Sie hatten Bier aus Massenproduktion satt

Körler Paar hat eigene kleine Brauerei im Keller

Volker Fahrenstück zeigt in seiner kleinen Heimbrauerei in Körle eine Flasche des selbst gebrauten Bieres. Fahrenstück hat nach dem Abitur eine Ausbildung zum Brauer gemacht.
+
Volker Fahrenstück zeigt in seiner kleinen Heimbrauerei in Körle eine Flasche des selbst gebrauten Bieres. Fahrenstück hat nach dem Abitur eine Ausbildung zum Brauer gemacht.

Ein Paar aus der Region stellt Bier in ihrem Keller selbst her. Biere aus der Massenproduktion hatten sie satt.

Körle – Wenn bei Heike (59) und Volker Fahrenstück (62) ein Bier auf den Tisch kommt, dann nur ihr eigenes, traditionell hergestelltes Craftbier. Die beiden Körler betreiben in ihrem Keller seit 2010 eine eigene kleine Brauerei. Denn die Biere aus der Massenproduktion hatten sie satt.

Bei einem Besuch einer großen Brauerei sei bei den Körlern die Entscheidung gefallen, kein Bier mehr im Getränkemarkt kaufen zu wollen. Denn die Brauerei, die sie damals besuchten, werbe damit, ausschließlich reines Quellwasser zu verwenden, erklärt Volker Fahrenstück. Vor Ort dann die Enttäuschung: In der Brauerei sahen sie eine große Wasseraufbereitungsanlage. „Mit frischem Quellwasser hatte das nichts zu tun.“ Und als gelernter Brauer kennt sich Fahrenstück aus. Das Reinheitsgebot von 1516, das besagt, das zur Bierherstellung ausschließlich Malz, Hopfen, Hefe und Wasser verwendet werden dürfen, sei immer weiter aufgeweicht worden. So sei es beispielsweise gang und gäbe Schönungsmittel zur Klärung und Haltbarkeit in der Bierherstellung einzusetzen. „Und ein gepunchtes Bier wollten wir einfach nicht mehr trinken“, sagt Volker Fahrenstück, der bis zu seinem Ruhestand bei B. Braun im Bereich Anlagenbau gearbeitet hat.

Die einzige Lösung für die Fahrenstücks: Ein eigenes Bier brauen. Zunächst versuchten sie es mit Extraktbier, einem Fertigprodukt, aus dem man in jeder Küche sein eigenes Bier brauen kann. Die Fertigmischung wird mit Wasser und Hefe vergoren. Das Problem: „Man hat auf den Endgeschmack leider so gut wie keinen Einfluss. Und uns hat das nicht geschmeckt.“

Also mussten Maischebottich, Läuterbehälter und Lagertank herbei. Sogar den Hopfen züchten sie selbst. „Alles Bioqualität“, sagt Fahrenstück. Außerdem beherbergen sie in ihrem Braukeller unterschiedliche Malzsorten und Trockenhefe für den Gärungsprozess.

Vier Biersorten stellen die Fahrenstücks her – ausschließlich naturtrübes Bier. Einen Tag dauere die Herstellung, anschließend folgt die einwöchige Gärung und die Lagerung von mindestens sechs Wochen. „Dort bilden sich die Aromastoffe aus“, sagt Fahrenstück. Ähnlich wie bei einem Wein, sei auch beim Bier die Lagerzeit von großer Bedeutung: je älter, je besser. So habe beispielsweise Guinness-Bier eine Lagerzeit von sechs Monaten. Anschließend wird jede Flasche einzeln abgefüllt und etikettiert, alles Handarbeit. Das Hainsgraben-Bräu gibt es als helles Naturtrübes, als helles Weizen, das dunkle Klosterbier „Körler Abt“ und saisonal ein Waldbier, für das die Fahrenstücks ausnahmsweise vom Reinheitsgebot abweichen. Denn dort kommen Honig und Kräuter mit rein. „Und die Kräuter sammele ich selbst“, sagt der 62-Jährige. Der komplette Brauprozess unterliegt strengen Hygienevorschriften, Fahrenstücks werden auch vom Gesundheitsamt kontrolliert, haben ein Gewerbe angemeldet und zahlen Biersteuer, damit sie es verkaufen dürfen. Würden sie das Bier nur für sich selbst herstellen, dürften sie 200 Liter pro Jahr produzieren, ohne Biersteuer zahlen zu müssen.

Den Namen für sein nächstes Bier steht auch schon fest. Es soll „Egal“ heißen. „Denn immer, wenn jemand ein Bier haben möchte und ich frage, ja was denn für eins, bekomme ich das zur Antwort.“ Das Bier vertreibt das Paar hauptsächlich im Freundes- und Familienkreis. Wer Interesse habe, könne sich melden. Fahrenstück gibt auch Brau-Kurse.

So wird Bier hergestellt

Traditionell hergestelltes Bier, wie das von den Fahrenstücks, nennt man auch Craftbier. Dieses entsteht in unterschiedlichen Prozessen:

Maischen: Geschrotetes Getreide wird im Maischbehälter mit warmem Wasser vermengt und stetig gerührt. Beim Maischen handele es sich um einen enzymatischen Prozess, sagt Fahrenstück. „Man muss genau wissen, was dort passiert.“ Zunächst wird die Stärke aus dem Getreide gelöst und später durch Enzyme in Malzzucker umgewandelt. Die Enzyme, die beim Maischen wirken, sind entscheidend für den Geschmack des Bieres.

Läutern: Die Flüssigkeit wird von den Getreidekörnern getrennt. Es entsteht die sogenannte Würze.

Würzekochen: Die Würze wird zum Kochen gebracht und der Hopfen hinzugegeben. Je bitterer die Hopfensorte, desto bitterer auch am Ende das Bier. Beim Kochen verklumpen sich die Eiweiße. In einem Whirlpool werden diese nicht gelösten Bestandteile durch Rotation herausgefiltert.

Kühlen: Anschließend wird die Würze abgekühlt, die Hefe kommt zur Gärung hinzu. Nach der Hauptgärung von etwa einer Woche kommt das Bier in einen Lagertank. Nach mindestens sechs Wochen wird es in Flaschen abgefüllt und etikettiert. Ein Sechserträger (6x0,5 Liter) vom Hainsgraben-Bräu kostet 7,50 Euro. Eine Kiste mit 20 Flaschen (Zehn Liter) 19,50 Euro.

Kontakt: Volker und Heike Fahrenstück, Tel. 05665/ 40 79 570

Von Carolin Hartung

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.