Entscheidung für Umgehungsstraße ist noch nicht gefallen 

Diskussion um Umgehungsstraße für Beiseförth

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Unternehmen wächst: Die Luftaufnahme zeigt das Firmengelände von Dr. Schumacher am Ortsrand von Beiseförth. Viele Malsfelder stehen der Erweiterung und den Plänen für eine Umgehungsstraße mit Firmenzufahrt kritisch gegenüber.

Malsfeld. Die Erweiterung der Beiseförther Firma Dr. Schumacher und die geplante Umgehungsstraße mit Zufahrt zum Unternehmen waren am Freitagabend Thema im Malsfelder Jägerhof.

Initiatorin der Infoveranstaltung war Mareike Schulte, eine der Kritikerinnen der Straßenpläne. „Das Ziel ist, Transparenz zu erreichen“, sagte sie. Bürgermeister Herbert Vaupel sowie Jens und Dierck Schumacher, Geschäftsführer des Hygieneartikelherstellers, standen auf dem Podium. Fragen und Antworten:

? Warum zieht Dr. Schumacher im Zuge der Erweiterung nicht ins wenige Kilometer entfernte Gewerbegebiet Ostheim?

!„Wir haben die Varianten, nach Kassel oder nach Ostheim zu gehen, geprüft“, sagte Jens Schumacher. „Finanziell wäre das für uns nicht stemmbar.“ Dierck Schumacher erinnerte daran, dass die Firma am Standort Beiseförth sukzessive gewachsen sei: „Als ich dort anfing, waren wir zehn Mitarbeiter.“ In jedem Fall wäre man in Beiseförth geblieben, allenfalls ein zweiter Standort wäre denkbar gewesen. „Dieser Standort ist uns ans Herz gewachsen“, sagte Dierck Schumacher. Hinzu komme, dass die Firma am jetzigen Standort die Genehmigung für die Produktion eines Arzneimittels habe, die an einem neuen Standort schwierig zu bekommen sei.

? Wie wird sich der Lieferverkehr und damit die Lärmbelastung für die Anwohner entwickeln?

!Derzeit werde das Unternehmen täglich von 17 Lastwagen angefahren, berichteten die Geschäftsführer. Diese Zahl könnte sich in den kommenden Jahren erhöhen – maximal auf 31 Lastwagen täglich. Aber selbst dann würde man noch acht Dezibel unter dem gesetzlichen Grenzwert liegen.

? Wie ist der Stand der Dinge bei den Plänen für die Umgehungsstraße?

!Zunächst müssen die Gemeindevertreter entscheiden, ob eine Variantenuntersuchung für eine Ortsumgehung in Auftrag gegeben wird. Das passiert in der Gemeindevertretersitzung am Donnerstag, 21. Juni ab 19.30 Uhr im Malsfelder Rathaus.

? Geht es bei der Untersuchung nur um die bislang diskutierten drei Trassen?

!Nein. Diese seien lediglich Beispiele – auch andere Varianten im Korridor zwischen Weihersgrund und Dagobertshausen seien denkbar, hieß es.

? Ist es auch denkbar, dass gar keine Umgehungsstraße gebaut wird?

!Ja. Nach einem positiven Votum werde es zunächst einen runden Tisch mit den Fachbehörden, zum Beispiel der Naturschutzbehörde, der Wasserbehörde und Hessen Mobil geben, kündigte Bürgermeister Vaupel an. Dabei solle erörtert werden, ob es überhaupt sinnvoll sei, in die weiteren Planungen für die Straße einzusteigen.

Wenn am Ende Untersuchungsergebnisse vorlägen, werde man diese öffentlich vorstellen, versprach Vaupel. Die endgültige Entscheidung, ob eine Umgehungsstraße gebaut werde, liege dann beim Gemeindeparlament.

Protest gegen das Sondergebiet 

Aus Protest gegen die Erweiterung der Firma Dr. Schumacher haben Malsfelder eine „Interessengemeinschaft zum Schutz und Erhalt unserer dörflichen Struktur und Umwelt“ (IG) gegründet. 

Die IG erhebt Einspruch gegen die Umwandlung des Gewerbegebiets in Beiseförth in ein Sondergebiet Hygiene. Außerdem setzt sie sich dagegen ein, dass die Gemeinde Malsfeld das ehemalige Kanonenbahngelände kauft, um es für den Bau der Umgehungsstraße zu nutzen. Für ihr Anliegen sammelt die IG Unterschriften – innerhalb von einer Woche seien mindestens 300 Unterschriften zusammengekommen. 

„Wir haben einfach Angst vor dem, was hier mit uns passiert“, sagen die IG-Mitglieder. Egal, auf welcher Trasse die Umgehungsstraße gebaut werde – die Natur leide. Aus Sicht der IG geht es in Wahrheit nicht um die Entlastung der Anwohner vom Durchgangsverkehr, sondern um eine bessere Zufahrt für die Firma Dr. Schumacher. Das weisen die Geschäftsführer des Unternehmens zurück: „Wir haben nie eine neue Anbindung gefordert“, sagten sie bei der Infoveranstaltung am Freitagabend. Das bestätigte auch Bürgermeister Herbert Vaupel. 

Eine weitere Befürchtung der Interessengemeinschaft: „Wenn das Sondergebiet Hygiene kommt, dann darf bei Dr. Schumacher an sieben Tagen pro Woche in drei Schichten gearbeitet werden.“ Damit würden die Anwohner noch stärker belastet als bisher. 

Dem widerspricht die Geschäftsführung von Dr. Schumacher. „Wir dürfen aufgrund des Sondergebiets Hygiene nicht mehr herstellen als vorher“, sagte Jens Schumacher am Freitagabend. Schon jetzt dürfe Dr. Schumacher theoretisch 15-mal soviel produzieren wie aktuell produziert wird. „Das ist aber unrealistisch“, betonte Dierck Schumacher. Eine Erhöhung der Produktion ist nach Unternehmensangaben zwar möglich, aber derzeit nicht vorgesehen. Entsprechend seien derzeit auch keine längeren Arbeitszeiten geplant. 

Eine Umwandlung des bisherigen Gewerbegebiets in ein Sondergebiet Hygiene ist nach Auskunft des Unternehmens nötig, weil im Zuge der Betriebserweiterung zum Beispiel Tanks verlagert und Maschinen umgestellt werden. Damit entfalle der Bestandsschutz für den Standort, so dass die Bestimmungen des Immissionsschutzgesetzes befolgt werden müssten.

Die IG-Mitglieder geben sich mit diesen Erklärungen nicht zufrieden. Die Infoveranstaltung am Freitagabend sei aus ihrer Sicht „eine Nullnummer“, teilt die IG mit und spricht von einer „weichgespülten Veranstaltung, um die Leute zu beruhigen.“ 

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