Neuanfang in Corona-Zeiten

Malsfeld: Von der Fleischerei in die Berghütte - Kirsten Lau und Ralf Gombert wagen etwas neues

Bergliebhaber: Kirsten Lau und Ralf Gombert erfüllen sich einen lang gehegten Traum – sie bewirtschaften ab Juni eine Hütte in den österreichischen Bergen.
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Bergliebhaber: Kirsten Lau und Ralf Gombert erfüllen sich einen lang gehegten Traum – sie bewirtschaften ab Juni eine Hütte in den österreichischen Bergen.

Ausgerechnet in Zeiten von Corona: Kirsten Lau und Ralf Gombert aus Dagobertshausen erfüllen sich einen Traum und bewirtschaften ab Juni eine Berghütte in den österreichischen Alpen.

Dagobertshausen/Kärnten –

Sie sind vielen unserer Leser noch bekannt als die früheren Inhaber der Fleischerei Gombert in Dagobertshausen. Von der Fleischerei in die Berghütte – wie ist diese Idee entstanden?

Wir sind selbst begeisterte Hüttentourengänger und Bergliebhaber. Außerdem kenne ich mich als Agraringenieurin gut mit der Almwirtschaft aus und interessiere mich dafür. Seit mindestens 20 Jahren sagen wir uns schon, dass wir, wenn wir nicht mehr arbeiten müssen, so etwas machen wollen – eine Hütte oder Alm in den Bergen bewirtschaften.

Was hat den Ausschlag gegeben, diesen lang gehegten Plan genau jetzt in die Tat umzusetzen?

Als wir beide so um die 50 waren, haben wir im Freundeskreis einige Schicksale erlebt von Menschen, die ihr Rentenalter nicht erreicht haben. Da haben wir gesagt, wir schieben unseren Traum nicht auf, bis wir in Rente gehen. Ende 2015 haben wir die Fleischerei verkauft – und dann begann die Phase, in der wir uns neu orientiert haben.

Seit dem Verkauf sind ja schon einige Jahre vergangen – was haben Sie seitdem gemacht?

Im April 2018 hat mein Mann angefangen, in Österreich zu arbeiten, seit April 2020 arbeite ich auch dort. Vorher habe ich noch von Deutschland aus gearbeitet, ich habe als Bio-Auditorin die Biosiegel bei landwirtschaftlichen Betrieben kontrolliert. Wir leben jetzt in der Nähe von Landeck und arbeiten beide im Qualitätsmanagement.

Haben Sie die nordhessische Heimat denn komplett hinter sich gelassen?

Nein. Unsere drei Kinder sind zwar erwachsen und leben nicht mehr in Nordhessen, aber wir haben noch immer ein Haus in Dagobertshausen – das ist unser Familientreffpunkt. Wir pflegen weiterhin enge Verbindungen nach Nordhessen, viele Freunde von dort besuchen uns hier in Österreich.

Wie haben Sie die Hütte gefunden, die Sie nun bewirtschaften werden?

Von unserer Wohnung aus blickt man auf die Augsburger Hütte, eine Alpenvereinshütte. Wir sind regelmäßig dort hoch gewandert und haben dort übernachtet. So ist bei uns der Wunsch gewachsen, so eine Hütte zu betreiben. Wir haben uns als Pächter für die Augsburger Hütte beworben, aber nicht den Zuschlag bekommen.

Wie ging es dann weiter?

Wir waren von der Idee dann schon so angetan, dass wir weiter nach Hütten geschaut haben. Wir sind dann auf die Goldeckhütte in Kärnten gekommen, und die haben uns gern als Pächter verpflichtet. Die Hütte liegt auf knapp 2000 Metern Höhe und hat normalerweise ab Juni geöffnet – dann wollen wir starten.

Damit wagen Sie diesen Neuanfang mitten in der Corona-Pandemie – hat Sie das nicht abgeschreckt?

Wir sind tatsächlich von vielen Menschen angesprochen worden, ob das jetzt wirklich der richtige Zeitpunkt sei. Aber wir haben sehr gute Ausgangsbedingungen: Wir werden beide von unseren Arbeitgebern für die Zeit freigestellt, wo wir auf der Hütte arbeiten, und haben die Garantie auf Wiedereinstellung, wenn wir wieder zurückkommen. Im Idealfall wollen wir im Sommer die Hütte bewirtschaften und im Winter in unseren bisherigen Jobs weiterarbeiten.

Haben Sie keine Bedenken, dass Sie wegen Corona möglicherweise gar keine Gäste auf der Hütte empfangen dürfen?

Der aktuelle Stand der Dinge ist, dass die Berghütten im Sommer öffnen können. Auch vergangenes Jahr durften die Hütten unter Auflagen aufmachen, und die Erfahrungen der Pächter waren positiv: Es gab zwar weniger Übernachtungen insgesamt, aber die Umsätze waren nicht wesentlich eingeschränkt. Unsere einzige Sorge ist, dass im Juni, wenn wir öffnen wollen, vielleicht noch so viel Schnee auf dem Zufahrtsweg liegt, dass die Hütte nicht beliefert werden kann. Anfang April haben wir eine Skitour zur Hütte gemacht – da lagen dort oben viereinhalb Meter Schnee.

Aber Sie gehen derzeit davon aus, im Juni öffnen zu können?

Ja. Die Vorbereitungen laufen, und wir liegen gut im Zeitplan. Wir wollen nach Möglichkeit alle Gerichte, die wir unseren Gästen anbieten, selbst zubereiten – zum Beispiel Brot, Apfelstrudel, allerlei Knödel und sogar unseren eigenen Speck (Schinken) und Kräuterschnaps machen wir selbst. Wir hatten bei unserer Fleischerei auch einen Partyservice dabei und haben immer schon gern und viel gekocht.

Was erwartet die Besucher der Goldeckhütte noch?

Die Berge und das Hüttenleben haben uns immer schon inspiriert. Deshalb wollen wir Kunst und Kultur auf den Berg bringen. Zum Beispiel haben wir für unsere Gäste Yoga- und Meditationsangebote geplant. Unsere Besucher können sich zudem bei uns Malutensilien ausleihen. Wir planen Märchenstunden, bei denen unter freiem Himmel Kärntner Märchen und Sagen vorgelesen werden.Und wir organisieren Wanderungen zum Sonnenaufgang und -untergang auf die umliegenden Berggipfel – inklusive Frühstück oder Gipfelpicknick. (Judith Féaux De Lacroix)

Mehr Informationen auf alpenverein.at/goldeckhuette; E-Mail: goldeckhuette1927@gmail.com, Hüttentelefon: 00 43/6 77 64 09 02 47

Die Goldeckhütte liegt in Kärnten

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