Leben ohne Internet: Junges Paar aus Wagenfurth ist gern offline

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Sie kommen sehr gut ohne E-Mails und Whats App zurecht: Sandra Feldbusch und Björn Dieling aus Wagenfurth.

Wagenfurth. Ein Leben ohne Internet - das erscheint heute vielen Menschen als unmöglich. Wir haben ein junges Paar aus Wagenfurth getroffen, das prima ohne E-Mail und Co. zurecht kommt.

Die Tage zwischen Weihnachten und Silvester gehören zu den ruhigsten im ganzen Jahr. Für manche ist dies die einzige Zeit, in der sie Computer und Handy einmal unbeachtet lassen und es genießen, ein paar Tage lang keine E-Mails zu lesen oder im Internet zu surfen. Für Sandra Feldbusch (34) und Björn Dieling (36) aus Wagenfurth hingegen ist das kein Ausnahmezustand, sondern Normalität: Sie haben zuhause nämlich seit drei Jahren gar kein Internet - und sind damit rund ums Jahr sehr glücklich.

„Alle tun so, als sei es existenziell wichtig, Internet zu haben“, sagt Sandra Feldbusch. „Aber früher sind die Menschen doch auch ohne klar gekommen.“

„Eigentlich braucht man das Internet zuhause nicht wirklich“, ist die 34-Jährige überzeugt. „Den Urlaub kann man im Reisebüro buchen, Telefonnummern im ganz normalen Telefonbuch nachschlagen.“ Viele würden Kochrezepte und ähnliches im Internet suchen - überflüssig, findet Feldbusch. „Wenn ich was wissen will, google ich nicht: Ich rufe Mutti an.“ Um auf dem neuesten Stand zu bleiben, brauche sie das Internet nicht: „Das Radio läuft bei uns den ganzen Tag, und am Wochenende kommt die Zeitung.“

Auch Björn Dieling vermisst den Internetanschluss zuhause nicht. Beruflich, räumt er ein, sehe das anders aus: „Ich bin in der Lkw-Branche tätig, da geht ohne Internet gar nichts.“ Aber: „Ich nutze den Computer ja schon während der Arbeit, da habe ich in der Freizeit dann keine Lust mehr dazu.“ Dass er das Internet privat nicht nutzt, hat aus seiner Sicht einen großen Vorteil: Schutz vor Datenklau.

Auch ein Smartphone, auf dem man bequem surfen oder E-Mails abrufen könnte, besitzen Feldbusch und Dieling nicht - und sind froh darüber. „Ein Smartphone wäre mir viel zu klobig“, sagt Björn Dieling, und Sandra Feldbusch stellt fest: „Wenn Sie irgendwo sind und alle starren nur auf ihr Handy - was ist denn das für eine Kommunikation?“ Da müsse man sich doch fragen, was wichtiger sei: das Telefon oder die Freunde.

„Manche Leute sind schon geschockt, wenn sie hören, dass wir kein Internet haben“, sagt Feldbusch. Aber die meisten hätten sich inzwischen daran gewöhnt - und sich auch an die Situation angepasst. So werden Informationen aus dem Ortsbeirat, in dem Sandra Feldbusch Mitglied ist, normalerweise per E-Mail verschickt. „Aber ich werde angerufen“, sagt sie. Sie habe zwar noch eine E-Mail-Adresse - aber die habe sie seit Jahren nicht mehr abgerufen.

Auf den Rest der Familie hat die Internet-Abstinenz allerdings nicht abgefärbt: Ihre Mutter mache viel im Internet, erzählt Sandra Feldbusch, und ihr 15-jähriger Sohn gehe dann eben zur Oma, wenn er surfen wolle oder nutze sein Smartphone dafür. Eine völlig internetfreie Zone zu schaffen - das ist heutzutage eben doch schwierig.

Von Judith Féaux de Lacroix

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