Erbsenseintopf im Stau:

Betreuungszug des DRK Körle/Guxhagen kann bis zu 1000 Menschen gleichzeitig verpflegen

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Wenn in einer Notsituation viele Menschen verpflegt werden müssen, kann der Betreuungszug des DRK Körle/Guxhagen angefordert werden. Unser Foto zeigt von links Michael Oetzel und Uwe Dörrbecker.

Es ist ein Horrorszenario eines jeden Autofahrers: Die Autobahn wird voll gesperrt, über Stunden geht nichts mehr. Die ganze Nacht muss man in eisiger Kälte im Auto ausharren.

Passiert so etwas beispielsweise auf der Autobahn 7 bei Guxhagen, dann sind die Frauen und Männer des Betreuungszuges des DRK Körle/Guxhagen innerhalb weniger Minuten an den Feldküchen zugange. Wenn’s hart auf hart kommt, können die DRK-Helfer bis zu 1000 Personen gleichzeitig mit Eintopfgerichten und Getränken versorgen – zwei Feldküchen und vielen fleißigen Händen sei Dank. Zwei Betreuungszüge gibt es im Schwalm-Eder-Kreis. Einen besetzt das DRK Körle-Guxhagen, den anderen der Malteser Hilfsdienst in Fritzlar. Die Betreuungszüge sind Einheiten des Katastrophenschutzes des Landes. Fahrzeuge und Material werden vom Katastrophenschutz des Landes Hessen gestellt, der Schwalm-Eder-Kreis übernimmt die Verwaltung vor Ort. Zum Zug gehören 25 Personen. Die meisten gehören dem DRK Guxhagen/Körle an, etwa ein Drittel des Personals ist vom DRK Borken und Fritzlar.

Gehört auch zur Fahrzeugflotte: Der Sonderanhänger-Strom. Wie der von innen aussieht, zeigen links Michael Werner und Kai Aßmann.

Die Verpflegung

Die Verpflegung und Versorgung von Betroffenen stellt neben der Leistung von Erster Hilfe die Hauptaufgabe des Betreuungszuges dar. Und damit es im Ernstfall, so wie auf der Autobahn, auch reibungslos klappt, Hunderte Menschen gleichzeitig zu versorgen, muss das geübt werden, erklärt Michael Oetzel, der Vorsitzende des DRK Ortsvereins. Dazu eignet sich beispielsweise der Einsatz beim Jugendfeuerwehr-Zeltlager. Seit vielen Jahren sorgt die Verpflegungsgruppe des Ortsvereins für die Stärkung der rund 500 Teilnehmer des Zeltlagers. „Man muss immer wieder die Abläufe üben. Denn schließlich soll auch der 400. in der Schlange noch ein Essen bekommen“, sagt Oetzel.

Die Küche

Für Situationen, in denen es besonders schnell gehen muss, gibt es Fertigeintopf zum Anrühren. Beispielsweise dann, wenn Feuerwehrleute bei einem großen Brandeinsatz versorgt werden müssen. Wenn aber genügend Zeit zur Verfügung steht, dann kochen die DRK-Helfer immer frisch – und zwar so, dass auch für jeden das Richtige dabei ist. Aber das ist manchmal gar nicht so leicht. Als das Flüchtlingslager in Schwarzenborn eingerichtet wurde, waren die Helfer vom Betreuungszug fünf Tage vor Ort, um die Menschen täglich mit drei Mahlzeiten zu versorgen. „Dort kamen dann unterschiedliche Religionen zusammen. Da mussten wir uns erst einmal schlaumachen, welche Gerichte dort auf dem Speiseplan stehen“, sagt Oetzel. „Und wir wollten den Menschen ja auch etwas Abwechslung bieten.“ Einsätze über mehrere Tage seien allerdings selten, sagt der stellvertretende Vorsitzende Michael Greiner. „So etwas haben wir nicht jedes Jahr.“

Weitere Aufgaben

Doch nicht nur die Versorgung und Verpflegung von Betroffenen und Einsatzkräften gehört zu den Aufgaben des Betreuungszuges. Die Helfer richten beispielsweise auch behelfsmäßige Unterkünfte ein. Als das Fritzlarer Hospital wegen eines Brandes im Jahr 2017 evakuiert werden musste, waren die Helfer des Roten Kreuzes vor Ort, um die Stadthalle als Notunterkunft herzurichten. Sie stellten dort unter anderem Feldbetten sowie Tische und Bänke auf.

In Aktion: Bereitschaftsleiter Tobias Zinn und der stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende Michael Greiner beim Ausladen.

Technische Hilfe

Auch zur technischen Unterstützung kann der Betreuungszug angefordert werden. Zur Fahrzeugflotte gehört unter anderem ein Sonderanhänger-Strom.

Mit einer Stromleistung von 60 000 Watt könne man ein ganzes Gebäude versorgen, erklärt Kai Aßmann, Gruppenführer Technik. Der Anhänger ist außerdem mit Flutlichtlampen ausgestattet.

Der Antrieb

Jeder Einsatz bringe neue Herausforderungen mit sich, sagt Michael Oetzel. Aber genau das mache auch den Reiz dieser ehrenamtlichen Arbeit aus.

„Es ist der Spaß am Helfen, der mich antreibt“, sagt Oetzel. Ihm bereite es Freude, anderen etwas Gutes zu tun, sagt Michael Greiner. „Und gleichzeitig hoffe ich, dass mir auch geholfen wird, wenn ich Hilfe brauche.“

Service: Wer Lust hat, sich ehren-amtlich zu engagieren oder selbst Bedarf an Helfern hat, kann sich montags bis freitags, 8 bis 12 Uhr, bei Anika Pelz melden, Tel. 0 66 91/ 94 63 16, pro-ehrenamt-schwalm-eder.de

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