Nur drei Prozent der Tiere überleben

4000 Aale wurden in der Fulda ausgesetzt 

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Sie halfen beim Aalbesatz: Konrad Fehr (links) und Norbert Brand an der Fulda am Sportplatz in Beiseförth – eine von mehreren Stellen, an denen jetzt junge Aale im Fluss ausgesetzt wurden.

Melsungen. Der europäische Aal ist vom Aussterben bedroht. Eine groß angelegte Aktion im Kreisteil Melsungen soll dem gegensteuern.

Mehr als 4000 junge Aale sind vergangene Woche unter anderem in Malsfeld, Melsungen und Morschen in der Fulda ausgesetzt worden.

Mit dabei waren auch Konrad Fehr und Norbert Brand. Beide sind Mitglieder im Sportanglerverein Bartenwetzer. Außerdem kontrollieren sie als Fischereiaufseher und Gewässerwarte bestimmte Bereiche der Fulda.

„Der Aalbestand hat in den letzten 20 Jahren rapide abgenommen“, sagt Konrad Fehr. Das merke man auch beim Angeln: „Früher konnte man an einem Tag schon mal acht bis zehn Aale fangen. Heute sind es höchstens drei.“

4000 Aale – das hört sich erstmal nach einer großen Zahl an. „Aber nur drei Prozent der ausgesetzten Tiere überleben“, sagt Norbert Brand. Kormorane, aber auch Raubfische wie Barsch und Hecht fräßen die Aale. Hinzu kämen Krankheiten, die die Aale schwächten.

Wehre in der Fulda sind Gefahr für Aale

Eine große Gefahr für die Tiere stellten aber auch die Wehre in der Fulda dar: Dort blieben die Aale oft hängen. „In Guxhagen hat man eine Fischtreppe gebaut, damit die Aale wandern können“, sagt Konrad Fehr. In Melsungen aber fehle eine solche Vorrichtung, dort verendeten deshalb viele Aale.

„Beim Aalbesatz geht es vor allem ums Bewusstsein für die Natur. Wir haben nichts davon“, betonen die beiden Angler. Denn die Aale hielten sich nur vier bis fünf Jahre in der Fulda auf: „Dann wandern sie ab.“ Denn zum Laichen, also zum Ablegen ihrer Eier, zieht es die geschlechtsreifen Aale zurück ins Meer.

Bei einem Händler in Fritzlar haben die Angler die jungen, etwa 20 Zentimeter langen Aale gekauft – ein Aal kostet etwa 70 Cent plus Steuern. Für den Kauf gibt es Zuschüsse aus einem EU-Förderprogramm – bis zu 50 Prozent der Kosten werden übernommen.

Aale kann man nicht züchten

„Aale kann man nicht züchten“, erklärt Norbert Brand. Um den Aalbesatz in Flüssen zu ermöglichen, wurden die ganz jungen, fünf bis acht Zentimeter großen Tiere – sie werden Glas-Aale genannt, weil ihre Körper durchsichtig sind – im Meer abgefischt und aufgezogen, bis sie eine Größe von etwa 20 Zentimetern erreicht hatten.

Auf diese Weise wird ein Teil der jungen Aale gerettet, bevor sie für den Verzehr gefangen werden und so nie zu ausgewachsenen Aalen heranreifen können. Denn in manchen Ländern gelten die jungen Aale als Delikatesse, was zu einer Überfischung führt.

„In manchen Ländern ist der Aalfang schon komplett verboten“, sagt Norbert Brand. In Hessen gälten Schonzeiten, zu denen keine Aale gefischt werden dürfen.

Aus Naturschutzgründen ist der Handel mit europäischen Aalen eingeschränkt, die EU hat die Ausfuhr der Tiere verboten. Da man mit dem Verkauf der Glas-Aale hohe Summen erzielen kann, wird mit den Tieren aber oft illegal gehandelt.

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