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Ostheimer feiern Jubiläum von Freitag bis Montag

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Von: Fabian Becker

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Ist fester Bestandteil des Kirmesumzugs: Ein Erntewagen nimmt immer teil, da die Kirmes in Ostheim aus einem Erntefest entstand. Dieses Bild wurde im Jahr 1951 aufgenommen.
Ist fester Bestandteil des Kirmesumzugs: Ein Erntewagen nimmt immer teil, da die Kirmes in Ostheim aus einem Erntefest entstand. Dieses Bild wurde im Jahr 1951 aufgenommen. © Lisa Keim

Seit 75 Jahren wird in Ostheim das Alter der Kirmes gezählt. Dabei ist sie eigentlich schon viel älter. Wir erklären, wie es dazu gekommen ist und wie das Jubiläum gefeiert wird.

Ostheim – Die Ostheimer Kirmes findet seit 75 Jahren statt – mindestens. Von Freitag bis Montag, 4. bis 7. November, wird das gefeiert, teilen die Ostheimerinnen Lisa und Lydia Keim mit. Wann genau die Kirmes das erste Mal stattfand, ist nicht bekannt. Die aktuelle Zählung beginnt 1947, als die Kirmes zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg veranstaltet wurde. Die älteste Dokumentation geht aber auf 1825 zurück.

Nach drei Jahren dürfen die Kirmesburschen Simon Trieschmann, Niklas Brögeler, Nils Lewandowski, Felix Ludwig und Niclas Proksch wieder in die Hochlandhalle, um aus der Sporthalle ein Kirmeszelt zu machen. Das ist so aufwendig, dass sie auf Helfer angewiesen sind. Der Aufbau beginnt am Mittwochabend und dauert bis Freitag.

Sie waren 2015 dabei: Altkirmesbursche Kurt Freitag nahm mit der Ziehharmonika und Kirmesbursche Gisela Paulus auf einem Wagen an dem Kirmesumzug teil. Paulus hatte einen gebrochenen Fuß.
Sie waren 2015 dabei: Altkirmesbursche Kurt Freitag nahm mit der Ziehharmonika und Kirmesbursche Gisela Paulus auf einem Wagen an dem Kirmesumzug teil. Paulus hatte einen gebrochenen Fuß. © Lisa Keim

Kirmes in Ostheim: Das Programm

Am Freitagnachmittag ziehen die Kirmesburschen los zur Ostheimer Kirche, wo um 17 Uhr ein Gottesdienst beginnt. Anschließend wird das Protokoll des vergangenen Jahres ausgegraben und vom amtierenden Kirmesvater Nils Lewandowski verlesen, der auch den neuen Kirmesvater verkündet. Mit den Silberberg-Musikanten geht es zum Kirmesanspielen in die Ostheimer Schänke. Dort beginnt um 19.15 Uhr der Fackel- und Laternenumzug für Kinder. Am Abend sorgt zudem DJ Madbazz in der Hochlandhalle für Stimmung.

Die Kirmesburschen und Silberberg-Musikanten spielen am Samstag jedem Ostheimer ein Ständchen an der Haustür. „The Tequilas“ und ein DJ treten in der Hochlandhalle auf. Einlass ist ab 19.30 Uhr. Ab 20.30 Uhr werden 75 Liter Freibier ausgeschenkt. Bewirtet wird die Kirmes von Festwirt Michael Hahn.

Der Kirmessonntag beginnt um 11 Uhr mit einem Frühschoppen. Der Festumzug startet um 14 Uhr. Als Höhepunkt werden alle Altkirmesburschen und -väter dabei sein sowie die Fahnen und Fahnenmädchen der vergangenen 75 Jahre. Im Anschluss gibt es Kaffee und Kuchen. Eine Kinderkirmes findet unter dem Motto: „Bei uns gewinnt, jedes Kind!“ statt. Ab 18 Uhr spielen die Silberberg-Musikanten, gegen eine Spende auch Wunschlieder.

Am Montag gibt es eine Tombola und die Band „Nimm drei!“ tritt ab 20.30 Uhr auf. Außerdem wird die Kirmesfahne versteigert. Der Abbau samt Rückbau der Halle findet am Dienstag statt und soll etwa zehn Stunden dauern. Die Kirmes- und Altkirmesburschen begraben die Kirmes am Abend.

Die Kirmesburschen in Ostheim sind dieses Jahr Simon Trieschmann (von links, vorne) und Niklas Brögeler. Hinten: Nils Lewandowski, Felix Ludwig und Niclas Proksch.
Die Kirmesburschen in Ostheim sind dieses Jahr Simon Trieschmann (von links, vorne) und Niklas Brögeler. Hinten: Nils Lewandowski, Felix Ludwig und Niclas Proksch. © Lisa Keim

Kirmes in Ostheim: Die Geschichte

Die Kirmes begann bereits im neunten Jahrhundert als heidnisches Fest. Zu Ehren des Erntegottes Donar wurde eine Woche gefeiert. Am ersten Donnerstag des Novembers wurde der Bär aus- und nach der Kirmes wieder eingegraben. „Bekannt ist aber nicht, ob es sich damals tatsächlich um einen Bären oder etwas Symbolisches handelte“, sagt Lisa Keim. So sei wohl die Tradition des Kirmesbe- und ausgrabens entstanden.

Wegen der Christianisierung wurde das heidnische Fest aber verboten. Stattdessen entstand ein Kirchweihfest, das freitags begann und montags endete. Das Fest, auch Kirchweihmesse genannt, hieß mundartlich auch Kermesse, woraus später Kirmes wurde. Bis heute beginnt die Kirmes in Ostheim immer am ersten Novemberfreitag mit einem Gottesdienst.

Die Kirmesburschen ziehen in Kutten, schwarzen Anzügen, Kirmeskappen, roten Halstüchern und Kirmesblumen an ihren Revers mit der Kirmesfahne vorweg in die Kirche und holen sich den Segen. Dann wird die Kirmes ausgegraben, heute aber nicht mehr der Bär, sondern eine Flasche mit dem Kirmesprotokoll des vergangenen Jahres, das verlesen wird.

Aus dem früheren Bären wurde der Kirmesbär, ein Mensch in einem Kostüm, der die Kirmesburschen samstags beim Ständchenspielen begleitet und sonntags auf der Kinderkirmes auftritt. So sei es gelungen, die heidnischen Traditionen mit den kirchlichen zu verbinden und trotz des Krieges zu erhalten. (Fabian Becker)

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