Leben zwischen Staub, Schotter und Lärm

Dauerbaustelle in Melsungen: Den Anwohnern reicht’s

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Die Anwohner bemängeln unhaltbare Zustände - hier Klaus Wangemann

Melsungen. Dauerbaustelle in Melsungen: Busse fahren nicht, Autos beschädigt und kein Durchkommen.

Sie leben zwischen Staub, Schotter und Baulärm. Die Anwohner des Wohngebiets rund um die Straßen Am Hang, Gartenstraße und Waldstraße. Allerdings gehe die Belastung weit über das Maß des Erträglichen hinaus, sagt Anwohnerin Doris Köster.

Auch Martin Gille, FWG-Fraktionschef im Stadtparlament, ist dort Anwohner. Mit einem Antrag für ein besseres Baustellenmanagement scheiterte die FWG in der Stadtverordnetenversammlung.

Die Liste der Vorwürfe, die die Anwohner erheben, ist lang. An der Baustelle sind mehrere Betriebe im Einsatz. Deren Abstimmung untereinander sei völlig unzureichend, sagt Gille: Eine Ursache für viele Probleme. So komme es vor, dass die Firmen an verschiedenen Stellen im Wohngebiet Straßen aufrissen und viele Häuser unerreichbar seien.

Weitere Vorwürfe im Überblick:

• Wasser weg: plötzliches und unangemeldetes Abstellen des Wassers für mehrere Stunden. Familien mit kranken Kindern, Pflegebedürftige und andere waren so schon unterversorgt.

• Zufahrt zu: Garagen und Zufahrten sind ohne Ankündigung stundenlang unpassierbar. Anwohner hatten Termine für Chemotherapie oder anderweitige Verpflichtungen.

• Dicke Brocken: Schotter mit zu großer Körnung von 30 bis 40 Millimeter, der Autoreifen aufschlitzt, Fahrradfahren unmöglich macht und für weitere Schäden sorgt.

• Wüstenpiste: Die provisorischen Decken werden nicht gewalzt. Oberfläche senkt sich ständig ab. Schlaglöcher lassen Straßen unpassierbar werden. Mehrere Schäden am Unterboden, Stoßstangen abgerissen. Ältere Fahrer trauen sich zum Teil nicht zu fahren.

• Tschüss Trottoir: Der Bürgersteig wurde straßenweise abgerissen, obwohl weitere Arbeiten seit Monaten auf sich warten lassen. Damit wurde die Nutzung für Gehbehinderte unmöglich. Carola Zimmermann ist Gefangene im eigenen Haus: „Ich komme mit meinem Rollator nicht über die Schotterpisten.“

• Kein Halt: Seit Beginn der Bauarbeiten fährt der Stadtbus nicht mehr durchs Viertel. Menschen ohne Auto und mit eingeschränkter Mobilität wie Carola Zimmermann kommen nur noch mit dem Taxi weg. 7,20 Euro zahlt die Frührentnerin für eine Fahrt. „Das kann ich mir nur ausnahmsweise leisten“, sagt sie. Ohne Hilfe ihrer Nachbarn wäre sie aufgeschmissen.

• Kein Vorbeikommen: Abgestellte Baumaschinen versperren den Weg, Straßen und Zufahrten. Anwohner Klaus Wangemann: „Feuerwehr und Rettungsdienst haben es auch schwer.“

• Alles futsch: Schlaglöcher so tief, dass Autos aufsetzen und manch einer sicherheitshalber nicht fährt, kritisiert Wangemann.

einer Baustelle sei in der Tat sehr wichtig, sagt Martin Dohmann, Bauamtsleiter der Stadt Melsungen. Alle Baufirmen vor Ort hätten Bauleiter als Ansprechpartner und sowohl Ingolf Bitermann vom Planungsbüro Oppermann und Karl Trieschmann vom Baumamt seien regelmäßig am Hang unterwegs. Man werde die Informationsweitergabe überprüfen.

• Wasser weg: Alle geplanten Unterbrechungen der Wasserzufuhr würden frühzeitig mitgeteilt. Am Hang liege das älteste Kanalnetz der Stadt. Die Rohre stammten zum Teil noch aus dem Jahr 1901. Leider gehe bei den Arbeiten schnell mal etwas kaputt. Die Zufuhr sei dann ungeplant unterbrochen.

• Zur Arbeitsweise: Die Baufirmen können und müssen die Abläufe innerhalb einer Baustelle selbst organisieren. Es gebe zwei Vorgehen: Arbeiten in einem tiefen Graben, in dem in unterschiedlichen Höhen Kanal, Wasser und Gas verlegt würden, oder Arbeiten in Kolonnen, die erst komplett Kanal, Wasser und dann Gas verlegen. Die Gräben werden dann mehrmals auf und zu gemacht. Dieses Verfahren sei schneller. Zusatzkosten entstünden nicht.

Die größte Schwierigkeit sei, alle Versorgungsleistungen (Abwasser, Gas, Wasser) immer und parallel intakt zu halten. Beispielsweise müsse eine neue Leitung desinfiziert und gespült werden, bevor eine alte noch funktionstüchtige aus dem Boden geholt werde. Auch könnten einzelne Straßen nicht vorgezogen und abgeschlossen werden (Gartenstraße).

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