Verein erweitert Internetauftritt

Archiv in Malsfeld will seine Schätze bekannter machen

Manfred Eckhardt mit einem historischen Buch in den Räumen des Malsfelder Archivs
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Schätze wie diesen muss man im wahrsten Sinne des Wortes mit Handschuhen anfassen: Vereinsvorsitzender Manfred Eckhardt im Malsfelder Archiv mit einem historischen Buch, das bald auch digital zur Verfügung stehen soll.

Wer auf Zeitreise durch Malsfeld gehen will, der ist beim Archiv-Verein genau richtig.

Malsfeld – Im Malsfelder Archiv schlummert so manches Schätzchen. Damit das noch bekannter wird, haben die Mitglieder des Archiv-Vereins jetzt das Online-Angebot erweitert.

Das Archiv
Seit sechs Jahren gibt es den Malsfelder Verein für Dokumentation und Archivierung: Er wurde am 9. September 2015 gegründet. Im November desselben Jahres ging die Internetseite archiv-malsfeld.de online. „Wir waren so eine Art Testbetrieb und Vorreiter“, sagt der Vereinsvorsitzende Manfred Eckhardt und lacht. Inzwischen haben auch andere Kommunen im Kreisteil Melsungen ein digitales Archiv aufgebaut. „Wir bringen die Archivalien online zu den Menschen“, erklärt Eckhardt. Auf der Internetseite des Archivs kann man allerlei Interessantes über die Geschichte Malsfelds entdecken: Vom ersten Personalausweis, den Bürgermeister Wiegand 1925 handschriftlich ausfertigte, bis zu Lehrplänen der Schule Ostheim aus dem 19. Jahrhundert. Das digitale Archiv kann man zudem nach Stichworten durchsuchen.

Skatrunde um 1900 im Gasthaus Ludwig Peter, heute Goldener Löwe in Beiseförth. Am Kartentisch unter anderem Konrad Schmelz, Karl Pelz, Heinrich Simon.

Das neue Angebot
Doch nicht alles, was in den grauen Kartons im Archiv lagert, kann auf der Homepage gezeigt werden. „Manches können wir aus technischen Gründen nicht digitalisieren, etwa, weil es keinen geeigneten Scanner gibt“, sagt Eckhardt. Andere Objekte wollen die Vereinsmitglieder nicht im Internet zeigen – wegen Datenschutz und Persönlichkeitsrechten. Damit sich Interessierte aber einen Überblick über die mehr als 1000 Archivalien verschaffen können, haben die Vereinsmitglieder nun die Gesamtbestandsliste des Archivs online gestellt. Diese Datenbank ist sozusagen das Inhaltsverzeichnis des Archivs.

Ebenfalls neu sind die Zeittafeln, auf denen für jeden Ortsteil wichtige Ereignisse chronologisch aufgelistet sind – von der Kirchenrenovierung bis zur Bürgermeisterwahl. Er freue sich über Ergänzungen und Korrekturen von aufmerksamen Lesern, sagt Eckhardt: „So eine Liste ist nie ganz komplett.“ Zwei Jahre habe es gedauert, die Zeittafeln zu erstellen.

Schmiede und Tankstelle: Das Foto entstand etwa 1961/62 in Elfershausen. Auf dem Motorrad Edelgard Eckert.

Die Arbeit
Auch sonst stecken die Vereinsmitglieder viel Zeit in die Pflege des Archivs. 39 Mitglieder hat der Verein, davon bis zu neun Aktive. „Jeder von uns arbeitet pro Woche etwa drei Stunden lang im Archiv – und weitere drei Stunden von zuhause aus“, schätzt der Vorsitzende. Dank eines Cloudsystems kann jedes Vereinsmitglied auch vom heimischen Rechner aus das digitale Archiv pflegen. Das sei insbesondere während der Corona-Lockdowns wichtig gewesen, erklärt Eckhardt. „Wir hoffen, dass sich unser Einsatz rentiert – und dass die Leute bei uns etwas finden, das sie interessiert.“ Ahnenforschung sei ein großes Thema: „Da kommen sogar Anfragen aus Übersee“, erzählt der 70-Jährige. Dann werfen die Vereinsmitglieder einen Blick in die Kirchenbücher: „Die gab es schon, bevor Personenstandsregister eingeführt wurden.“ Manchmal gibt es auch ungewöhnliche Anfragen, etwa von einer ehemaligen Beiseförtherin, die heute in Sri Lanka lebt: „Sie hatte ein Gedenkkreuz bei Sipperhausen fotografiert, das an den Absturz einer amerikanischen Militärmaschine während des Zweiten Weltkriegs erinnerte.“ Die Frau wollte wissen, ob es dazu mehr Informationen gebe – und es stellte sich heraus, dass damals viele Flugzeuge abgestürzt waren, die sich auf dem Hin- oder Rückweg von der Bombardierung Kassels befanden. Das Kreuz steht übrigens nicht mehr – doch das Foto lagert im Archiv. Dort landen manchmal ganz besondere Schätze: Zuletzt eine kleiderschrankgroße, handgezeichnete Karte Malsfelds von 1650.

Ehemaliges Gedenkkreuz unterhalb vom Largesberg: Es erinnerte an den Absturz eines amerikanischen B17-Bombers bei Sipperhausen auf dem Rückflug von der Bombardierung Kassels am 9. März 1945. Das Kreuz steht heute nicht mehr.

Die Nachwuchssuche
Der Verein freut sich über neue Mitglieder. Die Aktiven sind zwischen 60 und 84 Jahre alt. „Wir haben das Glück, dass drei von uns noch Schriften wie Sütterlin lesen können“, sagt der Vorsitzende. Das helfe beim Entziffern alter Schriftstücke. Doch auch jüngere Mitstreiter seien willkommen. Denn gerade bei der Pflege des digitalen Archivs seien IT-Kenntnisse hilfreich. (Judith Féaux de Lacroix)

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