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Stefan Metz aus Körle kommt mit dem Klassenzimmer zu den Schülern

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Von: William-Samir Abu El-Qumssan

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Stefan Metz aus Körle mit Gitarre vor seinem Lernmobil
Stefan Metz ist Lehrer mit einem mobilen Klassenzimmer. © William Abu El-Qumssan

Es gibt Kinder in der Region, die nicht in die Schule gehen – die Schule kommt zu ihnen. Stefan Metz aus Körle ist Lehrer an dieser besonderen Schule.

Körle/Nordhessen – „Wessen Kinder unterrichten Sie denn?“ – So lautet eine der ersten brennenden Fragen an Stefan Metz. Der 54-Jährige aus Körle hat ein 3,5 Tonnen schweres mobiles Klassenzimmer und ist Lehrer an der Schule für Kinder beruflich Reisender (SfKbR). Und in klassischer Lehrermanier beginnt er, als Antwort ein Schaubild auf dem Bildschirm aufzumalen.

Metz unterrichtet Kinder von Schaustellern, von Zirkusartisten und -mitarbeitern sowie Puppenspielern. „Kinder von Mitwirkenden bei Stunt-Events sind ebenfalls dabei.“ All diese Kinder haben keine feste Schule, die sie besuchen. „Ich komme mit meinem Arbeitsplatz zu ihnen“, sagt Metz. Seine Affinität für die Musik sei dabei ein Vorteil, um zu den häufig aus Künstlerfamilien stammenden Kindern einen Draht aufzubauen.

Lernmobil 6: Damit fährt Stefan Metz quer durch Nordhessen, um Kinder an vielen verschiedenen Orten zu unterrichten.
Lernmobil 6: Damit fährt Stefan Metz quer durch Nordhessen, um Kinder an vielen verschiedenen Orten zu unterrichten. © Abu El-Qumssan, William-Samir

Der Körler ist seit Februar Lehrer an der SfKbR. Aufmerksam wurde er auf den Arbeitsplatz durch einen Zufall. „Ich war bei einer Freundin zu Besuch und in ihrer Nachbarschaft stand eines der Lernmobile“, sagt Metz. „Und da dachte ich mir: Das will ich auch.“

Und so nahm er Kontakt zu der Lehrerin Heidrun Börner auf, deren mobiles Klassenzimmer er gesehen hatte. Und Metz erfuhr, dass sie bald in den Ruhestand gehen würde. „Und so kam eins zum anderen.“

Zuvor war Metz 15 Jahre lang Lehrer an der Burgsitzschule. Als er dort der Schulleitung unterbreitete, dass er einen anderen Weg einschlagen möchte, wurde ihm keine Steine in den Weg gelegt. „Ganz im Gegenteil, das lief alles total kooperativ und professionell ab.“

Lehrerzimmer ist nur einmal im Monat

Zwölf Lehrer mit zehn Lernmobilen sind in ganz Hessen für die Schule für Kinder beruflich Reisender (SfKbR) im Einsatz. Das Angebot gibt es seit dem Schuljahr 2010/2011. Im Juli 2015 haben erstmals zwei Kinder in Hessen an der SfKbR einen Realschulabschluss gemacht, heißt es vonseiten der Schule. Acht weitere machten im selben Jahr ihren Hauptschulabschluss. Für Nordhessen sind Stefan Metz aus Körle und zwei weitere Kolleginnen zuständig. Ein klassisches Lehrerzimmer gibt es nicht: Die zwölf Lehrer treffen sich aber einmal im Monat in Wiesbaden. Für die beiden geht es zu Großveranstaltung wie dem Lullusfest in Bad Hersfeld, zum Open Flair nach Eschwege und quer durch den Schwalm-Eder-Kreis. Mehr Infos unter schule-fuer-kinder-beruflich-reisender.de

Für das Fahrzeug, dass immer wieder Blicke auf sich zieht, sind die Lehrer verantwortlich: „Reinigung, Reifenwechsel, Reparaturen – das muss ich bei der fahrenden Schule alles auf dem Schirm haben und mich darum kümmern“, sagt Metz.

Zur Innenausstattung des zum Lernmobil umgebauten Transporters gehören: Acht Sitzplätze und Tische, eine Standheizung an jeder Fahrzeugseite, Internet- und Stromanschlüsse an jedem Sitzplatz und eine digitale Tafel (Whiteboard).

Für bis zu acht Schüler ist in dem umgebauten Transporter Platz.
Für bis zu acht Schüler ist in dem umgebauten Transporter Platz. © Abu El-Qumssan, William-Samir

Die Arbeit an der SfKbR sei mit viel Organisation verbunden. „Ich muss immer ganz genau schauen, wo ich wann sein muss und wie viele Kinder mich dort erwarten“, erklärt Metz. Er ist in ganz Nordhessen unterwegs – besonders dort, wo größere Veranstaltungen sind. „Dort kommen häufig mehrere Schüler zusammen.“

Metz betreut zwei Gruppen von Schülern. Zum einen hat Metz seine acht Stammschüler, die je nach Alter und Leistungsstand individuell unterrichtet werden. Außerdem gibt es noch den Unterricht für durchreisende Kinder, deren Betreuung er an einzelnen Veranstaltungsorten übernimmt.

Gängig sei Unterricht von der ersten Klasse bis zum Haupt- oder Realschulabschluss. Was die Lehrinhalte angeht, „muss man als Lehrer genauso flexibel sein, wie der Arbeitsplatz selbst“, sagt Metz. Das mache den Job für ihn besonders attraktiv. (William Abu El-Qumssan)

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