Schon als Schüler für ein Jahr in Deutschland 

Hiroshi Takimoto von B. Braun verwaltet 62.000 Mitarbeiter-Daten weltweit

+
Schätzt seine schöne Arbeitsumgebung im Stadtwaldpark Melsungen: Hiroshi Takimoto arbeitet seit 2016 bei B. Braun.  

Melsungen. Ob Spanien, Brasilien oder Malaysia – Hiroshi Takimoto muss den Überblick über alle B. Braun-Standorte behalten. Eine Herausforderung dabei: Die Zeitverschiebung beachten.

Wenn er die Wahl zwischen Sushi und deutscher Hausmannskost hat, wählt Hiroshi Takimoto am liebsten Grünkohl mit Pinkelwurst. Sein Leibgericht hat der Japaner als Schüler kennengelernt, als er ein Jahr lang in Schleswig-Holstein bei einer Gastfamilie wohnte. Mittlerweile ist Nordhessen zu seiner Zweitheimat geworden.

Um seinen Job bei B. Braun zu beschreiben, muss man sich zunächst die Frage stellen: Wie organisiert man 62.000 Mitarbeiter, die an 64 B. Braun-Standorten verteilt sind? Dafür braucht es Computersysteme und Hiroshi Takimoto. Der Manager für „Human Resources Processes & Systems“ verwaltet die Programme, die jeden einzelnen Mitarbeiter weltweit erfassen.

Dazu gehören unter anderem Namen, Geburtsdatum und die Position innerhalb des Konzerns. Zu den Systemen gehört etwa ein Portal, über das Mitarbeiter ihren Urlaub beantragen oder ihre Arbeitszeiten erfassen können. 

„Ich bin praktisch die Brücke zwischen der IT-Abteilung und der Personalabteilung“, erklärt der 33-Jährige. Die Mitarbeiter-Systeme werden von den Informationstechnikern programmiert. Benutzt werden sie wiederum von Personalreferenten, die die Daten von Mitarbeitern erfassen. „Ich übersetze der IT die Wünsche der Personalreferenten und denen erkläre ich wiederum das Technische.“ Voraussetzung für seine Arbeit sei daher vor allem IT- und Technikverständnis.

Zufrieden ist er, wenn „alles reliable läuft“ – also glatt geht. In seinem Beruf läuft alles auf Englisch. Ob Österreich, Großbritannien, Spanien, Brasilien oder Malaysia – er ist der Ansprechpartner für Personalreferenten weltweit – beispielsweise, wenn sie im Umgang mit den Systemen geschult werden müssen.

Auf seinem Geschäftshandy hat er daher immer die Uhrzeit des jeweiligen Landes im Blick. Malaysia ist mit 7000 Mitarbeitern der größte B. Braun-Standort, von dort aus wird ganz Asien verwaltet. Dort ist es immer sechs Stunden später als in Deutschland. „Wenn ich da nicht früh genug anrufe, sind die schon weg“, sagt Hiroshi Takimoto. In Brasilien schlafen sie dagegen noch, wenn er um 10 Uhr morgens im Stadtwaldpark Melsungen bereits arbeitet.

„Die größte Herausforderung ist, den Überblick zu behalten“, so Hiroshi Takimoto. Fast jeden Monat komme ein neuer B. Braun-Standort hinzu, etwa wenn ein Dialysezentrum hinzugekauft wird wie in Portugal oder der Slowakei. Wenn er abschalten will, geht er gerne mit seinem achtjährigen Sohn golfen. Bevor er 2015 nach Deutschland kam, wohnte er sieben Jahre lange in Tokio. Was ihm besonders an Nordhessen gefällt? „Die gute Balance zwischen Städten und schönen Landschaften. 

Tokio war eine aufregende Zeit. Aber mit der Familie wurde es auf 42 Quadratmetern doch etwas eng.“ Während seines Austauschjahres als Schüler war er das erste Mal im Ausland. Die schwierigste Umstellung für ihn: Direkt ja oder nein sagen, das gelte in seiner Heimat nicht als höflich. „In Japan redet man eher durch die Blume“, erklärt Hiroshi Takimoto und schmunzelt. Das habe ihn anfangs in Deutschland vor Probleme gestellt: „Ich konnte kein Essen ausschlagen, auch wenn ich schon satt war.“

Bis heute hat er noch engen Kontakt zu seiner Gastfamilie in Schleswig-Holstein. „Sie ist eine zweite Familie für mich geworden und sind Großeltern für meine Kinder.“

Zur Person

Hiroshi Takimoto wurde am 3. Februar 1985 in Osaka/Japan geboren. Nach dem Gymnasium studierte er in Japan Politik und Philosophie. 2015 kam er nach Deutschland und absolvierte in Berlin seinen Master im englischen Studiengang Business. Seit 2016 arbeitet er beim Medizintechnikhersteller B. Braun in Melsungen. Mit seiner Frau ist er seit 2008 verheiratet, sie wohnen mit ihren drei Kindern in Niestetal. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.