Inhaber gibt Geschäft auf

Die Dorfbäckerei schließt: Schade in Körle hat am Sonntag zum letzten Mal geöffnet

Am Sonntag das letzte Mal geöffnet: Bernd Finke schließt die Dorfbäckerei Schade in Körle. Archiv
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Am Sonntag das letzte Mal geöffnet: Bernd Finke schließt die Dorfbäckerei Schade in Körle.

Mit der Dorfbäckerei Schade schließt am Sonntag eine Traditionsbäckerei in Körle. Eine der wenigen, die es überhaupt noch gibt.

Körle - Als für die Dorfbäckerei Schade in Körle im Sommer vor zwei Jahren ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde, war Inhaber Bernd Finke zuversichtlich, dass die Körler Bäckerei eine Zukunft hat. Doch es kam anders als es sich der 54-Jährige erhofft hatte. Vor zwei Wochen sei die endgültige Entscheidung gefallen. Die Dorfbäckerei schließt.

Am Sonntag wird sie das letzte Mal geöffnet haben.

„Ich bin an meiner Kapazitätsgrenze angekommen“, sagt Finke. Er könne das Ganze nicht mehr alleine stemmen. Es sei ja nicht nur die Arbeit in der Backstube, sondern die viele Verwaltungsarbeit, die er ganz alleine erledige. „Ich kann es nicht mehr. Ich muss jetzt die Reißleine ziehen.“ Und einen Mitarbeiter fürs Büro einzustellen, könne er sich nicht leisten. Neun Mitarbeiter – davon sechs Verkäufer, zwei Bäcker und eine Aushilfe – arbeiteten bis zuletzt in der Bäckerei, manche hätten aber bereits andere Jobs in Aussicht, sagt Finke.

Am Umsatz habe es die vergangenen Monate nicht gelegen, dass die Bäckerei nun schließen muss. „Ganz im Gegenteil: Corona hat uns sogar mehr Umsatz beschert.“ Denn all die Leute, die nun zuhause im Homeoffice arbeiteten, kauften nun auch vermehrt im eigenen Ort ein – für die Mittagspause zum Beispiel. „Aber ich habe zu hohe Kosten“, sagt Finke. So hätten beispielsweise Erneuerungen des Kassensystems angestanden. Pro Kasse wäre in Kürze eine Investition von etwa 900 Euro fällig gewesen. „Das ist doch alles Wahnsinn“, sagt Finke. Wie es für ihn nach der Dorfbäckerei weitergeht, wisse er noch nicht.

Genau wie die Kunden bedauert auch Bürgermeister Mario Gerhold die Geschäftsaufgabe. „Damit verschwindet ein Traditionsbetrieb“, sagt Gerhold. Natürlich gebe es in Körle auch an anderer Stelle die Möglichkeit, Brot und Brötchen zu kaufen, sagt Gerhold. Aber wenn etwas noch den Namen Backstube verdient habe, dann sei es die Dorfbäckerei Schade.

Die Gemeinde habe natürlich großes Interesse daran, dass die Räume künftig nicht leer stehen. Die Verwaltung dessen liege aber beim Insolvenzverwalter. Die Gemeinde biete jedoch ihre Unterstützung an.

Vielleicht könne das Förderprogramm „Lebendige Zentren“, an dem die Gemeinde teilnimmt (HNA berichtete) hilfreich dabei sein, eine Nachnutzung zu finden, sagt Gerhold. Denn gefördert werden bei diesem Programm auch der Umbau und die Sanierung von Gebäuden zur gewerblichen Nutzung. „Aber das ist alles noch Zukunftsmusik.“ Schließlich starte das Programm ja dieses Jahr erst.

Am schönsten sei es, wenn auch künftig dort ein Bäckereibetrieb wäre, sagt Gerhold. Der Bedarf sei in Körle auf jeden Fall da. (Carolin Hartung)

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