Angehörigen-Initiative des Awo-Altenzentrums Melsungen schmeißt hin

Wünschen sich Nachfolger: Aktiv in der Betreuung sind die Mitglieder des Melsunger Awo-Ortsvereins mit von links Heide Emrich, Anita Obijou und Martin Hentschker. Foto: Dewert

Melsungen. Die Angehörigen-Initiative am Melsunger Altenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo) hört auf - oder besser: schmeißt hin.

Einer der Gründe sei die mangelnde Unterstützung der Awo-Geschäftsführung in Kassel und im Heim, sagt Martin Hentschker, Awo-Ortsvereinsvorsitzender und Mitglied der Angehörigen-Initiative. Außerdem sei es Zeit für einen Wechsel, da aus dem aktiven Vorstandskreis keiner mehr einen Angehörigen im Dr.-Horst-Schmidt-Haus betreue.

Die Angehörigen-Initiative war angetreten, die Wohn- und Pflegebedingungen der damals etwa 90 Bewohner zu verbessern. Es habe eine lange Liste mit Beschwerden gegeben. Vieles sei zwar mittlerweile abgearbeitet, aber die Notwendigkeit einer Angehörigen-Initiative sei nach wie vor gegeben.

Derzeit sei das Haus mit etwa 130 Bewohnern voll belegt und nach den Umbauarbeiten - unter anderem wegen des schweren Brandes 2012 - habe sich ebenfalls vieles zum Besseren gewandelt. Gerade auch in puncto Atmosphäre, sagt Anita Obijou. Ihnen liege aber die gute Pflege und Betreuung am Herzen, eine Unterstützung der Angehörigen sei daher immer sinnvoll. Man sei Mittler zwischen Betriebsrat, Heimbeirat, den Angehörigen und der Geschäftsführung.

Zuletzt habe es regelmäßige Treffen mit den Angehörigen gegeben, die zu diesem Zweck angeschrieben und eingeladen worden waren.

Unterstützung fehle 

Mit dem Hinweis auf Datenschutzbelange wolle die Heimleitung dies künftig nicht mehr tun. Obijou: „Wir wollen die Adressen ja nicht einmal. Es soll lediglich eine Einladung in unserem Namen verschickt werden.“

Hinter vorgehaltener Hand erführen sie, dass Angehörige oftmals keine Vorgänge kritisieren wollten, da sie eine schlechtere Behandlung ihrer Angehörigen befürchteten.

Die Mitwirkungsrechte müssten aber gestärkt werden. Das sehe auch der Gesetzgeber so, sagt Hentschker. Im zwar noch nicht in Kraft getretenen Pflegegesetz sei geregelt, dass das Haus eine Angehörigen-Initiative zulassen solle.

Die drei erheben weitere Vorwürfe. So würden die Alltagsbegleiter in den Wohngruppen für andere Arbeiten eingespannt und es bliebe diesen keine Zeit, ihrer eigentlichen Aufgabe nachzukommen. Die Mitarbeiter seien überfordert und arbeiteten mehr als sie vertraglich müssten, kritisiert Obijou.

Außerdem fehlten Springer für die Notdienste. Man könne doch nicht mit zu wenig Mitarbeitern die Bewohner betreuen. „In der Pflege geht es schließlich um das Wohl von Menschen“, sagt sie.

Aufruf 

Die ehemalige Angehörigen-Initiative soll fortgeführt werden - daher werden Angehörige gesucht. Martin Hentschker, Heide Emrich und Anita Obijou würden in der Anfangszeit als Ansprechpartner helfen. Bis zuletzt gab es vier Treffen mit der Heimleitung und Angehörigen. Dies wäre künftig wünschenswert. (ddd)

Kontakt: Martin Hentschker unter Tel. 05661/3664 oder Anita Obijou unter Tel. 05661 92 95 44 

 

Das sagt die Awo-Geschäftsführung  

Die Awo habe jetzt seit Jahren eng mit der Initiative zusammengearbeitet, sagt Martin Schmidt, Geschäftsführer Awo-Nordhessen. Auf Anregung der Angehörigen-Initiative (AI) seien Angebote ausgebaut worden und vieles werde zudem zwischen den Angehörigen und der Heimleitung und den Pflegern vor Ort auf dem kurzen Dienstweg besprochen. Inwieweit jetzt noch eine institutionalisierte Zusammenarbeit nötig ist, müsse man sehen. Es habe mal eine Situation gegeben, die die AI gerechtfertig habe, aber der Bedarf sei abgearbeitet. „Ich habe den Eindruck, dass wir eine sehr hohe Zufriedenheit im Horst-Schmidt-Haus erreicht haben“, sagt Schmidt. Für alle, die sich engagieren wollen, stehe man natürlich bereit. „Jeder ist herzlich willkommen, das Zusammenleben und die Zusammenarbeit zu verbessern“, sagt der Geschäftsführer abschließend.

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