Bald ist Schluss mit der Erweiterung: Interkommunales Gewerbegebiet Ostheim stößt an seine Grenzen

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Das Gewerbegebiet in Ostheim: Die Luftaufnahme entstand 2016. In den kommenden drei bis vier Jahren sollen laut Klaus Stiegel auch die grünen Flächen in Richtung Elfershausen verkauft und bereits bebaut werden. 

Die Kapazitäten im Interkommunalen Gewerbegebiet in Ostheim sind zum Großteil ausgeschöpft. Mehr als die Hälfte des 86 Hektar großen Gewerbegebietes ist verkauft oder bereits bebaut.

Ostheim – Im Interkommunalen Gewerbegebiet Ostheim sollen in etwa drei bis vier Jahren alle Flächen des 86 Hektar großen Areals, das sind etwa 120 Fußballfelder, verkauft oder bereits bebaut sein. Das sagt Klaus Stiegel, Geschäftsführer des Zweckverbandes Mittleres Fuldatal. „Dann ist Schluss“, sagt Stiegel. Zuletzt haben die Bauarbeiten zur Erweiterung vom Transport- und Logistikunternehmen Geodis begonnen (HNA berichtete). Bis Ende des Jahres soll eine neue 14 200 Quadratmeter große Halle entstehen. Das Grundstück ist 25 000 Quadratmeter groß.

Die Pläne für das Gewerbegebiet stießen bei der Gründung 1998 auf Kritik. Die Städte und Gemeinden befürchteten, dass sie nur Geld in das Gewerbegebiet stecken, aber nicht davon profitieren würden. So war es auch viele Jahre. Mittlerweile profitieren die Mitgliedskommunen, erzählt Klaus Stiegel im HNA-Gespräch.

Die Kleinbetriebe

Die freien Flächen neben dem Tresorservice Schade, südlich der Lagerhalle vom Motorradhändler J. Brühne und südlich von Reimer-Logistic sind bereits verkauft oder man sei in der Endphase der Verhandlungen, sagt Stiegel. Dort werden sich in Kürze Kleinbetriebe ansiedeln. Konkretes wollte Stiegel noch nicht nennen. Allerdings sei ebenso im Gespräch, dass Reimer-Logistic seinen Standort erweitert.

Neben dem Dachdeckerbetrieb Lewandowski soll außerdem eine Elektroautowerkstatt mit E-Ladesäulen entstehen. Einer der beiden Investoren ist ortsansässig. „Es ist ein Gewinn, zumal die EAM-Leitungen sowieso unterhalb des Grundstückes verlegt sind“, sagt Stiegel.

Die Großbetriebe

Die Fläche nördlich der Drogeriemarkt-Kette Rossmann ist als weitere Gewerbefläche ausgewiesen worden. Dort sollen sich entweder ein oder zwei Logistiker ansiedeln, erklärt Stiegel. Die Fläche soll dann entsprechend geteilt werden. Damit sind im nördlichen Bereich des Gewerbegebietes mit Geodis und Rossmann nur Logistikbetriebe vertreten. „Für die 86 100 Quadratmeter große Fläche haben zwei Logistikunternehmen ihr Interesse bekundet“, sagt Stiegel. Die 178 700 Quadratmeter große Fläche in Richtung Elfershausen ist bereits laut regionalem Bauordnungsplan eine genehmigte Gewerbefläche. Rund 30 Prozent davon sind im Besitz des Zweckverbandes. Der Rest im Besitz von Landwirten. Ausgleichsflächen sollen gefunden werden. Von der westlichen Seite des Gewerbegebietes direkt neben Ostheim halte man Abstand, erklärt Stiegel. Zuletzt hat es Proteste der Ostheimer gegeben (HNA berichtete). Eine Ansiedlung von Logistikunternehmen auf dieser Seite stünde nicht zur Debatte.

Die Finanzen

Der Schuldenstand des Zweckverbandes liegt bei 1,3 Millionen Euro. Vor mehr als zehn Jahren lag er bei 6,9 Millionen Euro. „Wir benötigen keine Kassenkredite“, sagt Stiegel. Die ganz großen Brocken, wie der Autobahnzubringer, würden die Finanzen des Verbandes nicht mehr belasten, sagt Stiegel. So rechnet der Zweckverband mit einem Überschuss von rund 260 000 Euro im Haushaltsjahr 2020. Die Einnahmen liegen bei rund 590 000 Euro. Dem stehen 330 000 Euro an Ausgaben gegenüber. „Das Ergebnis zeigt, dass sich das Gewerbegebiet in die richtige Richtung entwickelt hat“, sagt Stiegel.

