Geschäftsleute sehen Existenz bedroht

Seit Umstellung von Vodafone auf Netcom: Körler klagen über Internetprobleme

Körler Ortsdurchfahrt mit Netcom Bus
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Die Netcom hat in Körle den Zuschlag für das Vectoring Verfahren bekommen. Damit sind Internetgeschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/s möglich und Vodafone ist raus aus dem VDSL-Geschäft. Seit der Umstellung gibt es allerdings bei einigen Kunden Probleme.

Wer in Körle weiterhin über VDSL im Internet surfen will, musste jüngst von Vodafone zur Netcom wechseln, da der Kasseler Anbieter den Zuschlag für das Vectoring-Verfahren erhalten hat. Doch die Umstellung sorgt bei vielen Kunden für große Probleme.

Körle - Als vor ein paar Wochen Vodafone sämtlichen Kunden in Körle den Internet-Anschluss kündigte, hegten bereits viele im Ort Bedenken. Wer weiter über schnelles VDSL im Internet surfen will, musste zur Netcom wechseln, da der Kasseler Netcom die Rechte für das Vectoring-Verfahren zugesprochen wurden – HNA berichtete. Vodafone kann dadurch kein VDSL mehr anbieten. Die Bedenken von damals bewahrheiten sich nun. Seit der Umstellung auf die Netcom gibt es in Körle massive Probleme mit Internet und Telefon. Betroffen sind Gewerbetreibende, Privatpersonen und auch die Gemeindeverwaltung.

Geschäftsleute

Achim Erbeck, der in Körle eine Werbeagentur betreibt, surft seit einigen Tagen im Schneckentempo. Am 11. Dezember schaltete Vodafone seine 50 000er-VDSL- auf eine 2000er-DSL-Leitung – eine Katastrophe für Erbeck. Sein Telefon, das ebenfalls über die Internetverbindung läuft, kann er gar nicht mehr nutzen, weil man ihn kaum versteht. „Ich telefoniere mit den Kunden roboterartig. Die Situation ist existenzbedrohend. Ich kann ja auch Arbeiten für Kunden nicht fertigstellen.“ Eigentlich sollte sein Netcom-Anschluss am 15. Dezember geschaltet werden, „aber die Netcom hatte mitgeteilt, dass der Termin nicht eingehalten werden kann“, sagt der Werbefachmann.

Allerdings habe die Netcom auch keinen Alternativtermin genannt. Erbecks Vertrag bei Vodafone läuft am 31. Dezember aus. Obwohl er mehrfach bei der Netcom angerufen habe, sei nichts passiert. „Verträge unterschreiben geht schnell, aber jetzt kümmert sich einfach niemand. Die Netcom hat sich hier völlig übernommen.“

Auch bei Nicole Zilch, die in Körle ein Blumengeschäft betreibt, gibt es seit der Umstellung auf die Netcom große Probleme. „Fünf Tage, nachdem von Vodafone auf Netcom umgestellt worden war, funktionierte alles reibungslos.“ Doch dann plötzlich, am fünften Tag: „Ging gar nichts mehr.“ Sowohl Internet als auch Telefon seien tot gewesen. „Die Leute haben schon gedacht, mein Laden sei zu, weil sie niemanden erreicht haben. Und das vor Weihnachten, wo die Kunden doch alle bestellen“, sagt Nicole Zilch. Nach mehreren Anrufen bei der Netcom sei dann endlich drei Tage später ein Techniker gekommen. Seitdem funktioniert zwar das Internet, aber mit dem Telefon gebe es nach wie vor Probleme. Denn Anrufe könne sie nur entgegennehmen, wenn eine Rufumleitung vom Festnetz auf ihr Handy eingestellt ist. „Mit dem Festnetztelefon an sich kann ich derzeit gar nichts anfangen.“

Privatleute

Mit einem Hilferuf hatte sich Bernd Rohleder an die HNA gewandt. Seit der Umstellung auf die Netcom ging bei ihm plötzlich gar nichts mehr. Anrufe beim Internetanbieter hätten nichts gebracht, E-Mails an die Geschäftsführung seien unbeantwortet geblieben. Rohleder arbeitet im Homeoffice für B. Braun, „ich brauche den Internetanschluss.“ Eigentlich sollte der Netcom-Anschluss ab dem 15. Dezember laufen, pünktlich mit der Abschaltung des Vodafone-Zugangs.

Erst gestern Mittag wurde seitens der Netcom eine LTE-Übergangslösung übers Mobilfunknetz bei Rohleder installiert – nach drei Tagen ohne Anschluss. „Das ist erst mal besser als nichts.“ Dieser Techniker-Termin kam übrigens zustande, kurz nachdem die HNA bei der Netcom-Pressestelle eine Anfrage zum Kunden Rohleder gestellt hatte.

Die Verwaltung

Auch Bürgermeister Mario Gerhold spricht von einem „Problem, das wirklich brennt“. Nicht nur zahlreiche Haushalte in Körle seien betroffen, sondern auch Teile der Gemeindeverwaltung. Beim Aufrufen geografischer Systeme beispielsweise säßen die Mitarbeiter wegen der Internetprobleme „auf dem Trockenen“. Zum Glück sei der Server der Verwaltung an ein eigenes Rechenzentrum angeschlossen. So seien durch das Netcom-Problem nur Teilbereiche betroffen.

Die Netcom

Mit Vodafone sei vereinbart, dass die Weiterversorgung so lange mit gleichbleibender Geschwindigkeit läuft, bis die Netcom den Anschluss geschaltet hat. Das sagt Netcom-Sprecher Daniel Hecker . Dass dies beispielsweise bei Bernd Rohleder nicht geklappt hat, könne durch einen Fehler im Auftrag von Netcom an Vodafone zustande gekommen sein. Derzeit sei Bernd Rohleder auch der einzige Fall dieses Ausmaßes, der der Netcom bekannt sei.

Diejenigen, die einen 100Mbit/s Anschluss bei der Netcom bestellt haben, müssen sich noch etwas gedulden. Dort gebe es Verzögerungen wegen „ fehlender technischer Ressourcen“. Denn für diese hohe Geschwindigkeit müsse man das Vectoring-Verfahren (dafür waren der Netcom die Rechte zugesprochen worden) anschalten und dies geschehe erst, wenn alle Kunden in Körle angeschlossen sind. Man hoffe, dass der Wechsel aller Kunden in Körle bis Ende Januar abgeschlossen ist. Wer nicht zur Netcom gewechselt ist, so Hecker, kann bei Vodafone einen ADSL-Anschluss mit bis zu 16 Mbit/s bekommen. Allerdings müsse dann auch die entsprechende Technik vorhanden sein. Deshalb könne es durchaus sein, dass Vodafone-Kunden, die bisher 50 Mbit/s hatten (VDSL) nicht einmal eine 16 Mbit/s-Leitung bei Vodafone bekommen können, weil es schlicht eine andere Technik sei und VDSL nur noch von der Netcom angeboten werden darf. Wer Probleme mit dem Netcom-Anschluss hat, solle sich beim Kundenservice unter Tel. 0561 - 920 20 20 melden. Hecker sagt zu: „Wir finden dann eine Übergangslösung.“ (Carolin Hartung)

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