Fünf Tage Einsatz

DRK-Kräfte versorgen Betroffene im Flutgebiet mit Lebensmittelpaketen: Auch Körler sind vor Ort

Im Einsatz: von links vom DRK Körle Michael Oetzel und Anna Bornemann sowie Harald Kesper, Daniel Hausig und Hanna Wenske vom DRK Zierenberg.
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Im Einsatz: von links vom DRK Körle Michael Oetzel und Anna Bornemann sowie Harald Kesper, Daniel Hausig und Hanna Wenske vom DRK Zierenberg.

Fast drei Wochen nach der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz laufen in den betroffenen Gebieten unentwegt die Aufräumarbeiten. Während dabei unter anderem auch Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) aus dem Schwalm-Eder-Kreis beteiligt sind (HNA berichtete), helfen Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) aus ganz Hessen nun auch bei der Verpflegung von Hilfskräften und Betroffenen mit.

Körle - Im Landkreis Ahrweiler ist derzeit beispielsweise das DRK Körle/Guxhagen im Einsatz, um Lunchpakete für bis zu 10 000 Personen zusammenzustellen.

Versorgungszentrum

Vor Ort ist auch der Vorsitzende des Ortsvereins Michael Oetzel. Er arbeitet mit mehr als 20 DRK-Kollegen aus Nordhessen in der Kaltverpflegung. „Wir packen Essenspakete für Hilfskräfte und Menschen aus der Bevölkerung“, sagt Oetzel. Das Versorgungszentrum, in dem Oetzel und seine Kollegen eingesetzt sind, befindet sich in der Gemeinde Grafschaft, etwa 10 bis 15 Autominuten vom Schadensgebiet Bad Neuenahr-Ahrweiler entfernt. Die Strukturen vor Ort hatte das DRK-Bayern aufgebaut, die Einsatzkräfte aus Bayern sind nun aber abgerückt.

Die Lage etwas oberhalb des Flutgebiets habe man extra gewählt, da es dort möglich sei, Mahlzeiten unter hygienischen Bedingungen herzustellen, erklärt Uwe Dörrbecker vom DRK. Dies sei direkt im Schadensgebiet nur sehr schwer auf Dauer möglich. Damit gleichzeitig für viele Menschen gekocht werden kann, gibt es vor Ort Dutzende Feld- und Containerküchen – auch die ortsvereinseigene Feldküche aus Körle sowie zwei Küchencontainer und vier Feldküchen von der DRK-Landesverstärkung Fritzlar befinden sich dort, sagt Dörrbecker. Vom Versorgungszentrum aus, wo derzeit an die 150 DRK-Kräfte arbeiten, werden die Mahlzeiten dann an Ausgabestellen direkt im Schadensgebiet verteilt.

Das Essen

Der finale Einsatzbefehl sei am Freitag sehr überraschend gekommen, sagt Dörrbecker. Innerhalb kürzester Zeit habe er eine Verpflegung für 10 000 Personen organisieren müssen. „Und das auch noch an einem Freitag“, sagt er. „Wenn man da irgendwo aufschlägt und mal eben 22 000 Äpfel braucht, ist das schon eine Hausnummer.“ Mithilfe von nordhessischen Großmärkten sowie der Metzgereien Bechtel in Willingshausen und Kohl Kramer in Borken sei es letztlich geglückt, 680 Kilogramm Geschnetzeltes sowie 500 Kilogramm Gehacktes zusammenzubekommen. „Wir sind sehr dankbar für das Engagement, eine tolle Zusammenarbeit“, sagt Dörrbecker.

Nun – nachdem man nun etwas Vorlaufzeit gehabt habe – werden die Lebensmittel über Großhändler aus Rheinland-Pfalz besorgt. Aber 20 000 Brötchen täglich könne auch nicht nur ein Bäcker backen, sagt Oetzel. Schließlich läuft die Produktion fürs Versorgungszentrum zusätzlich zum normalen Geschäft. Die Mitarbeit vieler Betriebe sei deshalb nötig.

Der Einsatz

Am Sonntagnachmittag trafen Oetzel und seine Kollegen in Ahrweiler ein. „Wir sind direkt ins Zelt, um mit der Arbeit anzufangen“, sagt Oetzel. Zeit, um das persönliche Gepäck auszuladen, sei nicht gewesen. Die Helfer sind in einer Reha-Klinik untergebracht, die derzeit wegen der Hochwasserkatastrophe nicht für Reha-Patienten genutzt wird. „Es ist nicht selbstverständlich, dass man

in solchen Katastrophengebieten eine so gute Unterkunft hat“, sagt Oetzel. Trotzdem: die Zeit vor Ort sei sehr anstrengend.

„Man ist den ganzen Tag auf den Beinen. Hinzu kommt, dass man wenig und nicht so gut schläft wie zuhause“, sagt Oetzel. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Einsatzkräfte nach fünf Tagen „fertig“ seien. Deshalb ist derzeit auch geplant, dass die Körler am Donnerstag wieder abreisen.

Die Katastrophe

In Grafschaft bekomme man wegen der Lage keinen Eindruck von den Schäden, die das Hochwasser wenige Minuten entfernt in Bad Neuenahr hinterlassen habe, sagt Oetzel. Am Sonntagabend nach getaner Arbeit seien die Einsatzkräfte aber mal mit dem Auto durch das Schadensgebiet gefahren. „Es war ein richtig beklemmendes Gefühl“, sagt Oetzel. Der Boden sei voller Schlamm, der bei jedem Regenschauer wieder aufweiche. An den Häusern sehe man genau, bis wohin das Wasser gestanden haben muss. „Es ist ein erschreckendes Bild.“

Die Koordination

Der Einsatz der hessischen DRK-Kräfte im Flutgebiet wird über die Landesverstärkung in Fritzlar koordiniert. 30 bis 40 Einsatzkräfte sind von den DRK-Ortsvereinen aus dem Schwalm-Eder-Kreis derzeit im Flutgebiet im Einsatz, schätzt Dörrbecker. (Carolin Hartung)

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