Körlerin rettet zwei Schweine vor dem Schlachter

Kennenlernen: Ferkel Tina mit der neuen Besitzerin Kathrin Weißenborn. Fotos: privat/nh

Körle. Ein Schwein als Hauptgewinn wird jedes Jahr auf der Körler Kirmes verlost - zum Schlachten. Doch dann zog eine Vegetarierin den Preis, und alles kam anders.

Der Gewinn

Abschied nehmen: Ylva Leinweber hätte die Ferkel gern selbst behalten, was aber nicht möglich war.

Ylva Leinweber (33) wohnt in Körle und nimmt jedes Jahr an der Kirmes-Tombola teil. „Ich habe immer gesagt: Wenn ich mal das Schwein gewinne, dann lasse ich es nicht schlachten - es soll leben.“ Die meisten Gewinner würden sich das Schwein zu Würsten verarbeitet ausliefern lassen. Doch das kam für die Vegetarierin nicht infrage. „Es muss doch für Schweine ein anderes Leben geben als die Schlachtung“, sagt sie. „Das sind so intelligente Tiere.“ Und dann zog Leinweber bei der Kirmes im November 2015 tatsächlich den Hauptgewinn - und musste den Schwur wahr machen.

Aus eins mach zwei

Bei einem Landwirt in Bischhausen bei Neuental sollte sich Leinweber „ihr“ Ferkel aussuchen. „Das war schwer, weil ich wusste: Das ist das Einzige, das überlebt “, erzählt sie. Die Körlerin entschloss sich, ein weiteres Ferkel zu kaufen - weil Schweine lieber in Gesellschaft leben. Die 33-Jährige entschied sich für ein gepunktetes sowie für ein geschecktes Schweinchen - und taufte die Tiere auf die Namen Bibi und Tina. Zwischen acht und zehn Wochen alt waren die Ferkel zu diesem Zeitpunkt.

Das Problem

Jetzt stand Leinweber jedoch vor einem Problem: Zuhause konnte sie Bibi und Tina nicht halten. Zumal die Ferkel noch wachsen: „Sie werden bis zu 300 Kilo schwer“, sagt Leinweber. Zunächst brachte sie die Ferkel in einer Pferdebox auf einem Körler Hof unter. Dann fand sie einen Platz für die Tiere bei einem Landwirt in Körle. „Aber das war keine Dauerlösung.“

Die Suche

Leinweber schaltete eine Anzeige mit der Information, dass sie die Tiere verschenken wolle - aber nur an jemanden, der ihr garantiere, dass Bibi und Tina nicht geschlachtet werden. „Daraufhin haben sich zwar viele gemeldet - aber die meisten wollten die Schweine langfristig eben doch schlachten.“ Es dauerte mehrere Wochen, bis Leinweber endlich ein Heim für Bibi und Tina gefunden hatte.

Das neue Zuhause

Neues Heim, neue Freunde: Ferkel Bibi spielt mit einem der Hunde ihrer jetzigen Besitzerin Kathrin Weißenborn im Schnee.

Bibi und Tina mussten nun nochmals eine Reise antreten: nach Mansfeld bei Sangershausen im Südharz. Dort liegt der Hof von Kathrin Weißenborn, die sich bereit erklärt hat, die Ferkel aufzunehmen - und am Leben zu lassen. Die neue Besitzerin schickt Ylva Leinweber regelmäßig Fotos von Bibi und Tina in ihrem neuen Zuhause. Auf den Bildern sieht man sie mit den Hunden von Kathrin Weißenborn im Schnee herumtollen und den Hof erkunden.

Das Fazit

„Es war die richtige Entscheidung“, sagt Ylva Leinweber über ihre Idee, die beiden Ferkel vor der Schlachtung zu bewahren. Die Suche nach einem neuen Heim für die Tiere sei zwar stressig gewesen. „Aber jetzt freue ich micht total, dass es ihnen dort gut geht.“ Ein wenig trauert sie Bibi und Tina schon nach. „Ich hätte sie gern behalten. Sie sind mit der Zeit ganz zutraulich geworden.“

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