Männergesangsvereine kämpfen gegen Nachwuchsmangel

Seit 60 Jahren aktiver Chorsänger: Konrad Krass vor der historischen Vereinsfahne des Männergesangvereins 1892 Ellenberg. Foto: Schaumburg-Reis

Ellenberg. Gesangsvereine bemühen sich oft erfolglos um Nachwuchs, besonders die Männergesangsvereine.

Einer, der diese Entwicklung über Jahrzehnte miterlebt hat, ist Konrad Kraß vom MGV Ellenberg.

Als er 15 war, trat der heute 75-Jährige in den Gesangverein seines Heimatortes Ellenberg ein, der, wie damals üblich, ein reiner Männerchor war. Mit 25 Jahren übernahm er den Vorsitz und hat ihn bis heute ohne Unterbrechung inne.

Das ist, neben 60 Jahren als aktiver Sänger, ein halbes Jahrhundert ehrenamtliches Engagement als Vereinsvorsitzender. Laut Volker Bergmann (Morschen), Präsident des Mitteldeutschen Sängerbundes und Vorsitzender des Sängerkreises Heiligenberg, hat es das im Chorwesen der Region so noch nicht gegeben.

Insbesondere einem Männergesangverein 50 Jahre vorzustehen sei „die absolute Ausnahme“. Denn die meisten Männerchöre haben sich aus Mangel an Mitsängern inzwischen in Gemischte Chöre gewandelt.

Auch er habe frühzeitig dafür plädiert, den MGV Ellenberg - im Jahr 1892 von 20 Männern gegründet - mit Frauenstimmen zu verstärken, erinnert sich Konrad Kraß. „Aber einige waren dagegen.“ Das habe nicht an Frauenfeindlichkeit, sondern an der Vorliebe für die Musikliteratur für Männerstimmen gelegen. Deshalb beschritten die Ellenberger einen anderen Weg: Sie gründeten 1994 eine Chorgemeinschaft mit dem Männergesangverein Wolfershausen. Durch den Zusammenschluss waren es wieder 30 Sänger, die gemeinsam auftraten. Heute sind es nur noch 24.

Zwar habe man in den zurückliegenden Jahren offensiv um Mitsänger geworben, unter anderem bei den jungen Leuten aus der Feuerwehr. Aber bisher erfolglos. „Einige singen zwar gern, aber sie möchten nicht jede Woche zu Proben kommen“, erklärt sich Kraß die steigende Beliebtheit von Projektchören. Auch der traditionelle Musikstil, wie er in den klassischen Männergesangvereinen gepflegt werde, sei nicht jedermanns Sache.

Konrad Kraß sieht die Zukunft des Männergesangs in Ellenberg realistisch: „Wir hoffen, dass wir unser 125-jähriges Bestehen im Jahr 2017 noch feiern können.“ Wenn aber die Tendenz so bleibe, könne er sich Auftritte in der Öffentlichkeit danach nicht mehr vorstellen.

Von Petra Schaumburg-Reis

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