Jüdische Vertreibung

Reise in die Vergangenheit: Julio Rosenblatt aus Uruguay besucht Beiseförth

Waren beim Ortsrundgang dabei: Katharina und Matthias Lambach.
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Waren beim Ortsrundgang dabei: Katharina und Matthias Lambach.

Auf eine Reise in die Vergangenheit machten sich am Sonntag etwa 50 Teilnehmer eines Rundgangs durch Beiseförth. Es war allerdings kein gewöhnlicher Ortsrundgang.

Beiseförth – Der Computeringenieur und Buchautor Julio M. Rosenblatt war zu Gast. In Beiseförth lebte seine Familie vor der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung über Jahrhunderte. Beiseförth diente ihm auch als Grundlage für seine Bücher.

Geführt wurde die Gruppe von Dr. Uwe Brehm. Er ist Mitglied der Initiative „Jüdisches Leben in Beiseförth“ und berichtete über das Leben jüdischer Menschen im Ort, das in der Zeit des Nationalsozialismus ein schreckliches Ende fand.

Die Teilnehmer erfuhren, in welchen Häusern jüdische Familien wohnten, welche Berufe sie ausübten und wie radikal sich ihr Leben durch die Judenverfolgung änderte. „Auch dazu machen wir die Veranstaltung, damit sich die Geschichte nicht wiederholt“, erklärte Uwe Brehm seine Motivation. Zur Veranschaulichung waren an den Stationen des Rundgangs vergrößerte Fotos des alten Ortsbildes ausgestellt.

Jüdische Geschichte in Beiseförth

Hans-Peter Klein aus Melsungen, ebenfalls Mitglied der Initiative, informierte über Planung und Bau der Synagoge im Ort. Von 1853 bis 1938 diente sie als Gotteshaus. In der Reichspogromnacht wurden Innenraum und religiöse Gegenstände verwüstet. Das Gebäude blieb erhalten und wird seit 1951 als Wohnhaus genutzt. Auch eine jüdische Schule gab es in Beiseförth.

Ein eindrückliches Bild vom Leben und Schicksal jüdischer Kinder in der vergangenen Zeit vermittelten Emil und Elias Weißenborn.

Die beiden Jugendlichen zitierten beim Rundgang Passagen aus dem Kinderbuch „Max und seine Fragen“. Es schildert Leben und Schicksal des jüdischen Jungen Max in der Zeit des Nationalsozialismus. Der Autor des Buches ist Julio Max Rosenblatt.

Sein Vater stammte aus Beiseförth und musste mit 17 Jahren seine Heimat verlassen. Dessen Geschichte hat Julio Rosenblatt in insgesamt vier Büchern verarbeitet. Zur Veranstaltungsreihe „Jüdisches Leben in Beiseförth“ ist er nach Deutschland gereist. „Wir hatten schon intensiven Kontakt mit vielen Videokonferenzen, aber bei diesem Besuch fühle ich mich intensiv verbunden mit Beiseförth“, sagt der 70-Jährige.

Gesprächsstunden mit Schülern

Auch mehrere Gesprächsrunden mit Schülern und Studenten stehen auf seinem Programm. Die Idee dazu hatte Ortsvorsteher Benjamin Giesen.

„In der Schule habe ich viel über die Verfolgung der Juden gelernt“, erklärt er. Gemeinsam mit Beiseförther Vereinen bemühte er sich um eine Förderung der Veranstaltungsreihe, die im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ vom Schwalm-Eder-Kreis gewährt wurde.

Nach einem Dorfabend mit etwa 80 Besuchern wird es am heutigen Dienstag, 19 Uhr einen Dokumentationsabend im Dorfgemeinschaftshaus Beiseförth geben. Thema ist die Geschichte der Familie Rosenblatt in Beiseförth und Montevideo. (Rolf Färber)

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