Autobiografie

Autor Ernst Spangenberg veröffentlicht Buch über Melsungen in der Nachkriegszeit

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Hier wuchs Ernst Spangenberg auf: An der Straße Altstadt in Melsungen. 

Melsungen – Der in Melsungen aufgewachsene Autor Ernst Spangenberg erzählt in seinem Buch „Das Schiefmaul und die schöne Nachkriegszeit“ von seinen Erinnerungen an die Fachwerkstadt während der Nachkriegszeit.

Zum Einlesen empfiehlt Ernst Spangenberg selbst das Kapitel „Das große Unrecht“. Das Kapitel, mit dem sich der Autor des Buches quasi aus Melsungen verabschiedet. Ein Kapitel, in dem der damals Zwölfjährige das ganze Verbrechertum Hitlers begreift und angesichts des Schreckens des Zweiten Weltkrieges großen Optimismus hegt, dass „es nie wieder Krieg geben wird“, weil das Leben von Menschen doch zu kostbar sei, als dass man es im Krieg aufs Spiel setze.

Spangenbergs Buch ist ein kleines autobiografisches Werk, dass die Jahre 1945 -1951 in Melsungen beschreibt. In Kassel geboren, wo er als Dreijähriger nach einem Straßenbahnunfall im Gesicht lebenslang entstellt ist (Schiefmaul), versucht der Autor Geschichte und Geschichten lebendig werden zu lassen. „Mit diesem Unfall begann für mich das bewusste Leben“, sagt Spangenberg, der zunächst in Mühlhausen, wo sein Vater seine Lebenszeitanstellung an einer Berufsschule gefunden hat, gewohnt hat und dann 1945 mit einem Flüchtlingstreck nach Melsungen zur Großmutter kam, wo er bis 1951 lebte. „Diese Jahre“, gesteht er, „empfinde ich als glückliche Jahre, die sich nahezu perfekt in meinem Gedächtnis erhalten haben.“

In 67 Episoden erzählt Spangenberg keine chronologische Geschichte, sondern bringt Erinnerungen aufs Papier, die für einen Jungen in den Nachkriegsjahren in einer ländlichen Kleinstadt typisch sind. Spangenberg ordnet diese kleinen Geschichten insgesamt zehn Kapiteln unter, die das große Thema der einzelnen Episoden wiedergeben.

Die Erinnerungen an diese Melsunger Jahre gleiten oft „in die farbige Welt meiner Kindheit zurück“, wie Spangenberg es ausdrückt. Aber er betont ausdrücklich, dass er keinen Glorienschein um diese Jahre malen wolle, dass er aber eine Seelenbindung an Melsungen habe.

Bei seinem letzten Besuch in Melsungen habe er leider keine Zeitgenossen mehr angetroffen. Aber Melsungen sei „Ort und Zeit“ gewesen, wo er sich Zu Hause gefühlt habe, wo er mit jeder Blechbüchse Fußball gespielt und im Sommer in der Fulda gebadet habe und wo sie als Kinder von den Nachbarn und der Polizei aus der Altstadt vertrieben worden seien.

Viele Familienmitglieder werden in diesem Buch vorgestellt. Aber auch zahlreiche Örtlichkeiten und viele Melsunger dieser Jahre kommen zu Wort, wie der „doofe“ Dr. Weidemann, Renate, die ihm „Spange, du Idiot“ zuruft, Eberhard, ein altkluger Knabe und Klaus, der immer Zeit hatte, weil er nie Hausaufgaben machte.

Ernst Spangenberg sieht in seinem Buch auch eine Zeugenschaft der Nachkriegszeit, die er mit Menschen und Begebenheiten wiederbeleben will. „Ohne eigene Anschauung werden die Nachgeborenen die Welt von damals nicht erfassen“, resümiert der Autor, der im Alter und der Reife des Lebens das Privileg sieht, „in die farbige Welt der Kindheit“ zurück zu gleiten. Von dieser „wirklich schönen Nachkriegszeit“, in der Not nicht ausgeklammert werden, handelt das Buch, das nicht nur Melsunger interessieren dürfte, sondern all die, die wissen wollen, wie sich die Jahre des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg für einen munteren Knaben dargestellt haben.

Autor Ernst Spangenberg

Zur Person

Ernst Spangenberg, geboren 1937 in Kassel, lebt seit 40 Jahren mit seiner Frau Brigitte in Bickenbach an der Bergstraße. Nach dem Jurastudium in Frankfurt/M., Marburg und Berlin, ist er seit 1966 Richter und seit 1977 Familienrichter. Darüber hinaus agiert er als Mediator, Maler, Autor, Sportler, Rechtswissenschaftler. Mit seiner Frau hat er vier Kinder und insgesamt 10 Enkelkinder. Beide zusammen haben zahlreiche Bücher und wissenschaftliche Abhandlungen veröffentlicht. In seinen Melsunger Jahren hat Spangenberg in der Altstadt 5 gelebt.

Buch: Ernst Spangenberg – „Das Schiefmaul und die schöne Nachkriegszeit“, Justus von Liebig Verlag, Darmstadt 2019, 119 Seiten, 9,80 Euro.€

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