So sehen Cowboys aus: Zwei Körler retten Kälber von Gleisen

Griffen beherzt ein: von links Marlon Schenkluhn und Niko Geiger. Foto: Carolin Hartung

Körle – Wenn sich Niko Geiger und Marlon Schenkluhn in 30 Jahren treffen und über alte Zeiten plaudern, dann wird dieser Satz ganz sicher fallen: Weißt du noch damals, als wir die Kälber von den Gleisen gerettet haben?

Es war vergangenen Samstag, als die beiden Schüler sich gerade mit ihren Fahrrädern von Körle in Richtung Stellbergsee aufmachten. Als sie am Bahnhof Körle Ost die Brücke überquerten, trauten sie ihren Augen kaum. „Dort standen zwei Kälber auf den Gleisen“, erzählt Niko Geiger. Ohne zu zögern, drehten die beiden sofort ihre Räder. „Wir hätten mit dem Gedanken, dass die Tiere dort stehen und möglicherweise qualvoll sterben, auf keinen Fall einfach weiterfahren können“, sagt Marlon Schenkluhn, der gestern 14 Jahre alt geworden ist. Schon als kleines Kind habe er immer auf einem Bauernhof geholfen, deswegen habe er einen starken Bezug zu den Tieren. An den Gleisen angekommen, wussten die beiden Jungs gleich, was zu tun war: Die drei Monate alten Kälber, die von einer nahegelegenen Weide ausgebüxt waren, mussten umgehend von den Gleisen. Nur wie? „Wir haben sie von den Gleisen weggetrieben, indem wir die Arme ausgebreitet haben“, sagt Niko Geiger. Die Kälber standen glücklicherweise noch auf dem Überholgleis. Wären sie ein paar Meter weitergelaufen, auf das hintere Gleis, wäre dies ihr sicherer Tod gewesen. Denn dort rauschen ICE-Züge mit bis zu 250 Stundenkilometern entlang.

Kälber in Sicherheit: Als die beiden Körler die Kälber von den Gleisen getrieben hatten, rief Niko Geiger die Polizei an. Foto: Marlon Schenkluhn

Bis zum Bahnsteig trieben die beiden Körler die Kälber. „Dort haben sie sich streicheln lassen, haben sich direkt hingelegt und waren ganz lieb“, sagt Marlon Schenkluhn. Sein Kumpel Niko rief währenddessen die Polizei an. Die informierte den Landwirt. Der Landwirt – und nicht die Jungs, so wie die Polizei gemeldet hatte – habe seine Kälber dann mit Stricken fixiert. Richtige Cowboys, also so welche mit Lasso, seien sie also gar nicht, meinen die beiden bescheiden. Die Polizei sei dann nach etwa einer Dreiviertelstunde hinzu gekommen.

Marlon Schenkluhn hatte am selben Tag schon eine Vorahnung. „Ich war mittags schon einmal da oben an der Weide. Es war der erste Tag, an dem die Kühe draußen waren.“ Zwei Tiere wollten anscheinend schon mittags das Weite suchen. Sie hatten sich aus der umzäunten Fläche befreit. „Ich habe sie dann wieder reingetrieben“, sagt der 14-Jährige. Er vermutet, dass die Kühe von den Pferden, die mit auf der Weide stehen, weggetrieben wurden.

Durch die wenigen Schulstunden aufgrund der Coronakrise haben die beiden besten Freunde mehr Freizeit als normalerweise. Und die verbringen sie am liebsten in der Natur. Auch, wenn die Ausflüge nicht jeden Tag so spannend sind, wie der am vergangenen Samstag. „Zuhause vor der Spielekonsole zu sitzen und zu zocken ist nicht so Unseres, wir gehen lieber raus“, sagt Niko Geiger. „Wir sind schon so richtige Dorfkinder.“ Und vorbildliche Dorfhelden.

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