Aus Zöpfen werden Echthaarperücken

Haare ab und Krebspatienten helfen: Körlerin bei Rapunzel-Aktion dabei

Spendet 30 Zentimeter von ihren Haaren für einen guten Zweck: Johanna Wagener aus Körle schickt ihren Zopf zur Herstellung einer Perücke für Krebspatienten ein.
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Spendet 30 Zentimeter von ihren Haaren für einen guten Zweck: Johanna Wagener aus Körle schickt ihren Zopf zur Herstellung einer Perücke für Krebspatienten ein.

Wenn Johanna Wagener aus Körle das nächste Mal zum Frisör geht, dann landet ihr abgeschnittenes langes Haar nicht einfach im Müll. Sie nimmt es mit nach Hause. Und dann wird eine Perücke draus – für Krebspatienten.

Körle - Die Körlerin nimmt an der Rapunzel-Challenge teil, zu der eine Zweithaar-Manufaktur aus dem Münsterland zusammen mit der Deutschen Krebshilfe im Internet aufruft.

Das Prinzip lautet: Haare ab für den guten Zweck. Johanna Wagener lässt sich 30 Zentimeter ihrer Mähne abschneiden, der Frisörtermin am 23. März steht schon fest. Die abgeschnittenen Haare bekommt sie mit nach Hause und schickt sie an die Perücken-Manufaktur. „Ich habe meine Haare jetzt zwei Jahre lang wachsen lassen“, sagt die 20-Jährige, die eine Ausbildung zur Erzieherin macht. Eigentlich geht die junge Frau einmal im Jahr zum Frisör, um ihr Haar wieder auf Schulterlänge stutzen zu lassen. Auch im Frühjahr 2020 hätte wieder ein Termin angestanden, – wäre dann nicht der Corona-Lockdown gekommen. „Ich hatte vorher schon mal davon gehört, dass man seine Haare für Krebspatienten spenden kann und fand das eine tolle Sache“, sagt Johanna Wagener. „Als ich dann vergangenes Jahr nicht zum Frisör gehen konnte wegen des Lockdowns, habe ich beschlossen, dass ich sie dann eben wachsen lasse bis sie lang genug für die Spende sind.“ Denn damit die Haare zu einer Perücke verarbeitet werden können, muss der eingesendete Haarzopf mindestens 30 Zentimeter lang sein. Und genau diese 30 Zentimeter will Wagener abschneiden lassen. „Es ist für eine gute Sache, und es wächst ja auch wieder.“

Die Körlerin findet, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt für diese Aktion ist. „Im Moment redet die ganze Welt über Corona und vergisst dabei, dass es noch andere schlimme Krankheiten gibt.“ Krebspatienten, die aufgrund einer Chemotherapie ihre Haare verlieren, sind die Empfänger der Perücken, die aus den Haarspenden gefertigt werden. Kinder bis 17 Jahre bekommen den Echthaarersatz zuzahlungsfrei. 500 bis 1000 Euro kostet eine fertige Perücke. Die besteht am Ende übrigens aus bis zu acht verschiedenen Zöpfen. Dass es Zöpfe sind, die eingeschickt werden, ist sehr wichtig für den Herstellungsprozess. „Deswegen werden die Haare beim Frisör zuerst zu einem Zopf gebunden und dann abgeschnitten“, sagt Johanna Wagener.

Eigentlich wollte die Körlerin ihre Teilnahme bei der Rapunzel-Challenge gar nicht an die große Glocke hängen. „Ich wollte eigentlich nur bei Whatsapp was in meinen Status posten, wenn die Haare ab sind.“

Aber ihre Mutter habe sie dann auf die Idee gebracht, das Ganze öffentlich zu machen. „Und ich glaube, das ist auch die richtige Entscheidung. Ich hoffe, dass ich damit noch viele andere dazu bewegen kann, dass sie ihre Haare spenden.“ Denn sie könne sich gut vorstellen, wie belastend die Situation für Menschen sein könne, die plötzlich ihre Haare verlieren. „Es gibt ja beispielsweise auch Stoffwechsel-Erkrankungen, bei denen die Haare ausfallen.“ Seitdem sie ein Kind sei, trage sie langes Haar, und eine Kurzhaarfrisur könne sie sich auch überhaupt nicht vorstellen. Eine Perücke heilt die Krankheit zwar nicht, aber man könne den Menschen damit wenigstens etwas Lebensqualität zurückgeben.

Johanna Wagener freut sich aber nicht nur auf ihren Frisörtermin, weil ihr Haar einem guten Zweck gespendet wird. „Ich bin auch wirklich froh, wenn sie endlich wieder etwas kürzer sind.“ Denn das Waschen und Föhnen dauerten einfach viel zu lang. Und in der warmen Jahreszeit sei ein bisschen weniger Haar sowieso angenehmer. (Carolin Hartung)

Hier gibt es mehr Infos

Hinter der Rapunzel-Challenge steckt die Rieswick & Partner GmbH, die gemeinsam mit Hilfsorganisationen für Krebspatienten wie der Deutschen Krebshilfe zu Haarspenden aufruft. Die eingeschickten Zöpfe werden zu Perücken verarbeitet. Im Gegenzug für die Haarspende spendet die GmbH Geld an eine gemeinnützige Organisation. Dieser Geldbetrag, der sich je nach der Menge und der Qualität der eingesendeten Haare richtet, geht beispielsweise an die Stiftung Deutsche Kinderkrebshilfe. Mehr Infos: haare-spenden.de 

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