Schäden verringern 

Wegen Unwetter: Körle hat Natur- und Bodenschutzkonzept erstellt 

Den Wagenfurthern ist der Frühsommer 2018 wohl noch allzu gut in Erinnerung. Innerhalb weniger Tage stand der Ort gleich zweimal unter Wasser.

Etwa alle drei Jahre gibt es in Körle ein Unwetter – so die Statistik. Um die Schäden bei solchen Ereignissen möglichst gering zu halten, wurde für Körle und die Ortsteile ein Natur- und Bodenschutzkonzept erstellt.

Ein Pilotprojekt

Ein Pilotprojekt nennt Diplom-Agraringenieur Dr. Richard Beisecker vom Ingenieurbüro für Ökologie und Landwirtschaft (ifÖL) aus Kassel das Konzept für Körle. Das Besondere: Ökologische Ziele, wie beispielsweise die Förderung der Artenvielfalt, werden mit dem Ziel, Hochwasserschäden zu mindern, verbunden. „Alle Beteiligten und Betroffenen wurden in die Entwicklung einbezogen“, sagt Beisecker. Dazu gehören die Kommune, Landwirte, der Naturschutzbund sowie die Jagdgenossenschaft. So gab es beispielsweise Vor-Ort-Begehungen. Die Aufarbeitung der Problematik durch ein externes Fachbüro sei äußerst wichtig gewesen, sagt Bürgermeister Mario Gerhold. „Denn vorher hat jeder immer die Schuld beim anderen gesucht.“

Das Problem

Bei Starkregen fließen Wassermassen aus dem Wald in Richtung Tal. Das Wasser sucht sich seinen Weg dabei auch über landwirtschaftliche Flächen. Kein Wunder, 57 Prozent der Gemarkung Körle werden landwirtschaftlich genutzt. Fehlen dann abflussbremsende Strukturen wie Erosionsschutzstreifen und sind dazu noch die Abflüsse verstopft, steht beispielsweise der Wagenfurther Ortskern im Nu unter Wasser. Das bedeutet nicht nur Schäden für Kommune und Anwohner, sondern auch für die Landwirte. Je nach Bewirtschaftung wird dabei massenweise Mutterboden abgetragen.

Die Gründe

Richard Beisecker, Agraringenieur.

Mithilfe von Karten zu Bodenbeschaffenheit und Geländestrukturen sowie unter Einbeziehung von hydrologischen Aspekten hat das Ingenieurbüro ermittelt, welche Flächen erosionsgefährdet sind. Was angebaut und wie intensiv der Boden bearbeitet wird, spielt eine Rolle. So mache es beispielsweise einen großen Unterschied, ob Wasser auf Grünland oder auf eine Ackerfläche trifft, erklärt Beisecker. Mais- oder Zuckerrübenanbau in ungeeigneter Lage kann insbesondere im Frühsommer, wenn der Pflanzenbestand den Boden noch nicht voll bedeckt hat, zu Überschwemmungen führen.

Auch fehlende Gräben und Durchlässe, sowie verstopfte Einläufe tragen zur Problematik bei. „Wir haben Nachholbedarf, was die Unterhaltung der Gräben angeht“, sagt Gerhold.

Die Umsetzung

Für Lobenhausen schlägt das Konzept beispielsweise vor, nordwestlich des Ortes mehrere Begrünungslinien anzulegen. Zudem könnte ein Streifen mit Feldgehölz Wasser, das vom Wald in Richtung Tal fließt, aufhalten. 

Für mehrere landwirtschaftlich genutzte Flächen schlagen die Experten außerdem eine reduzierte Bodenbearbeitung mit Mulchauflage vor. Etwa 30 Prozent des Bodens werden dabei mit Mulch bedeckt, erklärt Beisecker. „Durch die Struktur wird weniger Boden abgeschwemmt.“ Erste Maßnahmen seien durch die Gemeinde bereits umgesetzt worden, sagt Gerhold. 

Beispielsweise wurde in Wagenfurth ein neues Einlaufbauwerk errichtet. Für die kommenden Monate stehen Gespräche mit Landwirten und Grundstückseigentümern an, um herauszufinden, wann welche Schutzmaßnahmen umgesetzt werden können. Auch ein Treffen mit dem Forstamt stehe an. Das Konzept umzusetzen, sei eine Daueraufgabe, sagt Gerhold. Auch wenn die Ausweisung neuer Baugebiete ökologische Ausgleichsmaßnahmen erforderten, sei das Konzept sicherlich hilfreich.

Die Kosten

Für das Natur- und Bodenschutzkonzept plant die Gemeinde mit Kosten von 65.000 Euro. 15.000 Euro für die Erstellung durch das Ingenieurbüro und 50.000 für Grundstückskäufe, um beispielsweise Erosionsschutzstreifen anzulegen. Das Geld stammt aus den Ausgleichszahlungen des Stromnetzbetreibers Tennet für die 380 Kilovolt-Trasse Wahle-Mecklar.

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