Lara Döberitz und Johanna Fenge berichten für die HNA

Auf dem Jakobsweg: Pilgerinnen erreichten Santiago de Compostela

Geschafft: Am 12. Mai erreichten Lara Döberitz aus Körle (links) und Johanna Fenge aus Felsberg (rechts) die Kathedrale von Santiago de Compostela. Foto: Döberitz

Körle/Santiago de Compostela. Lara Döberitz und Johanna Fenge bewandern derzeit den Jakobsweg. Für die HNA berichten sie über ihre Erlebnisse. In der nächsten Woche kommen die beiden jungen Frauen zurück.

Nach 250 Kilometern endlich angekommen: Am 12. Mai standen wir vor der Kathedrale in Santiago de Compostela und hielten einen Moment inne. Ein unglaubliches Glücksgefühl breitete sich in uns aus.

Aber fangen wir ein paar Tage vorher an: Nach einer Nacht mit wenig Schlaf in einem heißen 24-Betten-Saal pilgerten wir nach Arcade. In einer Herberge ergatterten wir die letzten Betten. Welch ein Glück! Wir waren so früh, dass wir uns ganz in Ruhe um unsere Fuß-Wehwehchen kümmern konnten.

Endlich eine Waschmaschine

Und dann erspähten wir etwas, was wir schon lange gebraucht haben. Eine Waschmaschine! Der Geruch von frisch gewaschener Wäsche war wie der Duft von gutem Essen in unseren Nasen. Das wir übrigens auch noch zu uns nahmen. Das Schöne am Weg ist, dass man viele Menschen immer wieder trifft. Und jedes Mal freut man sich aufs Neue, alte Weggefährten zu sehen, auch wenn man sie mitunter nicht versteht, weil sie eine andere Sprache sprechen. Auf dem Weg gibt es ein Miteinander, ein Geben und Nehmen.

Am neunten Wandertag erreichten wir schließlich Pontevedra. Eine kleine, aber schöne Stadt, die wir durchquert haben. Am Abend, es war ein Samstag, war die Stadt voll mit schick gekleideten Menschen, fußballspielenden Kindern und Live-Musik. Tolle Atmosphäre.

Schwerer Rucksack

Neben uns gibt es auch noch die Tagespilger, denen das Gepäck hinterhergekarrt wird und die jeweils nur einen Rucksack mit Tagesrationen dabei haben. Wenn sie uns einen „Bom Caminho“ (Guten Weg) wünschten, unseren großen, schweren Rucksack sahen, sank der Blick immer etwas beschämt auf den Boden. Wir haben entschieden, dass so das Pilgergefühl doch fehlen muss. Es hat schon seinen Charme, in den Herbergen zu übernachten, gemütliche Abende mit verschiedenen Leuten zu verbringen und seinen ganzen Hausrat auf dem Buckel zu schleppen. Das ist vielleicht nicht besonders reizvoll, gehört aber dazu.

Der letzte Wandertag

Nach Pontevedra erreichten wir Padrón - und der nächste Tag sollte dann auch schon der letzte Wandertag sein. Wir hatten eigentlich geplant, vorher nochmal zu stoppen und am 13. Mai gemütlich in Santiago de Compostela einzulaufen, doch das Schicksal wollte es anders. Alle Hotels waren ausgebucht, keine Zimmer mehr frei. Fünf Kilometer noch bis zum Ziel Santiago de Compostela.

Als wir die Stadt das erste Mal erblickten, haben wir nochmal kräftig Gas gegeben. Kein Stopp mehr, keine Pause. Alle Blasen, Schmerzen und die 30 Grad Celsius waren vergessen, als wir den letzten Berg hochhechteten. Das Ziel war jetzt so nah und wir wollten einfach nur noch ankommen. Vor der Kathedrale lagen wir uns dann in den Armen. (dl)

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