Ausschüttung an Kommunen hat sich 2020 fast verdoppelt

Gewerbegebiet Ostheim brummt trotz Corona

Blick von oben auf das Interkommunale Gewerbegebiet bei Ostheim.
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Blick von oben auf das Interkommunale Gewerbegebiet bei Ostheim.

Das Interkommunale Gewerbegebiet in Ostheim brummt – trotz der derzeit wegen der Corona-Krise angespannten wirtschaftlichen Lage. Davon profitieren auch die beteiligten Kommunen.

Ostheim – „Die Umsätze der Firmen im Gewerbegebiet haben auch im Coronajahr nicht gelitten“, sagt Klaus Stiegel, Geschäftsführer des Zweckverbandes Mittleres Fuldatal. Damit sind auch die Einnahmen aus Grundsteuer B und Gewerbesteuer gestiegen.

An die Mitgliedskommunen Melsungen, Felsberg, Spangenberg, Morschen und Malsfeld werden für 2020 insgesamt knapp 932.500 Euro ausgeschüttet, fast doppelt so viel wie 2019. Damals waren es 469.500 Euro. Die Kommunen müssen pro Jahr insgesamt eine Umlage von 286.000 Euro an den Zweckverband zahlen. Die Einnahmen überschreiten die Ausgaben also bei Weitem. „Wir sind stolz auf unsere gute Haushaltssituation“, sagt Malsfelds Bürgermeister Herbert Vaupel. Seit geraumer Zeit habe man keine Kassenkredite mehr in Anspruch nehmen müssen. 1200 Arbeits- und Ausbildungsplätze gibt es mitterweile im Gewerbegebiet. Und es sollen noch mehr werden, kündigen Stiegel und Vaupel an. Zum einen hätten mehrere Betriebe, die im Gewerbegebiet ansässig sind, Interesse an einer Erweiterung. Zum anderen gebe es auch mehrere Interessenten für eine Neuansiedlung.

Spätestens Anfang 2022 solle die Fläche neben Rossmann vermarktet sein. „Wir haben schon eine Reihe von Gesprächen mit Interessenten geführt, einige haben ihre Pläne aber wegen Corona wieder auf Eis gelegt“, berichtet Stiegel und betont: „Wir müssen nicht jeden nehmen, sondern legen Wert darauf, dass die Betriebe solide sind, sozial abgesicherte und qualifizierte Arbeitsplätze bieten und uns Gewerbesteuern einbringen.“ Klar sei, dass man keine weiteren großflächigen Logistik-Betriebe ansiedeln wolle, sagt Vaupel. „Wir wollen möglichst produzierendes Gewerbe haben.“ Es gebe viele Anfragen von mittelständischen Betrieben und für kleinere Flächen von etwa 5000 Quadratmetern, sagt Stiegel. Die Fläche neben Rossmann ist 86.100 Quadratmeter groß, sie muss aber nicht in einem Stück vermarktet werden. „Es kann sein, dass wir mehrere Betriebe dort ansiedeln.“ Eine weitere Freifläche, auf der sich Betriebe ansiedeln könnten, liegt Richtung Elfershausen. Sie ist 178.700 Quadratmeter groß.

Für die Ansiedlung neuer Betriebe gebe es strenge Vorgaben, betont Stiegel: „Es müssen Lärm- und Verkehrsgutachten gemacht werden.“ So sei beispielsweise ein Betrieb, der täglich von 700 Lastwagen angefahren werde, auf der Fläche neben Rossmann gar nicht zulässig.

rotz der positiven Nachrichten zum Gewerbegebiet Ostheim gibt es auch Kritikpunkte – etwa die Verkehrsbelastung für die Menschen in den umliegenden Ortsteilen. Das räumen Herbert Vaupel und Klaus Stiegel ein. „Wir werden nicht uneingeschränkt gelobt“, sagt Vaupel.

„Natürlich hat das Gewerbegebiet viel Verkehr angezogen“, sagt Stiegel. Der Autobahn-Lärm überlagere jedoch weitgehend den Lärm des Gewerbegebiets.

Ein Ärgernis ist auch das Falsch- und Wildparken von Lastwagen in einigen Malsfelder Ortsteilen. „Das ist aber nicht nur dem Gewerbegebiet geschuldet“, sagt Vaupel. Es seien häufig auch Lkw, die nicht zum Gewerbegebiet wollten, sondern die auf einer längeren Autobahnfahrt bei Malsfeld anhielten, um eine Pause zu machen.

Man werde das Problem nie völlig aus der Welt schaffen können, sagt Vaupel. Wichtig sei aber, dass auf den Betriebsflächen der Firmen im Gewerbegebiet genug Parkfläche zur Verfügung stehe – nicht nur für die Autos der Mitarbeiter, sondern auch für Lieferfahrzeuge. Außerdem wolle man den öffentlichen Nahverkehr fördern, so dass mehr Beschäftigte ihren Arbeitsplatz im Gewerbegebiet ohne Auto erreichen könnten.

Eine neue Bushaltestelle im Bereich Rossmann sei geplant. Auch Rad- und Fußwegeverbindungen seien im Gespräch, kündigt der Bürgermeister an.

Den Autobahnanschluss wüssten die Malsfelder durchaus zu schätzen, sagt Vaupel: „Das ist ein Standortfaktor.“ Alle Baugrundstücke im Gemeindegebiet seien verkauft, dabei spiele auch die gute Verkehrsanbindung eine Rolle.

Bloß nicht noch mehr große Lagerhallen: Kritischer Blick aus den umliegenden Dörfern
Im Sommer 2018 hatte es Proteste von Bewohnern des Ortsteils Ostheim gegeben: Sie wehrten sich gegen die geplante Ansiedlung eines Container-Umschlagplatzes in unmittelbarer Nähe zu ihrem Dorf. Der Zweckverband nahm schließlich wieder Abstand von den Plänen. Doch nach wie vor beobachten die Menschen in Ostheim aufmerksam, welche Pläne es für das Gewerbegebiet gibt.

Die Ostheimerin Lisa Keim gehörte zu jenen, die 2018 gegen den Container-Umschlagplatz protestierten. Sie ist froh, dass dieses Projekt vom Tisch ist. „Die Betriebe, die da sind, sind da. Daran kann man nichts mehr ändern. Aber was man beeinflussen kann, ist, welche Betriebe sich jetzt noch ansiedeln“, sagt sie. Große Lagerhallen gebe es im Gewerbegebiet jedenfalls genug, findet sie.

Kritik übt sie an einem Gutachten, das die Verkehrsbelastung durch das Gewerbegebiet messen sollte: Dieses sei ausgerechnet während des Corona-Lockdowns im Frühjahr gemacht worden. „Der Verkehr zu der Zeit war aber nicht repräsentativ für den Rest des Jahres.“

Möglicherweise sei die Ansiedlung neuer Betriebe für Elfershausen kritischer als für Ostheim, merkt Keim an. Denn würde die Freifläche Richtung Elfershausen bebaut, dann rücke das Gewerbe sehr dicht an das Dorf heran. In Elfershausen mache man sich darüber aber noch keine Gedanken, sagt der Ortsvorsteher Claus Bänfer. Einige Dorfbewohner sähen es aber generell kritisch, dass immer mehr Fläche versiegelt werde. (Judith Féaux de Lacroix)

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