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Kreisfeuerwehrchor aus Dagobertshausen hört nach 22 Jahren auf zu singen

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Von: Fabian Becker

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Ein Bild aus besseren Tagen: Der Chor des Feuerwehr-Kreisverbandes nach einem Auftritt im Jahr 2017.
Ein Bild aus besseren Tagen: Der Chor des Feuerwehr-Kreisverbandes nach einem Auftritt im Jahr 2017. © privat

Schluss, aus, vorbei: Den Kreisfeuerwehrchor gibt es nicht mehr.

Dagobertshausen – 22 Jahre nach der Gründung stellt er seine Tätigkeiten ein, da nicht mehr genug Sänger dabei waren – zum Schluss nur noch 15, zu Hochzeiten 36. Das Alter und fehlender Nachwuchs machten dem Chor zu schaffen. „Corona war schließlich zu viel“, sagte der letzte Vorsitzende Dietmar Goldhardt aus Dagobertshausen.

„Viele hatten Corona, teilweise mit schlimmen Folgen“, sagt Goldhardt. Er berichtet von einem Mitglied, dessen Sehstärke nach der Infektion um 30 Prozent nachgelassen habe. Und das Schlimmste: „Drei oder vier sind an oder mit Corona gestorben.“ Die Mitglieder hätten zwar versucht, auch in der Pandemie zu proben, wenn das die Corona-Regeln zugelassen hätten, „aber mit großem Abstand zu singen, war nicht das, was wir wollten“.

Das Alter wurde zunehmend zum Problem

Auch das Alter der Mitglieder wurde zunehmend zum Problem. Die meisten seien zwischen 70 und 80 Jahre alt, der Älteste 88. „Der Jüngste war 1959 geboren“, sagt Goldhardt.

„Er ist vor ein paar Wochen gestorben.“ Wegen des Alters hätten viele Krankheiten oder Partner mit Krankheiten, die sie nicht allein lassen wollten. Daher seien viele Chormitglieder nur noch selten bei Proben und Auftritten erschienen – oder gar nicht mehr. Ein weiteres Problem bei älteren Sängern sei die Stimme gewesen. „Viele konnten die Töne nicht mehr so halten wie früher.“

Der Chor habe einige große Auftritte gehabt. Goldhardt erzählt zum Beispiel von einem Liedernachmittag in der Berglandhalle im Jahr 2015. „Die Halle war randvoll“, sagt er. „600 Gäste waren dabei.“ Auch in Altenheimen sei der Chor aufgetreten. „Da haben wir Liederfibeln ausgegeben und mit den Bewohnern zusammen gesungen.“ Es habe Sommerfeste gegeben und Jahresabschlüsse mit Weihnachtsessen, bei denen auch die Frauen der Sänger dabei waren. 2020 war ein Fest zum 20-jährigen Bestehen geplant. „Das mussten wir wegen Corona leider absagen.“

Die Idee für den Chor sei 1999 entstanden, als ein paar Feuerwehrmänner in gemütlicher Runde beisammen gesessen hätten. Details kennt Goldhardt nicht.

Er sei erst ein paar Jahre später hinzugekommen. Es lebe kaum noch jemand aus der Runde. Auf dem Feuerwehrverbandstag im Jahr 2000 wurde der Chor schließlich ins Leben gerufen. „Da der Chor kein Verein ist, wurde er nur aus Spenden finanziert“, sagt Goldhardt. 2017 hatten Chorleiter Gerhard Ploch und Sänger Günther Maifarth sogar eine Hymne für den Chor geschrieben. Sie heißt „Nimm einen von der Feuerwehr“.

Kürzlich fand ein letztes Treffen – ein Abschiedsessen – statt. „Es sind ein paar Tränen geflossen“, sagt Goldhardt.

(Fabian Becker)

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