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77 junge Menschen beenden die Ausbildung bei Melsunger Unternehmen während Pandemie

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Von: Damai Dewert

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Geschafft: 77 junge Menschen haben bei B. Braun ihre Ausbildung abgeschlossen. Im Bild die Absolventen zusammen mit ihren Ausbildern und den Gästen der Veranstaltung.
Geschafft: 77 junge Menschen haben bei B. Braun ihre Ausbildung abgeschlossen. Im Bild die Absolventen zusammen mit ihren Ausbildern und den Gästen der Veranstaltung. © B. Braun

77 Auszubildende bekamen bei B. Braun jetzt ihre Ausbildungszeugnisse überreicht. Die Übergabe fand in Werk W in den Pfieffewiesen statt.

Melsungen – Die Ausbildungszeit sei nicht leicht gewesen, wurde sie doch vor allem durch die Corona-Pandemie geprägt, sagte Absolventin Sophia Becher in ihrem Rückblick. Daher sei die Zeit alles andere als normal verlaufen, aber eben auch vieles möglich gewesen. So hätten Industriekaufleute Gabelstaplerfahren gelernt, sie hätten im Homeoffice arbeiten können, und Auszubildende hätten an vielen Stellen ausgeholfen, um die Pandemiesituation zu bewältigen. So waren sie beispielsweise in der Impfstraße im Unternehmen im Einsatz.

Gleichzeitig sei es eine Zeit des solidarischen Verhaltens gewesen: „Wir mussten zusammenhalten“, sagt Becher.

Besnik Selmani ergänzt: „Die Welt, in der wir aufgewachsen sind, scheint zu zerfallen“, aber er sei dennoch voller Hoffnung und appellierte an seine Mitabsolventinnen und Absolventen, Mut zur Veränderung zu haben und für die eigene Meinung einzustehen.

Nachdenkliche Worte, die sich angesichts der schwierigen politischen und wirtschaftlichen Situation in fast allen Redebeiträgen wiederfanden. Es waren einige Gäste gekommen, um zu gratulieren und Wünsche für die berufliche Zukunft zu übermitteln, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens.

Auch Ausbildungsleiter Axel Becker griff das Thema Veränderung auf. Er hatte die Rockballade „Winds of Change“ von den Scorpions mitgebracht, um daran zu erinnern, dass es auch immer möglich sei, Dinge zum Positiven zu verändern. Er übermittelte seine Wertschätzung für die „tollen Leistungen“ der Absolventen, bedankte sich bei dem Ausbildungsteam und ergänzte mit einem Augenzwinkern: „Danke, dass ihr es mit uns ausgehalten habt.“

Das Thema Wind war eine Steilvorlage für die Teamleiterin der kaufmännischen Berufsausbildung, Nadine Krefeld, die als passionierte Seglerin einen Vergleich zu ihrem Hobby zog: Man könne den Wind zwar nicht beeinflussen, weder Zeitpunkt, Stärke noch Richtung, aber man könne trotzdem viel tun, beispielsweise den Kurs anpassen. Ebenso könne man sein persönliches Handeln jederzeit ändern.

Zeugnisübergabe in Melsungen: Für die Azubis ein besonderer Moment

Trotz aller nachdenklichen Worte war die Zeugnisübergabe für die jungen Menschen aus der Region ein Anlass, zu feiern, entsprechend fröhlich war die Stimmung im Foyer des Werk W. „Ich bin froh, nach drei Jahren die Ausbildung abzuschließen, gemeinsam mit Freunden, die ich in dieser Zeit gewonnen habe“, sagte Industriekaufmann John Weber, aber gleichzeitig sei es auch ein komisches Gefühl, dass die Ausbildung nun vorbei sei.

Verfahrensmechanikerin für Kunststoff- und Kautschuktechnik Annalena Schulz war in ihrer technischen Ausbildung allein unter Männern, „aber ich wurde sehr gut aufgenommen, wir haben im Team gearbeitet und uns immer gegenseitig geholfen“. Sie wird zunächst als Maschinenbedienerin arbeiten, aber sie hat Pläne: „Ich möchte als nächstes den Techniker oder Meister machen. Alle Wege sind offen.“

Besonders schwer hatten es laut B. Braun die beiden Absolventen Diaa Aghwan und Amin Esmail Pour Ghochhani. Sie waren erst kurze Zeit vor Beginn ihrer Ausbildung zum Industrieelektriker als Flüchtlinge aus dem Irak und Iran nach Deutschland gekommen und konnten noch nicht so gut Deutsch. Trotzdem bekamen sie die Chance, bei B. Braun einen Beruf zu erlernen. „Die ersten Monate waren sehr schwer“, erinnerte sich Diaa Aghwan, aber die Kollegen seien nett gewesen und die Ausbilder hätten sie unterstützt. „Ein Wunder“, sagte Amin Esmail Pour Ghochhani und hält stolz sein Zeugnis mit durchweg Top-Noten in den Händen.

Von den 77 Absolventinnen und Absolventen haben 37 einen kaufmännischen Beruf erlernt, 36 einen technischen Beruf und vier haben dual studiert.  

(Damai D. Dewert)

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