Landkreis folgt Empfehlung des hessischen Datenschutzbeauftragten

Schwalm-Eder-Kreis verwehrt Herausgabe von Coronazahlen auf Gemeindeebene

Proben für Corona-Tests Probenröhrchen
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Proben für Corona-Tests: Die Zahl der Infizierten steigt. Eine Veröffentlichung der Zahlen auf Gemeindeebene könnte die Menschen sensibilisieren, das Virus wäre greifbarer, manch einer nähme es ernster. Der Landkreis verwehrt die Herausgabe der Informationen aber.

Die Zahl der Corona-Infizierten im Schwalm-Eder-Kreis steigt weiter. Am Freitag waren 223 Menschen infiziert und mehr als 1000 befanden sich in Quarantäne und häuslicher Isolation. Auch wenn der Landkreis jüngst vermeldete, es gebe keine Hotspots, also lokal beschränkte Infektionsherde, so gibt es doch signifikante Unterschiede zwischen den drei Altkreisen, was die Zahl der Infizierten und der Toten angeht.

Schwalm-Eder – Die Kreisverwaltung verwehrt die Herausgabe der Infektionszahlen nach Gemeinden aber nunmehr seit Monaten. Ebenso erhalten die drei HNA-Redaktionen im Landkreis trotz wiederholter Nachfragen keine Aufstellung der aktuell betroffenen Schulen, Kindergärten und anderen Einrichtungen.

Der Landkreis verweist dabei vornehmlich auf den Persönlichkeitsschutz und die Empfehlung des hessischen Datenschutzbeauftragten.

Der Landkreis blieb auch am Freitag bei seiner Haltung. Die Landkreise Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner – sowie viele andere deutschlandweit – informieren ihre Einwohner hingegen mit größtmöglicher Transparenz. Dort werden neben den Zahlen auf kommunaler Ebene auch die aktuellen Zahlen zu Infizierten in den Krankenhäusern und die Belegung der Intensivstationen mitgeteilt. Informationen, die für die Einwohner von großer Bedeutung sind.

Sogar im Eskalationskonzept des Landes heißt es in den Erläuterungen zur Corona-Ampel, dass ab einer Inzidenz von 35 verstärkte Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden soll. Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg veröffentlicht diese Zahlen sogar in den sozialen Medien.

Die Frankenpost sah sich vor Monaten derselben Situation ausgesetzt. Sie forderte vom Landkreis Tirschenreuth in einem Rechtsstreit die Herausgabe der Daten. Die Regionalzeitung bekam vor dem Regensburger Verwaltungsgericht vollumfänglich recht. Dem Auskunftsersuchen stehe das allgemeine Persönlichkeitsrecht nicht entgegen. Auch bei Gemeinden mit einer geringen Einwohnerzahl seien keine Rückschlüsse auf die Identität möglich, heißt es in der Begründung des Gerichts.

Der Schwalm-Eder-Kreis vermeldet auf HNA-Initiative seit Freitag die Zahlen auf Gemeindeebene mit der Einschränkung, dass nur in Kommunen die absolute Zahl genannt wird, wenn es mehr als zehn Infizierte gibt.

Die deutlichen Unterschiede in den Altkreisen das Infektionsgeschehen betreffend, lassen sich laut Landkreis möglicherweise auf die Einwohnerzahl und die Anzahl von Mittelzentren zu-rückführen. So sind im Altkreis Fritzlar-Homberg 115 Personen (Stand Donnerstag) mit dem Corona-Virus infiziert, bei einer Einwohnerzahl von 84 396. Die höchsten Infektionszahlen lassen sich dabei auf zwei der größten Kommunen des Altkreises, Borken (21) und Homberg (21), lokalisieren. Demgegenüber ist der Altkreis Melsungen der Einwohnerschwächste im Landkreis mit 45 942 Einwohnern und 39 Infizierten. Auch dort waren am Donnerstag die Infektionszahlen in den beiden Kommunen mit mehr als 10 000 Einwohnern, Melsungen und Felsberg, mit 13 (Melsungen) und 14 (Felsberg) mit Abstand am höchsten.

Eine Übersicht der Schulen und Kindertagesstätten gibt es mit dem Verweis auf das sich schnell ändernde Infektionsgeschehen nicht. Aktuell betroffen sind im Landkreis zwei Kitas, zwölf Schulen und fünf andere Einrichtungen. (Damai D. Dewert)

Das Infektionsgeschehen im Landkreis auf Gemeindeebene (Stand Freitag, 12.45 Uhr). Der Landkreis nennt Zahlen nur für Kommunen mit mehr als zehn Infizierten.

Schwalmstadt 38

Borken 21

Homberg 19

Gudensberg 13

Niedenstein 13

Felsberg 12

Fritzlar 11

Gilserberg 11

Alle anderen Kommunen haben weniger als elf Infizierte. Das sind Bad Zwesten, Edermünde, Frielendorf, Guxhagen, Jesberg, Knüllwald, Körle, Malsfeld, Melsungen, Morschen, Neuental, Neukirchen, Oberaula, Ottrau, Schrecksbach, Schwarzenborn,  Spangenberg, Wabern und Willingshausen.

Seit Beginn der Coronapandemie gibt es große Unterschiede im Infektionsgeschehen. Die hohen Zahlen im Südkreis hatten in der ersten Welle vor allem mit den Ischgl-Rückkehrern und dem Schwalmstädter Kneipenfest zu tun. Unterschiede zwischen den drei Altkreisen sind aber immer noch vorhanden:

. Schwalmstadt: Fälle insgesamt: 403, aus Isolation entlassen: 310, Verstorben: 14, aktuell infiziert: 79.

. Fritzlar-Homberg: Fälle insgesamt: 514, aus Isolation entlassen: 384, Verstorben: 25, aktuell infiziert: 105.

. Melsungen: Fälle insgesamt: 216, aus Isolation entlassen: 175, Verstorben: 2, aktuell infizierte Personen: 39.

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