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Nachts zu Fuß auf Autobahn: 20-Jähriger aus Nordhessen auf Mallorca überfahren

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Von: Damai Dewert

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Ein Mann aus Guxhagen wird auf Mallorca überfahren. Der Unfall ereignete sich offenbar an einer für Fußgänger hochgefährlichen Stelle.

Palma/Guxhagen - Ein tragischer Unfall auf der Ferieninsel Mallorca erschüttert Guxhagen. Der 20-jährige Tim V. wurde nach Angaben der mallorquinischen Polizei in der Nacht von Samstag (8. Oktober) auf Sonntag auf einer Autobahn überfahren. Die Polizeidirektion Schwalm-Eder bestätigt den tragischen Tod des jungen Guxhageners. Der Tod wirft einige Fragen auf.

Was bisher bekannt ist: Tim V. lag nach Recherchen der Mallorca Zeitung gegen 22.30 Uhr auf der Autobahn Llucmajor-Palma (Ma-19) kurz hinter der Einfahrt 11 auf der Fahrbahn. Dort wurde er von einem Auto überfahren. Die Fahrerin des Renault hatte wohl keine Chance auszuweichen, heißt es von der Zeitung weiter. Tim V. starb noch an der Unfallstelle. Bekleidet sei er lediglich mit Strandsachen gewesen. Warum er auf der Autobahn lag, ist bislang unklar. Die Polizei geht davon aus, dass sich der junge Guxhagener nach einer Party an der etwa 1,5 Kilometer entfernten Partymeile eventuell verlaufen haben könnte. Das sei aber keinesfalls sicher. Das Ergebnis einer Alkoholuntersuchung stand noch aus. Medienberichten, der Urlauber sei angefahren worden, als er versucht habe, die Autobahn zu überqueren, widersprach die Polizei.

Mann aus Guxhagen auf Mallorca überfahren: Dunkle Umgebung, schwierige Wegführung vor Ort

Die Mallorca Zeitung hat sich am Montagnachmittag vor Ort umgeschaut. „Es fällt direkt auf, dass die Autobahn im Bereich der Ein- und Ausfahrt 11 keine Straßenlaternen aufweist“, schreibt Redakteur Johannes Krayer. Es sei dort nachts stockdunkel. Die Straße führe über einen Zebrastreifen, der Gehweg verlaufe dann parallel zur Autobahnauffahrt, knicke aber plötzlich ab. „Läuft eine Person im Dunkeln weiter, landet sie direkt auf der Autobahn“, sagt Krayer.

Im Gegensatz zur Ein- und Ausfahrt 11 seien die meisten Autobahn-Anschlussstellen auf Mallorca eigentlich beleuchtet, sagt Krayer. An dieser Stelle gebe es trotz der fehlenden Beleuchtung und älterer Unfälle weder ein Warnschild noch eine Sperre. „Wenn es dunkel ist, der Fußgänger nicht ortskundig und vielleicht noch alkoholisiert, wundert es mich nicht, dass es dort zu Unfällen kommt“, sagt der Redakteur.

Eine Karte der Unglücksstelle auf Mallorca.
Eine Karte der Unglücksstelle auf Mallorca. © HNA/Damai Dewert

Mann aus Nordhessen stirbt auf Mallorca: nicht der erste Tote an der Unfallstelle

Nach Informationen der Mallorca Zeitung war der junge Guxhagener gemeinsam mit einem Freund in einem Hotel in Cala Ratjada an der Ostküste abgestiegen – rund 60 Kilometer vom Unfallort entfernt. Für diesen Tag hätten beide einen Ausflug an den Ballermann geplant, im Lauf der Nacht verloren sie sich aber aus den Augen, berichtet Johannes Krayer von der Mallorca Zeitung. Die Stelle gelte als Unfallschwerpunkt: Es sei nicht das erste Mal, dass es an dieser Stelle zu einem solchen Unglück gekommen ist, berichtet Krayer. Immer wieder würden zumeist junge Urlauber, die alkoholisiert sind, an der Aus- und Einfahrt Nummer 11 von Autos erfasst.

Vor sieben Jahren starb ein 23-jähriger Deutscher an derselben Stelle. In den Jahren zuvor seien auf der Autobahn rund um die Playa de Palma vier weitere deutsche Urlauber ums Leben gekommen. Die Opfer, allesamt Männer, waren 22, 23, 23 und 59 Jahre alt. Nach dem letzten Unfall im Oktober 2015 forderte nach Recherche der Mallorca Zeitung die Verkehrsabteilung der Guardia Civil eine Beleuchtung für das Gefahrenstück. Denn die vier tödlichen Unfälle fanden innerhalb nur eines Kilometers statt. Der zuständige Inselrat sei indes noch nicht aktiv geworden.

Für den Mann aus Nordhessen kam jede Hilfe zu spät. Er verstarb noch an der Unfallstelle in Mallorca.
Für den Mann aus Nordhessen kam jede Hilfe zu spät. Er verstarb noch an der Unfallstelle in Mallorca. © Mallorca Zeitung

Nordhesse stirbt auf Mallorca: „Furchtbar und macht fassungslos“

Die Nachricht über den Tod des jungen Guxhageners verbreitete sich in den vergangenen Tagen in seiner Heimatregion. So machte der 20-Jährige erst im vergangenen Jahr Abitur an der Melsunger Geschwister-Scholl-Schule. Die Bestürzung dort ist groß, viele kannten ihn. „Die Nachricht von seinem Tod, die mich am Montag erreicht hat, ist furchtbar und macht fassungslos“, sagt Tobias Schmidt, Lehrer und Tutor an der GSS. Wer Tims freundliche Gelassenheit und seinen augenzwinkernden Humor gekannt habe, werde diese Eigenschaften nicht vergessen.

„Er war jemand, der sich begeistern ließ, der Fragen hatte und sich auf ganz unterschiedliche Weise in der Schule und für seine Mitschüler engagiert hat.“ Nicht zuletzt seine Ansprache während der Abiturfeier, in der er seinen Leistungskurs Geschichte und die gemeinsame Arbeit gekonnt und geistreich charakterisiert habe, werde in Erinnerung bleiben. „Wir, die Kolleginnen und Kollegen, die Tim kannten, sind bestürzt und in Gedanken bei seiner Familie und seinen Freunden“, sagt Schmidt.

Mann aus Nordhessen auf Mallorca überfahren: Tuspo Guxhagen mit Trauerflor

Auch beim Tuspo Guxhagen ist man fassungslos. „Wir sind total bestürzt“, sagt Uwe Herkt, Vorsitzender des Sportvereins. Dort spielte Tim jahrelang Fußball und war bis zuletzt noch Schiedsrichter. Als total hilfsbereit, aufopfernd und super Typ beschreibt Herkt den jungen Guxhagener. „Wir sind in Gedanken bei seiner Familie und wünschen ihr alle Kraft.“

„Wir allen kennen Tim seit Jahren und schätzen ihn sehr. Er sei immer hilfsbereit und für alle da gewesen.“ Auch wenn er, um als Torhüter mehr Spielzeit zu bekommen, jüngst nach Körle gewechselt sei, war er immer noch beim Tuspo dabei und als Schiedsrichter aktiv. In den kommenden Spielen trete man mit Trauerflor an und plane für das kommende Heimspiel eine Schweigeminute, sagt Uwe Herkt. (Damai Dewert)

Derweil kam es in der Nacht zum Dienstag (11. Oktrober) zu einem schweren Unfall auf der A7. Auch hier kam ein Mann kam ums Leben.

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