sich Bettina (45) und Uwe Hofmann (58) da nicht mehr so sicher. „Es gab zu viele Ärgernisse“, sagt Bettina Hofmann. Wegen dieser Ärgernisse werden sie die Gemeinde Körle möglicherweise verklagen.

Grundsätzlich fühlen sie und ihr Mann sich zwar wohl in ihrem neuen Zuhause. „Die Nachbarschaft ist super“, betont Bettina Hofmann, „aber das Verhalten der Gemeinde nicht.“

Das Ehepaar hat vorher in Malsfeld zur Miete gewohnt. „Eigentlich haben wir nach einer Bestandsimmobilie gesucht, aber nichts Passendes gefunden.“

Dann hörten die Hofmanns vom Neubaugebiet in Körle. Im Mai 2014 besuchten sie eine Informationsveranstaltung über das Neubaugebiet - und reservierten gleich ein Grundstück. Doch als die Hofmanns Ende 2014 mit den Bauarbeiten starten wollten, begann der Ärger. „Dass man solche Steine in den Weg gelegt bekommt, hätte ich nicht gedacht“, sagt Hofmann. Das Ehepaar wirft der Gemeinde einen unsachgemäßen Umgang mit dem Grundstück vor. „Es wurde vermörtelt, die Grasnabe entfernt und der Mutterboden beschädigt“, berichtet die 45-Jährige. „Unser Anwalt sagt, dass wir kein bebaubares Grundstück bekommen haben.“ Wegen der unerwartet schlechten Bodenqualität wurde eine Bodenplatte für die Gründung benötigt, was den Bau teurer machte. Darüber hinaus habe die Gemeinde die Straße, die neben dem Grundstück verläuft, tiefer gelegt - obwohl die Hofmanns ihr Grundstück an die ursprünglich angegebene Höhe angepasst hatten.

„Von der Gemeinde wird man im Stich gelassen“, sagt Hofmann. Das Ehepaar schätzt, dass ihnen durch das Vorgehen der Gemeinde ein Schaden von 20 000 Euro entstanden ist. Aber: „Mir geht es nicht um die Kosten, sondern ums Prinzip“, sagt Hofmann.

Eine außergerichtliche Einigung wäre für die Hofmanns denkbar, wenn die Gemeinde ihnen entgegenkommt und die Straße wieder um 30 Zentimeter erhöht. Sollte die Sache aber vor Gericht gehen, dann würden sie darum kämpfen, dass die ursprünglich geplante Höhe der Straße wieder hergestellt wird, sagt Hofmann.

Eins steht für das Paar trotz aller Ärgernisse fest: „Wir wollen das Haus nicht verkaufen, sondern um unser Recht kämpfen.“

Das sagt der Bürgermeister: „Gemeinde trägt kein Risiko für Baugrund“

Körle sei an einer außergerichtlichen Einigung mit den Hofmanns interessiert, sagt Bürgermeister Mario Gerhold. Doch nicht alles, was die Hofmanns beanspruchten, sei nachvollziehbar. Zur Feuchtigkeit im Boden des Grundstücks sagt Gerhold, es sei nicht ungewöhnlich, dass man eine Bodenplatte zur Gründung benötige, wenn man - wie die Hofmanns - bei feuchtem Wetter baue. „Die Gemeinde trägt kein Risiko für den Baugrund.“ Die Behauptung der Hofmanns, dass die Gemeinde die Feuchtigkeit des Bodens verschuldet habe, sei nicht haltbar. Zur Straßenhöhe räumt Gerhold ein, dass sich eine Veränderung ergeben habe. „Die ursprünglich vorgesehene Höhe der Kanaldeckel hätte zur Folge gehabt, dass die Straße einen Buckel bekommen hätte.“ Deshalb habe man sich entschieden, die Straße tieferzulegen. Gerhold bestreitet, dass dies auf Wunsch des Nachbarn erfolgt sei. Weder im Grundstückskaufvertrag noch in der Baugenehmigung würden Zusagen für eine bestimmte Straßenhöhe gemacht. Den Hofmanns sei bekannt gewesen, dass die angegebenen Höhen noch verändert werden könnten. Das Ganze sei ein Einzelfall. „Wir haben in den vergangenen zehn, 15 Jahren mehr als 100 Grundstücke verkauft und nie derartige Probleme gehabt.“

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