Ein Beruf ohne Stechuhr: Pfarrer Henning Reinhardt liebt seine Arbeit

Hat deutlich mehr als nur am Sonntag beim Gottesdienst zu tun: Pfarrer Henning Reinhardt betreut die Menschen im Kirchspiel Beiseförth-Malsfeld. Foto:  Brandau

Malsfeld. Dass Pfarrer nur sonntags arbeiten, glaubt schon lange niemand mehr. Dass Seelsorger aber über eine zu hohe Arbeitsbelastung klagen - wie neulich in Morschen geschehen - erstaunt dann so manchen. Dabei ist ein Beruf ohne Stechuhr tatsächlich oft schwierig, sagt Pfarrer Henning Reinhardt aus Malsfeld.

Manche Menschen haben einen Job, andere einen Beruf. Henning Reinhardt gehört zu Letzteren: Der 39-Jährige ist Pfarrer. Eine Tätigkeit, die er als „Lebensaufgabe“ beschreibt. Auch wenn die nicht in einen Acht-Stunden-Tag passt und er auch oft samstags oder abends im Einsatz ist. „Ich liebe meinen Beruf“, sagt Reinhardt. „Er fordert mich auf eine gute Weise.“

Doch diese Forderung ist oft auch eine Herausforderung: Als ein Kollege von ihm kürzlich den Wechsel in den Schuldienst mit einer zu hohen Arbeitsbelastung begründete, staunten viele Menschen darüber, dass auch Pfarrer über zu viel Arbeit klagen könnten.

„Als Pfarrer muss man sich selbst richtig gut organisieren, damit auch noch Zeit für die Familie bleibt.“

Doch Henning Reinhardt wusste, wovon dieser Kollege sprach. „Wer unmittelbar ins Gemeindeleben eingebunden ist, der weiß, dass Pfarrer ganz sicher nicht nur am Sonntag im Einsatz sind“, sagt der Malsfelder, der aus Melsungen stammt. Im Einsatz ist er quasi immer. Wenn er seine Tochter aus der Schule holt und ein anderer Vater ihn anspricht und von den Schwierigkeiten daheim berichtet. Wenn es abends an der Tür klingelt und ein Obdachloser um ein Bett in der Malsfelder Notunterkunft bittet. „Viele setzen das Wort Pfarrer mit Ansprechpartner gleich.“

Und genau das will er auch sein. Ein Ansprechpartner, wenn es um Glauben und Hoffnung, um Liebe und Tod geht. Reinhardt tauft, traut und beerdigt Menschen, leitet Kirchenvorstandssitzungen, konzipiert Schulunterricht und Konfirmandentage, besucht Menschen zu Hause, erledigt die Verwaltung und schreibt die Predigten für die Gottesdienste in Malsfeld und Beiseförth.

„Als Pfarrer muss man sich selbst richtig gut organisieren, damit auch noch Zeit für die Familie bleibt“, sagt Reinhardt. Sitzungen am Abend, Konfirmandenunterricht am Samstag: „So manches Mal hätte ich auch gerne einen geregelten Feierabend.“ Doch dieser Gedanke sei in dem Moment verschwunden, in dem er merke, auf wie viel Motivation und Initiative er in seiner Gemeinde trifft.

Natürlich koste die Zusammenarbeit mit den ehrenamtlich Engagierten Menschen in seiner Gemeinde viel Zeit und Kraft, zudem finde sie auch meist am Abend statt.

Aber: „Da sind Menschen, die sich intensiv mit der frohen Botschaft und dem christlichen Glauben auseinandersetzen wollen. Ich wäre ja wirklich ein Depp, wenn ich da nicht begeistert in die Auseinandersetzung einsteigen würde.“

Von Claudia Brandau

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