Auf dem Rücken der Patienten

Änderung bei einem Medikament kommt Malsfelder Rentner teuer zu stehen 

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In der Pflicht: Alexander Schröder, Inhaber der Rosen Apotheke, zeigt ein Medikament mit Festbetrag. Oft weiß er nicht, wie seine Kunden versichert sind. 

Melsungen – 750 Euro weniger: Ein Rentner bekommt die Erstattung für sein Medikament und staunt nicht schlecht, der Betrag ist niedriger als sonst.

Die Erklärung ist zwar einfach, aber für den 88-Jährigen ehemaligen Bahn-Angestellten unbefriedigend. „Mein Geld ist knapp. Die fehlenden Euros sind ein echter Schlag für mich“, sagt der Pensionär mit privater Krankenversicherung im Basistarif aus Malsfeld.

Der Fehlbetrag hat mit der nicht ganz einfachen Preisgestaltung bei Medikamenten und dem Basistarif des Versicherten zu tun.

Gesetzliche Kassen handeln mit Pharmaherstellern Rabattverträge aus. Die Versicherten bekommen dann in der Regel eines dieser günstigen Präparate. Der genaue Preis ist dabei geheim. Für viele Medikamente gelten außerdem Festbeträge, die in der Regel etwas höher liegen. Bis zu diesem Festbetrag übernimmt die Versicherung in der Regel die Kosten.

An diesem Festbetrag orientieren sich die privaten Krankenkassen. Gibt es einen Festbetrag, zahlen die Kassen bei Versicherungsnehmern im Basistarif nur bis zu dieser Summe. Gibt es keinen Festbetrag, zahlen die Kassen mehr.

Was aber, wenn plötzlich ein Festbetrag eingeführt wird? So geschehen in unserem Fall. Im April wurde ein Festbetrag festgelegt, die Krankenversicherung deckelte ab da die Erstattung. Bis dahin hatte die Krankenkasse deutlich mehr erstattet. Die Mehrkosten nach der Einführung des Festbetrags übernahm die Kasse aber ab April nicht mehr. Der Rentner zahlte in der Apotheke den vollen Preis, reichte seine Rechnung bei der Kasse ein und erhielt den nun niedrigeren Betrag. Allerdings informierten weder Arzt noch Apotheker den Rentner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Er kritisiert den Informationsfluss.

Der sei nicht optimal, bestätigt Martin Danner, Sprecher der Patientenvertretrung beim Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA). Der 52-Jährige ist auch Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft der Selbsthilfen. Der Gemeinsame Bundesausschuss ist das höchste Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Der GBA entscheidet laut Wikipedia über den Leistungsanspruch von 73 Millionen krankenversicherten Menschen in Deutschland.

Die Informationspflicht sei bei den gesetzlich Versicherten sichergestellt. Der Versicherte erfahre am Tresen in der Apotheke automatisch, welche Kosten auf ihn zukämen. Bei den Privaten sei das anders. „Wir sind klar der Meinung, dass es eine Nebenpflicht der Versicherung gibt, den Versicherungsnehmer auf eine veränderte Vertragssituation hinzuweisen“, sagt Danner. Derzeit gilt, dass der Versicherungsnehmer auf seinen Basistarif hinweisen und der Apotheker es sich merken muss.

Die Informationslage wird laut Danner auf dem Rücken der Patienten ausgetragen.

„Ich habe erst zweimal gehört, dass ein Kunde auf seinen Basistarif hingewiesen hat“, sagt Apotheker Dr. Alexander Schröder. Um dem Patienten und der Apotheke die Sicherheit zugeben, dass richtig verfahren wird, plädiert Schröder für ein Kundenkonto. Dazu müsste der Kunde aber seine Daten zur Verfügung stellen.

Der 88-jährige Beiseförther meint, in der Apotheke Bescheid gesagt zu haben, seine Pflicht kenne er zwar, weise aber nicht jedes Mal daraufhin. Auf dem Fehlbetrag werde er wohl sitzen bleiben.

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