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Melsunger Krankenhaus: Asklepios-Betriebsrat kritisiert Schwalm-Eder-Kreis

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Von: Damai Dewert

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So richtig losgegangen, ist es mit dem Neubau nie: Das Schild an der Baugrube in Melsungen hängt schon lange nicht mehr. Wie es mit der medizinischen Versorgung und vor allem den Mitarbeitern weitergeht, ist offen.
So richtig losgegangen, ist es mit dem Neubau nie: Das Schild an der Baugrube in Melsungen hängt schon lange nicht mehr. Wie es mit der medizinischen Versorgung und vor allem den Mitarbeitern weitergeht, ist offen. © Damai Dewert

Etwa 100 Mitarbeiter arbeiten in der Melsunger Asklepiosklinik.

Melsungen - Wie es für sie weitergeht, beschäftigt vor allem den Betriebsrat um dessen Vorsitzenden Klaus Bölling. Der übt unter anderem deswegen Kritik an Gesundheitsdezernent Jürgen Kaufmann, da dieser im Kreistag ankündigte, Asklepios werde den Versorgungsauftrag zum Jahresende abgeben.

Harsche Kritik an den Aussagen des Gesundheitsdezernenten gibt es vom Asklepios-Betriebsrat: Dessen Vorsitzender, Klaus Bölling, sieht die von Jürgen Kaufmann skizzierte Zukunft des Melsunger Krankenhauses beziehungsweise der Belegschaft keineswegs so rosig.

Nachdem der Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernent Jürgen Kaufmann am Montag im Kreistag die Zukunft des Klinikums Melsungen in Frage gestellt habe, verkünde er nun, der Belegschaft eine Perspektive bieten zu wollen. „Aber welche Perspektive soll das sein?“, fragt Bölling.

Die Mitarbeiter arbeiteten in einem Krankenhaus, betreuten Patienten in der Inneren, Chirurgie, Geriatrie und Psychiatrie. Welche Perspektive sollten sie in einem Gesundheitszentrum haben, das unter den von Kaufmann genannten Voraussetzungen kaum über stationäre Bereiche verfügen werde? „Was wird aus der Psychiatrie, deren Betten im Nordkreis dringend gebraucht werden, was wird aus der Geriatrie?“, Bölling sieht viele Fragen unbeantwortet.

Uneinigkeit wie es in Melsungen weiter geht

Auch Asklepios-Geschäftsführerin Dr. Dagmar Federwisch äußerte am Mittwoch Unverständnis über die Aussagen von Jürgen Kaufmann. Es sei zwar richtig, dass sie den Landkreis erst in der zweiten Jahreshälfte 2020 über die Pläne, eine Fachklinik bauen zu wollen, informiert habe. Dies sei wegen der sich damals verschlechternden Bedingungen nötig gewesen. Der ursprünglich geplante Neubau sei aber immer das Ziel gewesen.

Kaufmann verschweige jetzt, dass der Landkreis aber auch in der Folge an einer Grund- und Regelversorgung festgehalten habe. 2021 reagierte der Landkreis sogar noch mit einer Klage auf Einhaltung des Versorgungsangbotes.

Die Zusammenarbeit habe sich über die Jahre daher kaum verändert, formuliert Federwisch. „2022 hat der Landkreis schließlich einen neuen Träger gesucht“, sagt sie.

Die große Verunsicherung der Belegschaft sei spürbar. Daher gehe es jetzt darum, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine konstruktive Lösung zu präsentieren. Daran arbeite sie.

Das hat die Asklepios-Geschäftsführerin Dr. Dagmar Federwisch bereits in der HNA dementiert. Tatsächlich müsste Asklepios die Rückgabe seines Versorgungsauftrags beim hessischen Sozialministerium beantragen. Wie lange es vom Antrag bis zu einer Rückgabe dauert, kann selbst das Ministerium nicht beantworten: Der Zeitrahmen für einen solchen Verfahrensablauf lasse sich nicht sicher einschätzen, da es keine Präzedenzfälle gebe, teilte das Ministerium am Mittwoch auf unsere Anfrage mit. Es gebe bislang keine Erfahrungen in vergleichbaren Konstellationen.

Die Beteiligten werden alle Anstrengungen unternehmen, um einen nahtlosen Übergang zwischen dem bisherigen und einem möglichen neuen Krankenhausbetreiber zu gewährleisten, einschließlich der Fortführung der aktuellen Versorgungsaufträge, heißt es aus dem Ministerium sehr allgemein weiter.

Dazu sagt Bölling: „Kaufmann fordert, dass Asklepios seinen Versorgungsauftrag erfüllt. Aber das geht nur mit den Kolleginnen und Kollegen, deren Arbeitsplätze er gerade infrage stellt“, sagt Bölling.

Kaufmann könne ihnen außerdem keine reale Perspektive, sondern allenfalls eine vage Option bieten. Und nach den Aktionen der vergangenen zwei Jahre sei das auch wenig glaubwürdig.

Kaufmann kündigte an, ein Gesundheitszentrum mit stationären Betten in Melsungen bauen zu wollen. „Kaufmann hat nicht einmal einen Träger für eine solche Einrichtung, meint aber, eine weitere Kooperation mit Asklepios sei den Menschen nicht vermittelbar“, sagt Bölling weiter. Auch er war dabei, als sich der Kreistag Ende 2006 gegen die Proteste vieler Menschen und vieler Beschäftigter der damaligen Kreiskliniken genau für diese Kooperation entschieden habe. Die Beschäftigten habe damals niemand gefragt, ob ihnen Tarifflucht, Outsourcing oder der Verlust von Arbeitsplätzen vermittelbar sei.

Gerade in Melsungen hätten die Kolleginnen und Kollegen mit großem Engagement im Altbau die Gesundheitsversorgung aufrechterhalten und mit Geriatrie und Psychiatrie neue Fachabteilungen aufgebaut, sagt Bölling.

„Noch vor zwei Jahren hat der Kreis das Asklepios-Konzept für eine Fachklinik Geriatrie und Psychiatrie in Melsungen abgelehnt und wollte auf Einhaltung der Grund- und Regelversorgung klagen. Er hat damit einen Prozess angestoßen, der nun im schlimmsten Fall mit der Vernichtung von über 100 Arbeitsplätzen und dem Aus für die Klinik in Melsungen endet“, kritisiert Bölling.

(Damai D. Dewert)

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