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Beiseförther Firma hat ihren Umsatz in der Corona-Pandemie gesteigert

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Von: Fabian Becker

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Verzeichnete 2020 einen hohen Umsatz: der Beiseförther Desinfektionsmittelhersteller Dr. Schumacher.
Verzeichnete 2020 einen hohen Umsatz: der Beiseförther Desinfektionsmittelhersteller Dr. Schumacher. © Dr. Schumacher GmbH

Die Dr. Schumacher GmbH in Beiseförth hat in der Corona-Pandemie starke Ergebnisse erzielt. Die Umsatzerlöse und der Jahresüberschuss sind von 2019 auf 2020 deutlich gestiegen.

Beieseförth – Laut dem aktuellsten Lagebericht des Bundesanzeigers sind die Umsatzerlöse des Unternehmens von rund 135 Millionen Euro 2019 auf mehr als 202 Millionen Euro 2020 gestiegen, der Jahresüberschuss von knapp 1,9 Millionen Euro auf mehr als 16 Millionen Euro.

„Das ist auf einen steuerrechtlichen Grund und die Steigerung der Produktionskapazitäten zurückzuführen“, sagt Geschäftsführer Dierk Schumacher. Der steuerrechtliche Grund: 2019 liefen verschiedene Abschreibungen aus, darunter Investitionen aus den Vorjahren. Der Jahresüberschuss fiel daher geringer aus. Die Steigerung der Produktionskapazitäten ist unter anderem mit dem Ende 2019 fertiggestellten Neubau zu erklären. Zudem konnte die Firma durch den Wechsel von einem Zwei- in ein Drei-Schicht-Modell 2020 mehr produzieren.

Wegen der durch Corona gestiegenen Nachfrage nach Desinfektionsmitteln konzentrierte sich die Dr. Schumacher GmbH 2020 auf ihr Kernsortiment, also Desinfektionsmittel für den medizinischen Alltag. Vor allem Pflegeheime, Krankenhäuser und Ärzte wurden bedient, so Schumacher. Dadurch wurden zeitraubende Produktionsumstellungen abgebaut. Zum Erfolg des Unternehmens in dieser Zeit trug auch bei, dass es durch die Beschränkung auf das Kernsortiment Komplexitäten reduzierte.

Mit dem Fortschreiten der Pandemie hat sich die Lage normalisiert. Ein Grund ist die Umstellung der Firma auf das Ein-Schicht-Modell. „Ein weiterer ist der Anstieg von Desinfektionsmittelherstellern von etwa 10 auf mehr als 360. Von denen verfügen 90 Prozent nicht über die erforderlichen Produktionsgenehmigungen, werden aber geduldet“, sagt Schumacher.

Viele medizinische Einrichtungen hätten sich zudem mit Desinfektionsmitteln bevorratet, da ihnen der Staat coronabedingte Mehraufwendungen ersetzt habe. In einzelnen Fälle komme es dazu, dass diese Waren entgegen der Absicht des Gesetzgebers weiterverkauft würden.

Das ist die Dr. Schumacher GmbH

Die Dr. Schumacher GmbH ist mit mehr als 1650 Mitarbeitern in acht Ländern einer der europaweit führenden Entwickler und Hersteller von Produkten zur Desinfektion, Hygiene, Reinigung, Pflege und Kosmetik für medizinische Anwendungen und Endverbraucher. Das gibt das Unternehmen bekannt. Seit mehr als 40 Jahren produziert es mit Sitz in Malsfeld unter eigener Marke, für andere Markenhersteller, Handelsketten und Industrieunternehmen. 

Wartezeiten erschweren die Lage

Die Dr. Schumacher GmbH in Beiseförth hat im ersten Pandemiejahr einen hohen Umsatz- und Überschussanstieg verzeichnet. Mittlerweile hat sich die Lage laut Geschäftsführer Dierk Schumacher normalisiert. Wie es weitergeht, ist noch nicht absehbar. „Unser Industriezweig wartet auf Entscheidungen von Politik und Behörden“, sagt er. Sie entschieden darüber, wie sich die Branche entwickle, insbesondere ob ein Bürokratieabbau stattfinde.

Die Verordnungen

Wichtig für die Entwicklung ist, wie schnell Zertifizierungen nach der neuen europäischen Medizinproduktionsverordnung (MDR) und Biozidverordnung erfolgen, sagt Schumacher. Er rechnet mit langen Wartezeiten, was die Lage erschwere. Die Bearbeitungszeit für ein MDR-Zertifikat dauere bei 82 Prozent der Zertifikate zwischen 13 und 18 Monaten, bei 18 Prozent zwischen 19 und 24 Monaten.

Wegen der aktuellen Rechtsauslegung der Biozidverordnung können neue Produkte fünf bis sieben Jahre lang fast nicht mehr auf den Markt gebracht werden. Das führe zu einer Konzentration auf große Konzerne und schränke die Forschung und Entwicklung ein, was zulasten der Patienten gehe.

Die Behörden

Ein weiteres Problem laut Schumacher: Zuständige EU-Behörden bewerten das Risiko einzelner Wirkstoffe höher als die hygienische Sicherheit der Patienten. Dabei werden für die Gesundheitsversorgung relevante Wirkstoffe nicht angemessen bewertet. „Noch absurder wird es, wenn Alkohol (Ethanol) zur Desinfektion und Reinigung verboten wird, aber eine Sondergenehmigung erhält, um getrunken werden zu dürfen“, sagt Schumacher. Dabei sei Ethanol der einzige gut verträgliche Wirkstoff zur Händedesinfektion, der die Herstellung von Produkten gegen Viren ermögliche.

„Die Dr. Schumacher GmbH blickt trotzdem zuversichtlich in die Zukunft, auch wegen der Unterstützung des Regierungspräsidiums Kassel“, sagt Schumacher.

Die Mitarbeiter

„Wir konnten unsere Mitarbeiter halten, und brauchten keine Stellen abzubauen“, sagt Schumacher. Mit Beginn des Drei-Schicht-Modells seien Zeitarbeiter eingestellt worden, die mit dem Auslaufen ihrer Verträge übernommen wurden.

Zudem wurde Arbeiten im Homeoffice ermöglicht. „Dabei kam es zu einem Rückgang sozialer Kontakte“, sagt Schumacher. „Als Familienunternehmen empfanden wir das als großen Nachteil, waren aber erstaunt, wie gut unsere Mitarbeiter dem begegneten.“

Die Lieferketten

Die Dr. Schumacher GmbH hatte in der Pandemie mit unterbrochenen Lieferketten zu kämpfen. Durch gute Planung sowie langfristige und vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen mit Lieferanten habe das Unternehmen Engpässe aber überbrücken beziehungsweise entgegenwirken können. „Für unsere Produktion benötigte Rohstoffe wurden so langfristig gesichert“, sagt der Geschäftsführer. „So kam es nicht zu Unterbrechungen der Produktion und wir hatten deutlich weniger Herausforderungen als andere Teile der Industrie.“ (Fabian Becker)

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