1. Startseite
  2. Lokales
  3. Melsungen

Kunden trifft Automangel: Wartezeiten und höhere Preise bei Händlern im Landkreis

Erstellt:

Von: Helmut Wenderoth, Sandra Rose, Clara Veiga Pinto, William-Samir Abu El-Qumssan

Kommentare

Engpässe: Andreas Rietschle, Inhaber des Felsbeger Opel-Autohauses, nennt eine Wartezeit von 12 bis 15 Monate für E-Autos.
Engpässe: Andreas Rietschle, Inhaber des Felsbeger Opel-Autohauses, nennt eine Wartezeit von 12 bis 15 Monate für E-Autos. © Manfred Schaake

Wer ein neues Auto kaufen will, hat es momentan schwer. Kunden müssen lange Lieferzeiten und hohe Preise hinnehmen.

Schwalm-Eder – Das berichten auch die Autohändler im Schwalm-Eder-Kreis. Die Gründe dafür sind vielfältig. So mangelt es auch dem Felsberger Autohaus Rietschle an Autos: „Bei E-Autos haben wir aktuell eine Lieferzeit von zwölf bis 15 Monaten“, sagt Andreas Rietschle, Inhaber des Opel-Autohauses.

„Bei Verbrennern beträgt die Wartezeit drei bis fünf Monate.“ Das liege daran, dass sich das Autohaus einen „gewissen Bestand“ an Fahrzeugen aufgebaut hat. „Die Kunden können dann zwar nicht zwischen zehn Farben wählen, aber insgesamt sind wir gut bevorratet“, sagt Rietschle auf HNA-Anfrage. „Durch die Knappheit werden die Autos aber teurer.“

Längere Lieferzeiten bei Fahrzeugen und Ersatzteilen sind die deutlichsten Auswirkungen für Karl Ulrich Weinhold, Inhaber und Geschäftsführer vom Fritzlarer Mercedes-Autohaus Weinhold. Auch die Preissituation sei alles andere als entspannt.

Transparenz: Autohäuser informieren Kunden

Die Knappheit bei Halbleiterprodukten und die Preissprünge am Stahlmarkt betreffen die Automobilbranche und deren Kunden hierzulande laut Weinhold besonders stark. Daher sei es aktuell wichtig, Transparenz zu zeigen und mit den betroffenen Kunden zu kommunizieren.

„Das ist alles weder schön noch wirtschaftlich gut, aber im Vergleich zur Lage der Menschen in der Ukraine vernachlässigbar“, gibt der Fritzlarer Autohändler zu bedenken.

Die Einschätzung von Rietschle und Weinhold bestätigt auch Uwe Lubitz, Verkaufsleiter beim Autohaus Ostmann in Wolfhagen. Er ist unter anderem auch zuständig für die Niederlassung in Ziegenhain. Uwe Lubitz berichtet, dass die Nachfrage an Neuwagen weiterhin groß sei und die Kunden die langen Lieferzeiten mittlerweile akzeptierten.

Automangel: Bauteile fehlen

Zum Teil warte mancher Kunde bis zu einem Jahr auf sein neues Auto. Wichtig sei, dass vom Hersteller genügend Informationen kämen. Als Grund für die Lieferverzögerungen nennt Lubitz nicht etwa das Fehlen klassischer Bauteile – es fehlten in erster Linie Chips. Die hingen aufgrund der gesperrten Häfen in China fest.

Zu erheblichen Engpässen komme es zudem bei Kabelbäumen, die überwiegend in der Ukraine hergestellt würden. Kunden müssen sich dadurch in Zukunft auf höhere Preise einstellen, prognostiziert Lubitz. Audi habe dies als Vorreiter bereits angekündigt.

Gebrauchtwagen so teuer wie noch nie

Auch an einen Gebrauchtwagen zu kommen, ist aktuell nicht einfach. Nach Analyse des Gebrauchtwagen-Portals AutoScout24 hat sich der Durchschnittspreis eines Pkw aus zweiter Hand im vergangenen Jahr auf fast 23 000 Euro und damit um mehr als 2000 Euro gegenüber dem Vorjahresniveau zugelegt. „Verbraucher geben demnach mehr Geld für einen Gebrauchtwagen aus als jemals zuvor seit Bestehen der Datenerhebung“, heißt es in der Auswertung.

Für Kunden ist es aktuell schwer, auf dem Automarkt fündig zu werden. Auch die Lage bei den Händlern im Melsunger Kreisteil ist angespannt.

Im Autohaus Griesel in Röhrenfurt sind die Autos knapp. „Es kommt auf den Hersteller an, aber aktuell muss man zwischen sechs und acht Monaten auf ein Auto warten“, erklärt Inhaber Angelo Döring.

„In Spitzenzeiten haben die Kunden teilweise nur sechs Wochen auf ihren neuen Wagen gewartet“, erinnert er sich. Die langen Wartezeiten hätten verschiedene Ursachen. „Der Halbleiter- und Rohstoffmangel ist ein großes Problem. Hinzu kommt die Transportsituation, denn es fehlen Container“, bedauert Döring.

Verkauft: Auch bei Andreas Flaschka vom Autohaus Poniewass in Melgershausen heißt’s warten.
Verkauft: Auch bei Andreas Flaschka vom Autohaus Poniewass in Melgershausen heißt’s warten. © Helmut Wenderoth

Ein weiterer ausschlaggebender Punkt sei nun auch der Ukraine-Krieg. „Einige Bauteile werden in der Ukraine produziert“, sagt er. Aktuell habe das Autohaus „extrem viele Kunden“, die es nicht bedienen könne.

„Ich empfehle meinen Kunden jetzt schon, dass sie sich ein Jahr bevor ein neues Auto fällig ist, darum kümmern sollen“, sagt Döring. Er glaubt, dass Autos noch teurer werden: „Wir sind noch nicht am Ende der Preisschraube angelangt.“

Jochen Brüne, Inhaber des gleichnamigen Autohauses in Melsungen, fehle aktuell ein Drittel der bestellten Wagen. „Es wird nicht begründet, warum sie nicht oder später geliefert werden“, sagt er. Manche Bestellungen würden auch einfach storniert.

Wartezeiten hoch: Automangel ist spürbar

Sieben bis acht Monate müssen die Kunden im Schnitt auf ein Auto warten. „Im Vergleich zur Vergangenheit sind sie auch teurer“, fällt ihm auf. Je nach Modell belaufe sich die Preissteigerung auf drei bis fünf Prozent.

Kfz-Meister Andreas vom Autohaus Poniewass in Melgershausen sagt, dass laufend Kunden kommen, die gern ein neues Auto kaufen wollen, „und das möglichst kurzfristig.“ Doch es gebe enorme Lieferschwierigkeiten.

„Es dauert im Schnitt fünf bis sechs Monate bis die Fahrzeuge geliefert werden“, sagt Flaschka. „Im Moment habe ich nur einen Vorführwagen da.“ Auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt sei das Angebot begrenzt.

Es seien kaum Fahrzeuge zu bekommen. Immerhin die Lieferfristen bei Ersatzteilen würden sich noch im Rahmen halten: „Da haben wir momentan keine Probleme.“ (Clara Pinto, William Abu El-Qumssan, Sandra Rose, Helmut Wenderoth)

Auch interessant

Kommentare