Leistungen für Patienten bleiben gleich

Von Körle nach Down Under: Sabine Peter hat ihren Pflegedienst verkauft und wandert aus

Der Mobile Pflegedienst ist verkauft: Frank und Sabine Peter freuen sich auf den Umzug nach Australien. Dort warten ihre drei Töchter und vier Enkelkinder.
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Der Mobile Pflegedienst ist verkauft: Frank und Sabine Peter freuen sich auf den Umzug nach Australien. Dort warten ihre drei Töchter und vier Enkelkinder.

Anderen Menschen zu helfen steht bei Sabine Peter (57) seit jeher an erster Stelle. Aber jetzt will sie auch mal etwas für sich tun. Sie hat ihren Körler Pflegedienst verkauft. Mit Ehemann Frank (58) und Hündin Leni wandert sie nach Australien aus. Für die Patienten ändere sich gar nichts, es bleibe alles beim Alten.

Körle – Seit 1996 gibt es das Mobile Pflegeteam von Sabine Peter. Zunächst war dieses in Guxhagen ansässig. Damals lernten Sabine und Frank Peter auch das Land der Kängurus lieben. 2002 gingen sie für zehn Jahre mitsamt der drei Töchter nach Australien – die Erfüllung eines Lebenstraumes, berichtet Sabine Peter. Dafür verkauften sie den Pflegedienst, der zu dieser Zeit an der Bahnhofstraße in Guxhagen angesiedelt war. 2012 kehrten sie in die alte Heimat zurück – die drei Töchter hatten sich jedoch für ein Leben in Australien entschieden und blieben dort.

Als der Pflegedienst in Guxhagen im selben Jahr insolvent ging, entschied sich Sabine Peter, ihn zurückzukaufen. „Mir hat das leidgetan“, sagt sie. Schließlich habe ja viel dran gehangen, die Mitarbeiter und die Patienten. Die acht Patienten übernahm Peter damals. Heute, keine zehn Jahre später, sind es 250 Patienten in Körle und Umgebung, die den Pflegedienst in Anspruch nehmen. „Wir sind wirklich dankbar, dass uns so viele Menschen in den vergangenen Jahren ihr Vertrauen geschenkt haben.“ Ihr Ehemann Frank erledigt die Abrechnungen.

Der Abschied nun falle ihr schwer, sagt Sabine Peter, die Krankenschwester gelernt hat. Denn sie habe ihren Beruf immer mit Herzblut gemacht. Und es habe immer Spaß gemacht, auch wenn freie Tage oft ins Wasser fielen, weil sie einspringen musste, weil Personal krank wurde. „Der Fachkräftemangel trifft uns auch sehr“, sagt sie. Aber die Dankbarkeit, die sie täglich von den Patienten erfahren habe, das sei immer ihre größte Motivation gewesen. „Wir sorgen dafür, dass die Menschen in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Das ist so wichtig“, sagt sie. Sie habe immer Wert darauf gelegt, dass sich die Mitarbeiter genügend Zeit für die Patienten nehmen – und das werde auch in Zukunft so bleiben, ist sich Peter sicher. „Natürlich muss man wirtschaftlich arbeiten, aber wir haben uns immer so organisiert, dass wir nicht gesagt haben, ‘nach 45 Minuten ist aber Schluss‘“, sagt Sabine Peter.

Gerade in der Sterbephase sei die Zeit, die man mit den Patienten verbringe, sehr wichtig, sagt Peter, die auch Palliativschwester ist. Alle 43 Mitarbeiter bleiben im Team, auch die gelben Autos. 19 Stück gibt es davon – eine extra große Flotte, damit es möglich ist, die Patienten zu ihren Wunschzeiten zu besuchen, erklärt Peter. Mit der Hera Residenzen GmbH habe man gezielt an ein Unternehmen verkauft, das diese Vorstellungen der Pflege ebenfalls unterstützt.

Die Corona-Pandemie habe sie noch mal in der Entscheidung bestärkt, jetzt einen Schlussstrich zu ziehen. „Für uns war das ein wahnsinniger Tiefschlag.“ So konnte beispielsweise die Tagesbegegnung nicht stattfinden – eine äußerst wichtige Einrichtung des Pflegedienstes, da es in Körle keine Tagespflege gibt. Normalerweise sind die Räume in Körle an vier Tagen pro Woche für Senioren geöffnet. Dann wird zusammen gebastelt, Sport gemacht, oder einfach nur geschnuddelt. Am Dienstag fand seit Langem wieder ein solches Treffen statt.

Eigentlich würde Sabine Peter gerne noch weiter arbeiten, „ich wünschte, ich wäre erst 38“, sagt sie. Denn sie habe noch so viele Ideen, um die Versorgung der Patienten immer weiter zu verbessern.

Aber nun sei es Zeit, sich ihrem Leben zu widmen. Und vor allem den vier Enkelkindern, die eins, drei, sechs und acht Jahre alt sind. „Wir haben uns für die Familie entschieden“, sagt die Mutter. „Und wir wollen noch viel mit unseren Enkeln unternehmen, deshalb gehen wir jetzt und warten nicht, bis wir 70 sind.“ Schließlich wisse niemand, was bis dahin sei. Spätestens im Sommer 2022 werden die Peters nach Down Under fliegen, vorher wollen sie aber noch helfen, dass die Übernahme des Pflegedienstes reibungslos läuft. (Carolin Hartung)

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