Christiane Schuth aus Körle verkauft eine uralte Sigurd-Nähmaschine mit Fußantrieb

Marktplatz: Altes Schätzchen sucht Käufer

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Historisches Zeugnis Kasseler Industriekultur: Der schwungvolle Schriftzug des Herstellernamens ist auf der Nähmaschine noch gut zu sehen.

Alte Häuser bergen häufig so manche historische Schätze. So ist das auch im Haus von Christiane Schuth in Körle-Lobenhausen.

Sie hat das – wohl schon im 19. Jahrhundert errichtete – Gebäude, das teilweise aus Fachwerk gebaut wurde, von ihren Eltern geerbt. Neben den schönen alten Massivholzschränken, die sie liebevoll pflegt, fand sich unter dem Inventar auch eine alte Nähmaschine mit dem prägnanten Hersteller-Schriftzug „Sigurd“ und einem Fußantrieb. Von diesem alten Schätzchen will sie sich nun trennen. „Wir haben sie zuletzt nur hin und her geschoben. Ein echter Liebhaber oder Sammler hat an dieser Maschine bestimmt noch seine Freude“, sagt Christiane Schuth.

Sie erinnert sich, dass schon ihre Uroma auf der Nähmaschine Kleider und Hosen genäht hat und ihre Großmutter später auch. Auf der Maschine selbst sei kein Hinweis auf das Herstellungsdatum zu finden. Auf jeden Fall repräsentiert das Schätzchen ein Stück Kasseler Industriegeschichte: Die Firma Sigurd wurde im Jahr 1919 als Großversandhaus und Hersteller von Fahrrädern und Haushaltsgegenständen gegründet. Auch Nähmaschinen wurden in der Kasseler Fabrik produziert. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Werk teilweise zerstört, später die Produktion wieder aufgenommen. Doch richtig auf die Beine kam das ursprünglich von einem jüdischen Mitbürger gegründete Unternehmen nicht mehr. Mitte der 1970er-Jahre war Schluss.

„Ein echter Liebhaber oder Sammler hat an dieser Maschine bestimmt noch seine Freude.“ Christiane Schuth

Von ihrer Bauart her dürfte die Nähmaschine bestimmt 90 Jahre oder älter sein. Die Gebrauchsspuren auf dem hölzernen Maschinentisch deuten darauf hin, dass Schuths Vorfahren fleißig damit genäht haben. Mit dem Fuß wurde dabei ein Pedal getreten, das wiederum ein Schwungrad antrieb und die mechanische Kraft auf die Maschine übetrug. Leider ist der Riemen des Schwungrads nicht mehr vorhanden. Auf der Verkaufsplattform Ebay werden solche Antriebsriemen für alte Maschinen aber angeboten. Ein Liebhaber solcher alter Schätzchen dürfte keine Probleme haben, den Riemen zu ersetzen. Eine Garantie für die Gebrauchsfähigkeit der Nähmaschine will Christiane Schuth aber nicht abgeben. Dafür verstehe sie zu wenig davon.

Lange nicht benutzt

Wann die alte Nähmaschine, die man in ihrem Arbeitstisch versenken kann, zuletzt in Betrieb war, daran kann sich Christiane Schuth nicht mehr erinnern. Sie selbst hat längst eine elektrische Nähmaschine. Der Tisch mit der alten Maschine habe jahrelang als Fernsehtisch gedient. Danach wanderte die Nähmaschine bei jeder Umstellung der Wohnungseinrichtung an einen anderen Platz.

In den Schubladen des Nähmaschinentischs fand Schuth noch ein Werkzeug zum Ausrändeln von Schnittmustern, einen alten Fingerhut, einen Fadenabschneider und Ersatznadeln. Diese Gegenstände gibt es zur Nähmaschine gratis dazu. (pdi)

Christiane Schuth verkauft die Sigurd-Nähmaschine zum Preis von 110 Euro.

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