Ohne Auto kommt man aus dem Ortsteil von Körle nicht raus

In Empfershausen fährt kein Bus

Immer aufs Auto angewiesen: Gerlinde Schneider und Ralf Buschbeck wohnen gern in Empfershausen. Aber sie vermissen eine regelmäßige Busverbindung. Jeder Weg muss mit dem Auto erledigt werden.
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Immer aufs Auto angewiesen: Gerlinde Schneider und Ralf Buschbeck wohnen gern in Empfershausen. Aber sie vermissen eine regelmäßige Busverbindung. Jeder Weg muss mit dem Auto erledigt werden.

Wer in Empfershausen lebt, kommt ohne Auto eigentlich nicht aus. Denn einen Busanschluss gibt es in dem Ortsteil von Körle nicht.

Empfershausen – In Empfershausen lebt man mitten in der Natur. Es ist die pure Idylle. Doch diesen naturnahen Wohnort bezahlen die Anwohner mit einem großen Nachteil: In Empfershausen fährt kein Bus. Lediglich für die Schulkinder gibt es früh morgens und mittags eine Verbindung.

„Ich wohne wirklich sehr sehr gern hier“, sagt die 66-jährige Gerlinde Schneider, „aber ich weiß nicht, ob ich noch hier wohnen bleiben möchte, wenn ich älter bin.“ Jetzt könne sie noch das Auto nehmen, wenn sie etwas erledigen muss, „aber wenn ich mal kein Auto mehr fahren kann, habe ich ein Problem“.

Weg kommt man aus Empfershausen zwar schon, aber nur auf Bestellung und nur zu gewissen Uhrzeiten. Denn um den Menschen aus Körle und den Ortsteilen etwas mehr Mobilität zu ermöglichen, führte die Gemeinde im Jahr 2000 den Bürgerbus ein. Nach Anmeldung und gegen einen geringen Fahrtpreis kann man sich innerhalb Körles beispielsweise zum Arzt oder zum Einkaufen fahren lassen. Allerdings stützt sich dieses Angebot auf Menschen aus Körle, die den Bus ehrenamtlich fahren. „Der Bürgerbus ist eine tolle Sache. Allerdings ist das Problem, dass er nur dreimal die Woche vormittags und einmal nachmittags fährt“, sagt Schneider. Spontan zurück nach Empfershausen zu kommen oder gar nach Kassel oder Melsungen sei mit dem Bürgerbus nicht möglich. „Wenn man kein eigenes Auto hat, ist man immer auf andere angewiesen, die einen fahren“, sagt auch Ralf Buschbeck, Ortsvorsteher. Und weil es in Empfershausen ja keine Möglichkeit gebe, etwas einzukaufen, sei man schließlich gezwungen, den Ort zu verlassen.

Das Problem kennt auch Sandro Weiss (21) nur zu gut. Diese Woche zieht er um. Von Empfershausen geht’s nach Körle. „Endlich hat das ein Ende“, sagt er. Denn Weiss ist die vier Kilometer lange Strecke von Empfershausen nach Körle und umgekehrt unzählige Male gelaufen. „Bei Sonnenschein, Regen, Schnee, Sturm, alles war dabei.“ Er brauche für eine Strecke etwa 45 Minuten, „aber, wenn man gemütlich läuft, dann ist man sicher eine Stunde oder sogar eineinhalb Stunden unterwegs“, schätzt Weiss. Er arbeitet in Guxhagen, fährt dort mit der Regiotram hin.

Für Jugendliche sei es tatsächlich ein großes Problem, weiß auch Gerlinde Schneider. „Meiner Tochter habe ich, als sie 17 war, eine Wohnung in Melsungen genommen.“ Denn ihre Tochter hatte einen Job in Melsungen „und ich musste sie immer bis nach Körle zum Bahnhof fahren.“

Abhilfe könnte ein kleiner Bus schaffen, so wie die Linie 56, die unter anderem in Wollrode und Albshausen unterwegs ist, meinen die Empfershäuser. „Damit wenigstens jede Stunde die Möglichkeit besteht, ohne Auto etwas zu erledigen“, sagt Schneider.

Besonders ärgerlich finden die Empfershäuser, dass es eine Direkt-Verbindung von Kassel nach Söhrewald-Eiterhagen gibt. Zwischen Eiterhagen und Ober-Empfershausen liegen nicht einmal drei Kilometer. „Der Bus könnte doch einfach bis nach Körle zum Bahnhof fahren“, sagt Ortsvorsteher Buschbeck. Denn sicherlich würden auch viele aus Söhrewald den Anschluss an die Regiotram nutzen. Für die Organisation und Angebotsverbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs ist im Landkreis seit 1994 die Nahverkehr Schwalm-Eder GmbH (NSE) zuständig. Gesellschafter ist der Schwalm-Eder-Kreis. Laut Landkreis-Sprecher Stephan Bürger sind im Schwalm-Eder-Kreis alle Orte an den Öffentlichen Personennahverkehr angebunden.

Allerdings bedeutet „angebunden“ auch, dass beispielsweise, so wie in Empfershausen, nur ein Bus zur Schülerbeförderung eingesetzt wird. Dies sei aufgrund der Einwohnerzahl des Ortsteils der Fall. „Diese Taktung ist aus wirtschaftlichen und Umweltschutz-Gründen am Bedarf ausgerichtet“, erklärt Bürger.

Aktuell werde die Umsetzung eines kreisweiten Ein-Stunden-Taktes diskutiert. Bedarfsgesteuerter Verkehr, zum Beispiel über Anruf-Sammel-Taxis, sei zunehmend als Ergänzung zum Linienbus-Verkehr vorgesehen. 43 AST-Linien gibt es im Schwalm-Eder-Kreis derzeit. (Carolin Hartung)

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