1. Startseite
  2. Lokales
  3. Melsungen
  4. Körle

Nick Elsner aus Empfershausen träumt vom Weltcup-Rennen im Downhill

Erstellt:

Von: William-Samir Abu El-Qumssan

Kommentare

Nick Elsner bei seinem letzten Downhill-Wettkampf dieses Jahres in Schladming in Österreich.
Nick Elsner bei seinem letzten Downhill-Wettkampf dieses Jahres in Schladming in Österreich. © Olaf Elsner/NH

Fahrradfahren ist im Kreisteil Melsungen beliebt. Doch es gibt auch Radfahrbegeisterte, die sich abseits des R 1 wohlfühlen. Eine Familie aus Empfershausen berichtet über den Nischensport Downhill.

Empfershausen – Mountainbike fahren ist nicht gleich Mountainbike fahren – das wissen Nick Elsner und sein Vater Olaf aus Empfershausen ganz genau. Denn der 16-jährige Nick begeistert sich seit seinem achten Lebensjahr für den etwas anderen Radsport. Jetzt träumt er vom Weltcup im Downhill – was etwa so viel bedeutet wie Bergabfahrt. Damit betreibt er ein Hobby, für das seine Familie einiges in Kauf nimmt.

Angefangen hat Nick mit Fahrrad-Trial beim ASC Melsungen, berichtet sein Vater. Dabei versuchen die Fahrer einen Hindernisparcours mit einem Mountainbike zu passieren. Doch Nick wollte mehr: 2017 fing er parallel an mit Enduro-Mountainbike an – „einer Mischform aus Trial und Downhill“, beschreibt der 16-Jährige. Und so kam er zu seiner Leidenschaft, denn „Downhill macht einfach mehr Spaß“, sagt Nick, der zurzeit die 10. Klasse an der IGS Guxhagen besucht.

„Vieles ist Kopfsache beim Downhill“, sagt er. Vertrauen in sein Rad und die Schutzkleidung sei wichtig. „Mit der Zeit traut man sich immer mehr. Aber Stürze gehören dazu.“ Zwei schwere Verletzungen hat der 16-Jährige bislang gehabt. „Einmal waren mein gesamter Brustkorb und die Rippen geprellt. Und ein anderes Mal hatte ich ein gebrochenes Handgelenk.“

Downhill: Schürfwunden sind Tagesgeschäft

Ansonsten gehörten Schürfwunden und kleine Prellungen aber zu dem Sport dazu. „Nick manchmal ein bisschen zu bremsen, gehört aber auch dazu“, sagt Olaf Elsner lachend. Auf dem Bolzplatz sei die Verletzungsgefahr aber ähnlich hoch, wie beim Downhill. „Die Schutzkleidung ist natürlich Pflicht.“

Seinem Sohn ist anzusehen, dass er für sein Hobby brennt. Der Nervenkitzel bei der Bergabfahrt und der Ansporn besser zu werden, motivieren ihn. Bei den Rennen schaut Nick seinen Kontrahenten aufmerksam zu – „dabei lernt man sehr viel“, sagt er. Obwohl Downhill ein Einzelsport ist, bei dem die Fahrer die Bergabfahrt schnellstmöglich versuchen zu schaffen, herrscht viel Zusammenhalt innerhalb der Fahrer-Gemeinschaft, sagt Nick. „Da werden bei einem Wettkampf auch mal Ersatzteile untereinander getauscht“, ergänzt sein Vater. Weil die Fahrer aus verschiedenen Teilen Deutschlands und Europas anreisen, halten sie untereinander über soziale Netzwerke Kontakt.

Viel unterwegs für die große Leidenschaft: von links Olaf und Nick Elsner aus Empfershausen.
Viel unterwegs für die große Leidenschaft: von links Olaf und Nick Elsner aus Empfershausen. © William Abu El-Qumssan

Bei seinem letzten Rennen dieser Saison Anfang Oktober beendete Nick in Schladming (Österreich) eine internationale Downhill-Serie als Gesamtsieger in der U17-Klasse. Bei den „International Rookies Championships“, die inoffizielle Weltmeisterschaft der Nachwuchsfahrer, belegte er den siebten Platz.

Solche Erfolge wecken bei dem 16-Jährigen Lust auf mehr: „Ich träume von einem Weltcup-Rennen“, sagt er. „Es wäre toll, das Ganze zu meinem Beruf zu machen.“ Damit befindet sich der Schüler an einem Scheideweg. Jetzt sei die Phase, in der die Entscheidung fällt, ob er sein Talent für seinen Beruf nutzt. Der 16-Jährige hat sich bereits eine Ausbildung als Industriemechaniker gesichert.

Downhill: Weite Wege für Wettkämpfe

Seine Eltern und er gehen offen mit dem Thema um. „Solang er noch nicht 18 Jahre alt ist, haben Schule und Ausbildung Vorrang“, sagt Olaf Elsner. „Das sagen wir ihm auch immer wieder, und er macht das gut. Die schulischen Leistungen leiden nicht unter seiner Leidenschaft fürs Downhill fahren.“

Und das, obwohl sich Nick für Wettkämpfe regelmäßig freistellen lassen muss. „Die Wettkämpfe sind nicht um die Ecke. Häufig geht es nach Italien oder Österreich, nach Südtirol beispielsweise“, sagt Olaf Elsner. Da die Wettkämpfe meist am Samstag beginnen, müssen die Elsners schon freitags losfahren. Auch Olaf Elsner muss sich dafür regelmäßig Urlaubstage nehmen. „Wir machen als Familie dann häufiger einen Kurzurlaub aus den Wettkampfwochenenden“, sagt der 51-Jährige.

Downhill: Wald ist kein Trainingsort

Und nicht nur die Wege zu den Wettkämpfen sind weit, auch zu den sogenannten Bike-Parks, in denen aktiv auf dem Fahrrad trainiert werden kann, gibt es nicht in unmittelbarer Nähe. „Wir fahren meistens nach Winterberg in Nordrhein-Westfalen oder nach Willingen in die Bike-Parks“, sagt Olaf Elsner. Für fortgeschrittene Fahrer eigne sich der Race-Park Schulenberg im Harz.

Von Mountainbike- und Downhill-Fahrern, die in den Wäldern trainieren, distanzieren sich die Elsners. „Für Fahrer, die rücksichtslos durch den Wald preschen, haben wir kein Verständnis.“ Downhill sei in der Region gar nicht richtig trainierbar.

Zuhause trainiert Nick in der Winterpause seinen Körper auf Ausdauer. „Meine Mutter sagt, dass mein Zimmer wie ein Fitnessstudio aussieht“, sagt er und lacht. Er kann die nächste Saison kaum erwarten. (William Abu El-Qumssan)

Auch interessant

Kommentare