350 Schüler demonstrierten in Melsungen gegen Rassismus

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Meinung auf Plakaten: Schüler der Geschwister-Scholl-Schule und der Drei-Burgen-Schule Felsberg gingen gestern in Melsungen auf die Straße, um gegen Rassismus und rechte Hetze zu demonstrieren. Im Bild Drei-Burgen-Schüler aus Felsberg mit einem Transparent der GSS, im Bild von links Nicole Walter, Alissa Dittmann, Amelie Kliem, Charlotte Bär und Samantha Procksch.  

Melsungen. Für Menschenrechte und gegen Rassismus gingen am Montag Schüler aus Melsungen und Felsberg auf die Straße.

Nach Angaben der Polizei beteiligten sich rund 350 Schüler an dem Protestmarsch, der von der Geschwister-Scholl-Schule (GSS) in Melsungen bis zum Marktplatz führte. Mit vielen Plakaten und lauten „Wir sind mehr“-Rufen demonstrierten sie ihre Meinung.

„Wir sind gegen Rassismus und Hetze und für Offenheit und Toleranz“, rief Melina Vogt von der Schülervertretung der GSS den Demonstranten vor dem Rathaus zu. Am Marktplatz gab es eine kleine Kundgebung mit mehreren Rednern.

„Es ist toll, dass ihr hier seid und euch Gehör verschafft“, rief Bürgermeister Markus Boucsein den Schülern zu. Er freue sich, dass die Jugendlichen Mut zeigen und Verantwortung für Meinungsfreiheit übernehmen.

„Alle sind gleich“

Schülersprecherin Charlotte Pschibul appellierte an ihre Mitschüler, sich jeden Tag aufs neue die deutschen und europäischen Werte immer wieder ins Bewusstsein zu rufen: „Alle sind gleich, unabhängig von Hautfarbe und Herkunft.“ Hier gebe es keinen Platz für Rassismus, Homophobie und Mobbing.

Die Schülervertretung der GSS hatte die Demo organisiert, um auf die Krawalle in Chemnitz zu reagieren: Am 2. September waren Hunderte Rechte tumultartig durch Chemnitz gezogen, nachdem ein Mann infolge einer Messerstecherei gestorben war. „Wir sprechen der Familie des Opfers unser tiefstes Mitgefühl aus, aber es ist eine Schande, dass dieses Ereignis instrumentalisiert wird. Deshalb sagen wir: Hier ist kein Platz für Rassismus“, sagte Melanie Vogt von der SV.

Demonstrationszug: Von der Geschwister-Scholl-Schule ging’s über die Bartenwetzerbrücke zum Marktplatz.

Erste Demo in Spangenberg

Die Schülervertretung der Spangenberger Burgsitzschule hatte bereits in der vergangenen Woche zu einer Demonstration durch die Stadt aufgerufen, und rund 300 Schüler und Spangenberger waren dem Aufruf gefolgt.

Genau wie in Spangenberg trugen auch in Melsungen viele, selbst gestaltete Plakate durch die Stadt. Aufschriften wie „Bunt ist besser als braun“, „Meine Nationalität? Mensch!“, „Nein zu Rassismus“, „Herz statt Hetze“, „Hand in Hand gegen Rassismus“ waren zu lesen. Von Passanten gab es Beifall für den Demonstrationszug.

Den gab es auch von Schulleiter Dr. Reinhard Köhler: „Die Schüler der Geschwister-Scholl-Schule dürfen nicht schweigen.“ Schließlich stünden die Namensgeber der Schule, Hans und Sophie Scholl, für Widerstand gegen den Terror, der „in der größten Katastrophe des 20. Jahrhunderts geendet hat“. Deshalb wolle und müsse die Schule aufstehen und ein starkes Signal für Melsungen und die Region setzen, sagte Köhler. 

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