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Asklepios schließt Klinik in Melsungen: Patienten müssen künftig nach Schwalmstadt

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Von: Damai Dewert

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Asklepios Krankenhaus Melsungen
Das Asklepios Krankenhaus Melsungen schließt zum Jahresende © Damai Dewert

Der klassische Krankenhausbetrieb in Melsungen wird zum 1. Januar eingestellt. Patientinnen und Patienten sollen künftig nach Schwalmstadt und Bad Wildungen.

Melsungen - Der Krankenhausbetrieb in Melsungen wird zum 1. Januar eingestellt. Das gab die Asklepios Schwalm-Eder GmbH am Donnerstag (15. Dezember) auf Anfrage unserer Zeitung bekannt. Abgezeichnet hatte sich diese Entscheidung in den vergangenen Tagen und Wochen bereits. Die Patienten würden in umliegende Kliniken nach Schwalmstadt und nach Bad Wildungen verlegt werden, sagte Klinikleiterin und Regionalgeschäftsführerin für Nordhessen, Dr. Dagmar Federwisch.

Die Entscheidung resultiere unter anderem aus der schwierigen Lage, in der sich die Gesundheitsversorgung und speziell Krankenhäuser aktuell befänden, woraus sich viele Schließungen quer durch Deutschland ergäben. Ein Umstand, der eine riesige Herausforderung für alle Beteiligten darstelle: Krankenhausbetreiber, Ministerien, Landkreise, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Patientinnen und Patienten.

Federwisch: „Ich bin froh, dass wir mit der Verlagerung der Leistungen von Melsungen nach Schwalmstadt an einem Standort eine wirklich gute Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherstellen können.“

Betroffen sind auch die beiden neu eröffneten psychiatrischen Abteilungen im Melsunger Krankenhaus. Diese werden von Vitos Kurhessen weiterbetrieben. Das hessische Soziaministerium werde Vitos die psychiatrische Versorgung zum 1. Januar offiziell zuweisen, teilt Vitos mit.

Dagmar Federwisch Asklepios-Geschäftsführerin
Asklepios-Geschäftsführerin Dagmar Federwisch. © Asklepios Kliniken

Asklepios in Melsungen: Viele Mitarbeitende haben gekündigt

„Das hessische Ministerium für Soziales und Integration missbilligt das einseitige Vorgehen der Asklepios Schwalm-Eder-Kliniken und weist darauf hin, dass der Krankenhausträger dafür verantwortlich ist, den Versorgungsauftrag zu erfüllen“, heißt es von einer Ministeriumssprecherin. Nur dank des Einsatzes der Vitos Kurhessen GmbH, des Schwalm-Eder-Kreises und weiterer Beteiligter könne die psychiatrische Pflichtversorgung, in der Region Melsungen gesichert werden.

Das Ministerium werde die Gespräche über die Sicherung der medizinischen Versorgung in der Region durch einen neuen Träger intensiv und konstruktiv begleiten. Ziemlich genau 16 Jahre hat der Hamburger Klinikkonzern die Geschicke geleitet. Am Donnerstag gab Regionalgeschäftsführerin Dr. Dagmar Federwisch das Aus in Melsungen zum 31. Dezember bekannt.

Durch mehrfach gescheiterte Verhandlungen des Landkreises mit anderen Trägern und leider nicht belastbaren Zukunftsvisionen für das Klinikum, seien viele Mitarbeitende zuletzt sehr verunsichert gewesen. Diese hätten dann vielfach ihren Arbeitsvertrag beendet, teilt Asklepios mit.

Für einen Weiterbetrieb fehlt Personal: Es könne daher keine Fortsetzung des Betriebs gewährleistet werden. Federwisch: „Ich kann es in der aktuellen Situation niemandem übel nehmen, dass er sich anderweitig umgeschaut hat. Für diejenigen, die auch weiterhin mit und bei Asklepios arbeiten möchten, haben wir gemeinsam mit dem Betriebsrat gute Lösungen gefunden.“ Auch der Betriebsrat um den Vorsitzenden Klaus Bölling habe um das Krankenhaus gekämpft.

Klinik in Melsungen: Asklepios hat laut Kreis einen Versorgungsauftrag

In Melsungen werde aber auch über das Jahresende hinaus eine Notarztversorgung sichergestellt sein. Die Ärztliche Besetzung der Notarzteinsatzfahrzeuge wird wie bisher auch durch die Asklepios Schwalm-Eder Kliniken gewährleistet. Das heißt, dort ist ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) stationiert.

Patientinnen und Patienten werden je nach Standort und Diagnose in das nächste geeignete Krankenhaus transportiert. Auch ein Ärztlicher Bereitschaftsdienst wird nach wie vor in Melsungen vorhanden sein, dieser wird von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen organisiert.

Jürgen Kaufmann, Gesundheitsdezernent des Landkreises, kritisierte das Vorgehen von Asklepios: „Ein Konzern wie Asklepios müsste eigentlich in der Lage sein, Mitarbeiter von Schwalmstadt nach Melsungen abzuordnen – jedenfalls zweitweise, um einen Betrieb sicherzustellen.“ In die andere Richtung sei dies während der Coronapandemie auch gegangen. Der Kreis vertrete außerdem die Position, dass Asklepios einen Versorgungsauftrag habe und dieses nicht einfach einseitig kündigen könne.

Er versuche weiter mit Hochdruck Partner zu finden, um in Melsungen eine medizinische Grundversorgung aufzubauen. „Das ist mein klares Ziel. Wir wollen ein Angebot, dass besser ist als das, was Asklepios in den vergangenen Jahren in Melsungen angeboten hat“, sagt Jürgen Kaufmann.

Asklepios-Klinik in Melsungen schließt: Vitos Kurhessen erhält wohl Versorgungsauftrag

Sicher ist derzeit nur, dass es in der psychiatrischen Versorgung weitergeht. Vitos Kurhessen hatte erst vor zwei Jahren die Versorgung für Teile des nördlichen Schwalm-Eder-Kreises an Asklepios abgegeben. Patienten können zwar grundsätzlich ihren Arzt und Therapeuten frei wählen. Besteht jedoch ein Einweisungsgrund wegen Eigen- oder Fremdgefährdung, greift der Versorgungsauftrag. Der lag zuletzt für Melsungen, Körle, Malsfeld, Felsberg, Spangenberg und Morschen bei Asklepios und wird an Vitos zurückgehen. Dennoch keine leichte Aufgabe, wie Vitos klarmacht: Durch die Schließung des Klinikums in Melsungen zum 31. Dezember drohte eine Lücke in der psychiatrischen Versorgung. Vitos sei bereit, sehr kurzfristig zusätzliche Aufgaben zu übernehmen, um diese Versorgungslücke zu schließen, heißt es aus der Konzernkommunikation.

Das werde zwar eine riesige Herausforderung, aber Vitos wolle den Menschen vor Ort den Zugang zu ihrer Behandlung sicherstellen. Seit August 2012 betreibt das Vitos Klinikum Kurhessen im Klinikum Melsungen eine psychiatrische Ambulanz und eine psychiatrische Tagesklinik mit 15 Plätzen. Diese blieben geöffnet, auch wenn der Rest des Klinikums schließe. Das bestehende Angebot will Vitos zu einer Intensiv-Tagesklinik und Intensiv-Ambulanz mittels zusätzlicher Therapieangebote ausbauen. Nur dann, wenn Patienten doch stationär zu versorgen wären, müssten sie in Bad Emstal oder Kassel behandelt werden. (Damai D. Dewert)

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