Aufträge für B. Braun und Dr. Schumacher GmbH

Verpacken statt Kochen: Betrieb in Malsfelder Werkstätten läuft trotz Corona weiter

Thomas Jenke arbeitet auch während der Krise die Aufträge ab.

 In den Malsfelder Werkstätten läuft der Betrieb trotz der Corona-krise weiter. Und das, obwohl seit Ende März ein Betreuungsverbot für Menschen mit Behinderung in den Werkstätten gilt.

 Möglich machen das die 20 hauptamtlichen Mitarbeiter der Malsfelder Werkstätten. Sie haben die Arbeit ihrer Betreuungspersonen übernommen. Die Malsfelder Werkstätten gehören zur Baunataler Diakonie Kassel (BDKS) und bieten Menschen mit geistiger, körperlicher oder mehrfacher Behinderung an, eine Arbeitsstelle zu finden.

Die Aufträge

„Unsere Beschäftigten sind bereits seit dem 19. März zuhause“, erklärt Burkhard Finke, Werkstattleiter in Malsfeld. 120 Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung werden in der Malsfelder Werkstatt beschäftigt. „Seit acht Wochen versuchen wir nun mit den hauptamtlichen Mitarbeitern, also Sozialpädagogen, Erziehungspflegern und Küchenhelfern, die Produktion zu sichern“, sagt Finke. Das ist auch enorm wichtig: Denn die Auftragsbücher sind voll. In Malsfeld werden unter anderem einige Kommissionierung- und Verpackungsarbeiten für den Medizintechnikhersteller B. Braun und den Desinfektions- und Reinigungsmittelhersteller Dr. Schumacher erledigt. Gerade in der aktuellen Situation sei die Arbeit von großer Bedeutung.

Thomas Jenke arbeitet auch während der Krise die Aufträge ab.

10 800 Flaschen Desinfektionsmittel seien allein in den vergangenen acht Wochen abtransportiert worden. „Das sind drei volle Lastwagen“, sagt Finke.

Die Mitarbeiter

Um die 20 Mitarbeiter in der Malsfelder Werkstatt bei der Arbeit zu unterstützen, helfen auch Angestellte aus anderen Standorten mit, erklärt Finke. So hilft beispielsweise Gabi Krannich, Erziehungspflegerin in der Waberner Werkstatt, beim Etikettieren in Malsfeld mit. Und Krankenschwester Melanie Schwarzbach kümmert sich sonst um neun Menschen mit Behinderung, die intensiver betreut werden müssen, so Finke. Diese Menschen lernen in der Tagesförderstätte einen geregelter Tagesablauf kennen. Nun hilft Schwarzbach beim Einpacken von Zubehör für Abfüllflaschen.

Auch Svetlana Uminke und Regina Chowanietz helfen seit Corona in Malsfeld aus. Da es wegen der Pandemie derzeit keinen Kantinenbetrieb gibt, sind die Küchenchefin und die Hauswirtschafterin für Kommissionierungsarbeitern eingesetzt worden. Für sie eine angenehme Abwechslung. So habe man niemanden in Kurzarbeit schicken müssen, sagt Finke.

Melanie SchwarzbachKrankenschwester

Die Jobs in den Werkstätten sind sozialversicherungspflichtig. Die Behinderten werden gefördert und haben auch finanziell etwas davon. Die Mitarbeiter arbeiten von montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags bis 14.30 Uhr, sodass auch zusätzlich ihre Familien entlastet würden. Das Betreuungsverbot gilt noch bis Juni. „Allerdings können wir uns vorstellen, dass auch Teilbereiche wieder für unsere Mitarbeiter mit Behinderung geöffnet werden“, sagt Finke. „Viele rufen täglich bei uns an, und fragen, wann sie wieder kommen dürfen“, sagt er. Denn für sie fehle nun die Teilhabe am sozialen und gesellschaftlichen Leben. „Die Teilhabe am Berufsleben ist für viele von ihnen etwas ganz Besonderes. Dass sie nun nicht mehr arbeiten dürfen, trifft sie sehr hart“, sagt Finke. Unter denselben Hygieneauflagen wie auch in anderen Betrieben könnten auch die Behinderten sicherlich nach und nach wieder ihrer Arbeit in den Werkstätten nachgehen, ist sich Finke sicher. „Das wird sich aber mit der Zeit ergeben.“

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