Die Verkehrsbelastung

Gerade mit der Ansiedlung eines weiteren Logistikunternehmens neben Geodis und Rossmann müsse man aber die Verkehrsbelastung genauer unter die Lupe nehmen, sagt Stiegel. Für die Elfershäuser sei es eine enorme Belastung.

Klaus Stiegel erklärt aber auch, dass die Fahrzeuge, die durch die kleinen Orte fahren, oft gar nichts mit dem Ostheimer, sondern mit dem Melsunger Gewerbegebiet zutun hätten.

Die Lkw, die Ostheim anfahren, fahren direkt wieder auf die A 7 drauf, sagt er. Für den nördlichen Bereich des Gebietes müssen dennoch ausreichend Park- und Warteplätze für Lastwagen geschaffen werden. Das müsse bei einer Bebauung der Fläche nördlich von Rossmann beachtet werden.

Die Arbeitsplätze

1120 Arbeits- und Ausbildungsplätze sind in den vergangenen Jahren in Ostheim entstanden. „Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass wir mal mit 500 Arbeitsplätzen gerechnet haben.“ Trotzdem herrsche gerade im Gewerbegebiet Fachkräftemangel. „Neue Arbeitsplätze zu schaffen, ist immer ein Thema“, sagt Stiegel.

Chronik des Gewerbegebietes

Gewerbefläche war zunächst annähernd 20 Hektar groß – Neue Anschlusstelle zur Autobahn 7 wurde 2003 freigegeben

1998:Der Zweckverband Gewerbegebiet Mittleres Fuldatal wird gegründet. Es war laut Stiegel die erste interkommunale Zusammenarbeit Hessens mit den Kommunen Melsungen, Felsberg, Spangenberg, Morschen und Malsfeld. 2000: Die Vermarktung des Gewerbegebietes Ostheim beginnt. Zuvor hat der Zweckverband Flächen bei Ostheim im Wert von rund vier Millionen Mark angekauft. 2001:Die Erschließung von der zunächst rund 20 Hektar großen Gewerbefläche beginnt. In diesem Jahr siedelt sich der Reinigungsmittelanbieter L.C. Pliwa an. 2002: Die Brücke, die über die Autobahn 7 bei Ostheim führt, steht. Die Brücke verbindet das neu errichtete Gewerbegebiet Mittleres Fuldatal mit einer Autobahnanschlussstelle. Die Brücke kostet insgesamt 1,25 Millionen Euro. Metallbau Schmidt und Reimer-Logistics bauen im Gewerbegebiet. 2003: Die neue Anschlussstelle der A 7 bei Malsfeld wird für den Verkehr freigegeben. Außerdem erhält das mittlerweile 30 Hektar große Gewerbegebiet einen direkten Anschluss ans Fernstraßennetz. Ein Drittel der Fläche ist bereits verkauft, vier neue Unternehmen haben sich angesiedelt, die zunächst etwa 200, später bis zu 300 Arbeitsplätze bieten werden. Außerdem eröffnet ein Maxi-Autohof. Ein Fast-Food-Restaurant folgt.

2005:Der Bau für das Logistikunternehmen Geodis beginnt. 2006:Die Werkstätten der Baunataler Diakonie Kassel planen einen Bau. Einzug ist 2011. 2007:Die Ortsumgehung Ostheim wird eingeweiht. Damit ist die Verkehrserschließung an der A7 vollendet. Die gesamte Verkehrserschließung im Gebiet hat 29 Millionen Euro gekostet.

2008: Eine 9600 Quadratmeter große Halle plus Bürotrakt für die Deutsche Post entsteht. 2010: Der Dachdeckermeister Lewandowski und der ADAC ziehen ins Gewerbegebiet. 2011: Das in Guxhagen ansässige Unternehmen Techtec plant für rund 500 000 Euro eine Lagerhalle. Tresorbau Schade will auch bauen. 2017: Die Drogeriemarkt-Kette Rossmann baut. Das Lager hat eine Fläche von 26 500 Quadratmetern – das entspricht etwa vier Fußballfeldern. Anwohner hatten gegen den Bau und die damit verbundene Verkehrsbelastung durch Lastwagen protestiert (HNA berichtete). 2018:Der Melsunger Motorradhändler J. Brüne plant einen Bau.

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