Alte Zeitungsartikel gefunden

Jugendstilvilla in Malsfeld: Neue Eigentümer haben mit Sanierung begonnen

Schon bald sollen dort Räume vermietet werden: Die Jugendstilvilla in Malsfeld wird saniert. 

Das etwa 10 000 große Gelände des ehemaligen Ritterguts in Malsfeld liegt seit Jahren brach. Auch die Jugendstilvilla stand Jahre leer, Gebäudeschäden sind deutlich zu erkennen. Nun tut sich etwas in der denkmalgeschützten Villa.

Malsfeld –Die alte Jugendstilvilla im Malsfelder Ortskern soll wieder mit Leben gefüllt werden. Ein Ehepaar aus Südhessen hat das Anwesen aus privater Hand im Jahr 2017 erworben. Über die Kaufsumme wolle das Paar, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, keine Angaben machen. Einblicke in ihr Vorhaben und die Sanierungsarbeiten gaben sie dennoch in einem Gespräch mit der HNA.

Die Südhessen wollen die Villa sanieren und die Räume dann anschließend vermieten. Freiberufler, Ärzte, Anwälte, Steuerberater oder Stiftungen – an wen die Räume vermietet werden sollen, sei noch offen. Wie das Ehepaar auf die Malsfelder Villa gestoßen ist, sei einfach erklärt: „Mein Mann ist Architekt und wir haben beide eine Vorliebe für alte Gebäude – da haben wir immer mal wieder Ausschau nach so Schmuckstücken gehalten“, sagt sie. Mit dem Kauf habe sich das Paar einen Lebenstraum erfüllt. „Für uns ist das eine Herzensangelegenheit“, sagt sie.

Im Innenraum: Während der Sanierungsarbeiten haben die neuen Eigentümer die alten Tapeten runtergerissen. In diesen Räumen sind die Zeitungsartikel gefunden worden.

Die Sanierungsarbeiten würden sich derzeit etwas schwierig gestalten. „Wir haben große Probleme damit, Handwerker zu finden“, erzählt die neue Eigentümerin. Die Villa sei im Inneren in einem schlechten Zustand und weise massive Schäden auf. „Einige Räume sind von einem Hausschwamm befallen“, sagt sie. „Aber der Zustand ist auch nicht so schlimm, dass man das nicht wieder hinbekommen könnte.“

Wann die Sanierungsarbeiten abgeschlossen und die Räume vermietet werden können, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzuschätzen. „Wir sind ja keine Investoren im üblichen Sinne, wir machen auch viel selbst, sind viel vor Ort – aber als Privatperson ist das noch mal etwas anderes“, sagt sie.

Bei den Sanierungsarbeiten entdeckt: Alte Zeitungsartikel aus dem Jahr 1874. Sie klebten unter den Tapeten.

2018 hat das Paar damit begonnen, die Villa wieder auf Vordermann zu bringen. Derzeit werden die Elektrik und die Heizung erneuert. Während der Arbeiten ist dem Paar etwas Interessantes aufgefallen. Beim Abziehen alter Tapeten habe das Paar Zeitungsartikel an den Wänden aus dem Jahr 1874 gefunden. „Die Villa ist aber erst 1899 erbaut worden – das hat uns dann doch etwas verwundert“, sagt die Eigentümerin. Des Rätsels Lösung lasse sich eventuell in der Vorgeschichte der Villa finden, erklärt Manfred Eckhardt, Vorsitzender des Malsfelder Gemeindearchivs gegenüber der HNA. Denn vor dem Bau der Villa stand dort die Burganlage der Scholleys. Die Scholleys waren ein Geschlecht, das 300 Jahre lang, bis zu dessen Aussterben 1829, auf dem Rittergut Malsfeld ansässig war. „Beim Neubau des Herrenhauses im Jahr 1899 wurden alte, irgendwo aufgehobene Zeitungen verwendet oder aber beim Brand des Herrenhauses sind Wände im Erdgeschoss heil geblieben und wurden in den Wiederaufbau der Villa integriert“, vermutet er.

„Das Gebäude bleibt von außen unverändert. Der Sanierungsbedarf ist aber erheblich“, sagt die Eigentümerin. Deshalb freut sich das Paar auch über einen Zuschuss in Höhe von 100 000 Euro aus dem Fördertopf des Denkmalschutz-Sonderprogrammes des Bundes. Mit dem Denkmalschutz-Sonderprogramm werden prägende unbewegliche Kulturdenkmäler gefördert. „Ziel der Sanierungsarbeiten ist es, die denkmalgeschützte Jugendstilvilla für die Nachwelt zu erhalten“, erklärte Dr. Edgar Franke (SPD). Dafür hätten sich Franke und Bürgermeister Herbert Vaupel eingesetzt. „Aber der Erfolg des Förderantrages läge vor allem in der guten Zusammenarbeit zwischen Eigentümern und der Denkmalschutzbehörde“, sagt Franke.

Die Historie der Villa in Malsfeld

Im Jahr 1863 kaufte Heydenreich das Rittergut und errichtet 1899 die Jugendstilvilla. Um 1930 hieß es bereits, dass das Rittergut und die Villa verkauft werden sollten, so geht es aus Schriftstücken des Gemeindearchives hervor. Ein Jahr zuvor wurde die Brauerei verkauft. 1932 waren die neuen Besitzer des Ritterguts die Familie Schwarzkopf, die das Anwesen an die Familie Schaumlöffel verpachtete. In diesem Zuge wurde das Anwesen saniert und wieder für die Landwirtschaft genutzt. In den Nachkriegsjahren sind dort Evakuierte (auch aus Kassel) und Flüchtlinge untergebracht worden. 1959 wurde das Areal an die Siedlungsgemeinschaft Hessische Heimat verkauft und die Ländereien aufgeteilt. Nachdem 1951 bis 1962 durch die Gemeinde Malsfeld Bohrungen für Mineralwasser in den Fulda-Auen niedergebracht waren, kaufte 1960 die Firma Pyrmonter Säuerling das Rittergut und betrieb zehn Jahre lang einen Mineralbrunnenbetrieb. Bei den Umbauarbeiten wurden auch Strafgefangene aus Kassel eingesetzt, die in einem Kellerraum eingeschlossen wurden. 1970 kaufte die Firma Linss (bisher Melsungen) das Areal und betrieb einen Sanitärgroßhandel. Ende der 1990er-Jahre erfolgte der Verkauf an einen Investor, der dort ein Ersatzteillager für das VW-Werk errichten wollte. Das Gebäude stand dann lange Zeit leer. Das Gebäude verfiel nach und nach. 2012 wurden alle Gebäude des Ritterguts, mit Ausnahme der Villa, abgerissen. Mehrere Versuche einen Investor zur Nutzung des Geländes zu finden, scheiterten.

Das sagt der Bürgermeister 

Die Jugendstilvilla ist das prägende und geschichtsträchtigste Gebäude im Ort, sagt Bürgermeister Herbert Vaupel. Leider stand sie 20 Jahren leer und ist sanierungsbedürftig. Die Kommune hat das vorliegende Grundstück erworben und plant dort ein Gästehaus, eine Kleinbrauerei, einen Gebäudekomplex mit Physio- und Ergotherapie und ambulant betreuten WGs sowie ein MVZ. „Umso begrüßenswerter ist das Vorhaben der neuen Eigentümer der Villa. Mein besonderer Dank gilt Dr. Edgar Franke, der sich für die Sanierung einsetzen und eine großzügige Zuwendung des Bundes erwirken konnte.“ Mit Fertigstellung würde ein neuer, ansprechender und moderner Dorfmittelpunkt entstehen.

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