Frau soll gegen Tierschutzgesetz verstoßen haben

Kranke Ponys: Anklage gegen Züchterin aus dem Schwalm-Eder-Kreis

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Zustand ist strittig: Dieses Bild soll Tiere aus der Zucht der Angeklagten zeigen. Laut Berichten der Staatsanwaltschaft waren mehrere Tiere in schlechter Verfassung.   

Melsungen. Kranke, verwahrloste Ponys auf einer Weide, Vorwürfe gegen einen Mitarbeiter des Veterinäramtes: Die Kasseler Staatsanwaltschaft hat jetzt Anklage gegen eine Frau aus dem Schwalm-Eder-Kreis erhoben. 

Die 41-Jährige soll gegen das Tierschutzgesetz verstoßen haben. 

Die Anklage

Die Beschuldigte betrieb im Tatzeitraum von März bis August 2017 eine Ponyzucht. Sie soll laut Staatsanwaltschaft in mehreren Fällen eine ordnungsgemäße Versorgung und Pflege der Tiere vernachlässigt haben. Bereits im März vergangenen Jahres wurde eines der Tiere tot aufgefunden. Bei einer Kontrolle Ende März desselben Jahres wurde ein schwer atmendes und bewegungsunfähiges Tier bei der Beschuldigten festgestellt. Eine zugesagte tierärztliche Versorgung soll sie unterlassen haben, weshalb das Tier verendet sein soll.

Weiter heißt es: Bei einer Kontrolle Ende August wurden bei mehreren Ponys unbehandelte, erhebliche Schmerzen verursachende Erkrankungen festgestellt, unter anderem Entzündungen der Horn- und Bindehaut, unbehandelte Gebissfehler sowie Durchfallerkrankungen. Die Anklage umfasst Verstöße gegen das Tierschutzgesetz in insgesamt sieben Fällen.

Weitere Anschuldigungen

Der Fall hat in den sozialen Netzwerken für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Dort wurden der Beschuldigten weitere Versäumnisse vorgeworfen. Eine schwerwiegende Anschuldigung, die sich auch gegen die Veterinärbehörde des Landkreises richtete, lautete: Einer der Amtstierärzte hätte in der Vergangenheit wiederholt zwei Augen zugedrückt, weswegen die Missstände nicht weiter verfolgt worden waren. Der Landkreis wies diese Unterstellung zurück. Im Gegenteil: Es gebe umfangreiche Dokumentationen zu Gesprächen und Auflagen, die der Züchterin gemacht worden waren.

Ponys weggenommen

Mitte Dezember musste das Veterinäramt von einer Weide im Landkreis insgesamt 35 Ponys in Verwahrung nehmen. Eigentümer dieser Tiere waren nach Erkenntnissen des Landkreises die Angeklagte sowie zwei weitere Personen. Außerdem wurden fünf an einem anderen Standort gehaltene Ponys geholt.

Der Landkreis beruft sich auf den Paragrafen 16a des Tierschutzgesetzes. Dort heißt es: Ein Tier, das erheblich vernachlässigt ist oder schwerwiegende Verhaltensstörungen aufzeigt, ist dem Halter fortzunehmen und so lange auf dessen Kosten anderweitig pfleglich unterzubringen, bis eine entsprechende Haltung des Tieres durch den Halter sichergestellt ist. Diese Fortnahme sei das Ergebnis einer engen Überwachung der Halterin.

Der Hintergrund

Bereits zuvor habe es mehrere Gespräche gegeben und unter anderem auch die Auflage, den Bestand von nahezu 100 Tieren drastisch zu verkleinern.

Den Auflagen sei die Beschuldigte nach Angaben des Landkreises nur in Teilen nachgekommen. Zum Zeitpunkt der Fortnahme hätten sämtliche Tiere des Bestandes unter allgemeiner erheblicher Vernachlässigung und fehlender Betreuung gelitten. Außerdem habe es gravierende Mängel in der Unterbringung gegeben. Die Züchterin sei als Tierhalterin lange bekannt und unauffällig gewesen.

Die Veterinärbehörde vermutete in der stark gewachsenen Bestandsgröße einen Hauptgrund der Versäumnisse. Die Angeklagte habe die Zucht im Nebenerwerb betrieben und sei mit der Anzahl wohl überfordert gewesen.

Die Veterinärbehörde weist darauf hin, dass die Mängel bei Weitem nicht so tiefgreifend seien, wie dies zum Beispiel in den sozialen Netzwerken verbreitet worden war. Der Fall liegt jetzt beim Melsunger Amtsgericht. Einen Termin für die Hauptverhandlung gibt es noch nicht.

Die Angeklagte wollte sich aktuell nicht zu den Vorwürfen äußern.

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