Die Dame mit der Haube

Die älteste Schwimmerin im Freibad Spangenberg

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Fit durchs Schwimmen: Christa Becker aus Hessisch Lichtenau schwimmt regelmäßig im Freibad Spangenberg. Ihre 87 Jahre sieht man ihr wirklich nicht an. Mit im Bild von links Gerlinde Schmoll (68), Inge Lösch (74) und Magdalena Niedt (74).

Spangenberg. Christa Becker aus Hessisch Lichtenau schwimmt regelmäßig im Freibad Spangenberg. Die 87-Jährige hält sich durchs Schwimmen fit.

Christa Becker ist das, was man eine Dame nennt. Ihr Äußeres ist sehr gepflegt: die Haare silbergrau, Lippen und Nägel pink bemalt, die Haut gebräunt. Frau Becker trägt einen Bikini in einem leuchtenden Gelbton, wird heute 87 Jahre alt und geht an jedem Sommertag ins Spangenberger Freibad zum Schwimmen. Sie ist die älteste Schwimmerin im Liebenbachbad und sagt: „Ich brauche keinen Orthopäden, ich brauche nur ein Schwimmbad.“

Die dreifache Uroma zieht dort ihre Bahnen, 20 am Stück, 500 Meter. Die 22 Grad Wassertemperatur findet sie „schön angenehm“ und sagt: „Irgendeinen Sport muss man doch machen.“ Früher spielte sie gern Tennis, aber als sie mit der Schulter Probleme bekam, ging sie nur noch ins Schwimmbad. Und weil vor 23 Jahren das Freibad in ihrem Wohnort Hessisch Lichtenau geschlossen hat, fährt Christa Becker an sonnigen Tagen mit dem Auto nach Spangenberg. „Ich habe etliche Bademeister kommen und gehen sehen“, sagt sie und lobt die beiden aktuellen Bademeister, „die die Spitze ihrer Zunft darstellen“.

In diesem Sommer war Christa Becker schon mehr als 50 Mal schwimmen. Begeistert ist sie von der Ausstattung des Freibades: die gepflegten Damentoiletten, die neue Umkleidekabine auf dem Rasen, die Strandkörbe, die Lesevitrine, die vielen Liegestühle. „Ohne die Gruppe energiegeladener Spangenberger wäre das nicht möglich gewesen“, sagt die Seniorin und lobt die Arbeit des Fördervereins Pro Aqua, der das Schwimmbad in dritter Saison betreibt und mit viel Liebe zum Detail wieder in Schuss gebracht hat. Christa Becker ist förderndes Mitglied bei Pro Aqua, „das ist doch selbstverständlich.“ 

Seit sie fünf ist, kann Christa Becker schwimmen. Gelernt hat sie es in ihrer alten Heimat in Bad Langensalza in Thüringen. Dort wurde das Wasser im Freibad nach ein paar Tagen dunkelgrün, weil es ohne Umwälzanlage kippte. Sie studierte und wurde Berufsschullehrerin, heiratete, bekam zwei Kinder. 1961, sechs Wochen vor dem Mauerbau, flüchtete die junge Familie aus der DDR in den Westen.

In Hessisch Lichtenau arbeitete sie als Lehrerin für Polytechnik und Kunst an einer Gesamtschule und gab Nähkurse. Die rüstige Rentnerin besucht gerne ihre zehn Enkel und drei Urenkel. Aber bei sonnigem Wetter zieht es die 87-Jährige immer zum Schwimmen nach Spangenberg. Sie sagt: „Sollte ich in 13 Jahren meinen 100. Geburtstag im Spangenberger Freibad feiern können, sind alle Besucher über 80 auf ein Getränk eingeladen.“

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