Körle

Als Torwarte fliegen konnten: Körler Handballer trafen sich 50 Jahre nach Oberliga-Aufstieg

Das Wiedersehen: von links Horst Schade, Heinrich Vaupel, Jürgen Paar, Willi Paar, Georg Jacob, Dieter Hofmann, Hans Dieling, Gerd Brede und Helmut Rohde.
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Das Wiedersehen: von links Horst Schade, Heinrich Vaupel, Jürgen Paar, Willi Paar, Georg Jacob, Dieter Hofmann, Hans Dieling, Gerd Brede und Helmut Rohde.

Vor 50 Jahren stiegen die Körler Handballer in die Oberliga auf. Gemeinsam trafen sich die Männer jetzt wieder und schwelgten in Erinnerungen.

Körle – Im Biergarten des Gasthauses Zur Krone sitzen am Sonntagmittag neun Herren im Rentenalter. Auf den Tag genau vor 50 Jahren haben sie dort auch ein Bierchen getrunken.

Damals herrschte eine euphorische Stimmung: Die Männer hatten im letzten Heimspiel durch ein 12:10 gegen die Auswahl von Griedel (bei Butzbach) den Aufstieg von der Verbandsliga in die Oberliga im Feldhandball geschafft.

Das war seinerzeit dritthöchste deutsche Liga im Feldhandball.

Die Handballer von damals halten sich heute noch mit Wandern oder Gerätetraining fit. Handball spielen sie längst nicht mehr. Nur Heinrich Vaupel, 72, greift manchmal noch zum Ball – wenn er mit seinen Enkeln spielt. Vor einer Weile war er noch Trainer.

Ende des Feldhandballs

Handball auf dem Großfeld, mit einem Spielfeld und Toren so groß wie beim Fußball, hatte 1971 schon seine beste Zeit hinter sich. Die war in den 1950er-Jahren. Hallenhandball war bereits im Kommen.

Helmut Rohde, der frühere Abwehrspieler des Körler Aufsteigerteams, schaut sich wie seine ehemaligen Mitspieler gern die Spiele der MT Melsungen und anderer Mannschaften an, findet aber, dass es früher auf dem Großfeld schöner war.

„Am Trikot zerren, den gegnerischen Angreifer beim Torwurf auf den Arm schlagen, das gab es bei uns nicht. Da ging es nur um den Ball“, sagt der 81-Jährige.

Nach dem gewonnenen Aufstiegsspiel: von links Trainer Erich Kaletta, Peter Schröder, Werner Glöckner, Jürgen Paar, Willi Paar, Heinrich Vaupel, Helmut Rohde, Dieter Hofmann, Herbert Rau, Horst Schade, Georg Jacob, Hartmut Hofmann, Heinrich Bartholmai (verstorben), Horst Rüba und Betreuer Ernst Blumenstein.

Der Torwart hatte bei Torschüssen weniger unter harten Körpertreffern zu leiden, weil die Wurfdistanz beispielsweise bei Strafwürfen mit 14 Metern doppelt so groß wie beim Hallenhandball war.

„Ich habe sogar aus 18, 19 Metern aufs Tor geworfen und oft getroffen“, berichtet Heinrich Vaupel.

Damals hielt der heute 82-jährige Hans Dieling das Tor sauber. „Torwart wurde, wer am besten fliegen konnte“, erzählt der Senior des Teams.

Griffsicher war er auch, denn bei Regen saugte sich der Ball schnell mit Wasser voll und wurde glitschig, wie sich der Spieler Willi Paar erinnert. Sein älterer Bruder Jürgen gehörte ebenfalls zum Team.

Neues Spielsystem

Als Trumpf für die Mannschaft habe sich erwiesen, dass der frühere, inzwischen verstorbene, Bundesliga-Spieler Erich Kaletta vom SVH Kassel-Harleshausen im Aufstiegsjahr das Training der Körler übernahm.

Kaletta führte ein neues Spielsystem ein, das die Räume besser nutzte. Er legte großen Wert aufs Laufen. „Wir mussten bis Grebenau und zurück laufen“, erzählt Rohde.

Die Mannschaft von 1971 war eine Gemeinschaft, in der jeder neben seinem Hobby noch voll im Beruf stand. „Geld gab es nicht, nur manchmal Naturalien“, erinnert sich Willi Paar.

Man sei froh gewesen, wenn Firmen mal ein Essen oder eine Fahrt zum Auswärtsspiel nach Südhessen spendierten.

„Jeder hat jedem geholfen“, sagt Jürgen Paar über seine ehemalige Mannschaft, beispielsweise beim Hausbau.

„Der Handball war alles für uns“, sagt sein Kollege Horst Schade, der auch 50 Jahre Schiedsrichter war. In dieser Funktion ist Willi Paar immer noch aktiv.

Die Körler hielten sich übrigens nur eine Saison in der Oberliga. Es ging bergab, als ihr Spielmacher Heinrich Vaupel im Spiel einen doppelten Armbruch erlitt. Danach sei „der Faden gerissen“, sagten sie. (Peter Dilling)

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