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Gemeinde Körle kämpft für Fotovoltaik-Anlage auf Sammelplatz

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Von: William-Samir Abu El-Qumssan

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Bürgermeister Mario Gerhold zeigt das Abwasser-Pumpwerk, das durch Fotovoltaik mit Strom versorgt werden soll.
Bürgermeister Mario Gerhold zeigt das Abwasser-Pumpwerk, das durch Fotovoltaik mit Strom versorgt werden soll. © William Abu El-Qumssan

Seit drei Jahren möchte die Gemeinde Körle eine Fotovoltaik-Anlage über dem Sammelplatz für Grünschnitt bauen. Doch eine 30 Jahre alte Verordnung steht im Weg.

Körle – Die Gemeinde Körle will ihr Abwasser-Pumpwerk mit nachhaltiger Energie aus einer Fotovoltaik-Anlage versorgen. Einen Platz hat sich die Gemeindeverwaltung auch schon länger ausgeguckt: Über dem Platz für Grünschnittabfälle soll ein Pultdach entstehen, auf dem eine etwa 800 Quadratmeter große Fotovoltaik-Anlage gebaut werden soll, berichtet Bürgermeister Mario Gerhold im HNA-Gespräch.

Bereits seit Anfang 2020 besteht dieses Vorhaben seitens der Gemeinde. Das Problem: Die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Schwalm-Eder-Kreises sehe laut Gerhold eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes. „Dem Vorhaben der Gemeinde Körle stehen Versagungsgründe der Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet (LSG) Auenverbund Fulda entgegen“, heißt vom Schwalm-Eder-Kreis auf Anfrage. Dem Antrag von der Gemeinde auf eine Ausnahmegenehmigung könne die UNB deshalb nicht zustimmen.

Körle: Behörden lehnen Fotovoltaik-Anlage ab

Das Grünschnittlager befindet sich in einer Fuldaaue, nahe der Eisenbahnstrecke. Wieso ein Dach das Landschaftsbild beeinträchtige, wenn der Sammelplatz für Grünschnitt sowieso dort steht, wirft bei dem Bürgermeister Fragen auf. „Die Anlage könnte schon längst stehen“, sagt Gerhold. Erneuerbare Energien und die Eigenversorgung der Infrastruktur seien mehr denn je in aller Munde. Da sei es für Gerhold unverständlich, warum sich die Behörden in diesem Fall schwertun.

Laut Verordnung des Kasseler Regierungspräsidiums (RP) zum LSG Auenverbund Fulda von 1993 heißt es, dass auch für Erweiterungen eines bestehenden Baus – wie im Falle des Sammelplatzes – eine Genehmigung nötig ist.

Über dem Sammelplatz für Grünabfälle und Bauschutt in Körle soll eine Überdachung mit einer
Über dem Sammelplatz für Grünabfälle und Bauschutt in Körle soll eine Überdachung mit einer © William Abu El-Qumssan

Die UNB nannte der Gemeinde Körle im Mai 2022 zwei Optionen, wie die Fotovoltaik-Anlage doch noch realisiert werden könne: „Entlassung der betreffenden Grundstücke aus der Schutzgebietsabgrenzung“ oder „Antrag auf Befreiung von den Verboten der Landschaftsschutzgebiet-Verordnung“. In beiden Fällen müsse laut Landkreis dann die Obere Naturschutzbehörde des RP in Kassel entscheiden.

Körle: RP in Kassel prüft Wunsch nach Fotovoltaik-Anlage

Daraufhin stellte die Gemeinde Körle Anfang August einen Antrag auf Entlassung des Grundstücks. Im September fand eine gemeinsame Ortsbesichtigung mit dem Regierungspräsidium statt, berichtet Gerhold. „Der Antrag befindet sich seitdem in Bearbeitung durch das Regierungspräsidium“, heißt es vom Landkreis. Das entsprechende Verfahren laufe laut Gerhold voraussichtlich bis Mai 2023. „Wir hoffen auf einen positiven Ausgang“, sagt der Bürgermeister.

Sollte es zu einem Bau der Fotovoltaik-Anlage kommen, müsse die Gemeinde die bauplanungsrechtlichen Genehmigungsgrundlagen mit der UNB abklären, heißt es vom Landkreis weiter. Der jährliche Energiebedarf des Abwasser-Pumpwerks liegt laut Gerhold bei durchschnittlich 140 000 Kilowattstunden. Mit der geplanten Anlage wäre eine Erzeugung von knapp 100 000 Kilowattstunden möglich, die zum Großteil den Strombezug aus dem Netz ersetzen würden.

Das Abwasserpumpwerk wurde in den Jahren 2013/2014 erbaut. Es pumpt das Abwasser aus der Kerngemeinde und Empfershausen, Lobenhausen und Wagenfurth zunächst nach Röhrenfurth. Von dort aus wird das Körler Abwasser zusammen mit dem aus Röhrenfurth in das Melsunger Klärwerk befördert. Die jährliche Schmutzwassermenge in Körle beträgt etwa 260 000 Kubikmeter. (William Abu El-Qumssan)

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