Melsungen will hundertprozentige Versorgung

Kitas beliebt wie nie: Betreuungsbedarf in Kommunen im Altkreis Melsungen steigt

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Die Kindertagesstätte Kutschengraben in Melsungen.

Die Stadt Melsungen hat Großes vor: Nachdem es zuletzt zu wenige Betreuungsplätze für Kinder gegeben hatte, strebt die Stadt eine hundertprozentige Versorgung an.

Das bestätigt Matthias Will, bei der Stadt zuständig für die Kitas. Rein rechnerisch werde die Stadt Ende 2020 etwa 730 Betreuungsplätze anbieten. Zum Stichtag 31. Dezember 2018 hatte die Stadt 734 Kinder bis sechs Jahren. Bund und Länder wollten bis 2013 im U3-Bereich einen Versorgungsgrad von 35 Prozent erzielen. Eine neue Zieldefinition ist bislang nicht erfolgt.

Wie unrealistisch das auch im ländlichen Raum ist, zeigen die aktuellen Zahlen. So wollten beispielsweise in Röhrenfurth nahezu alle Eltern von U3-Kindern einen Betreuungsplatz, Kapazitäten gab es keine mehr. Zur Überbrückung mietet die Stadt eine Wohnung.

Betreuungsangebot in Malsfeld:

Die Situation in Malsfeld ist ähnlich: In den Kindertagesstätten Sipperhausen und Malsfeld werden aktuell 186 Kinder betreut. Ein Problem gibt es in der Gemeinde ebenfalls bei der U3-Betreuung. „Es gibt zunehmend Bedarf“, sagt Malsfelds Bürgermeister Herbert Vaupel. Immer mal wieder komme es zu Wartelisten. „Maximal zwei bis drei Kinder müssen zwischen sechs und acht Wochen warten“, sagt er. Etwa 80 Prozent der Familien aus Malsfeld nähmen eine U3-Betreuung in Anspruch.

Betreuungsangebot in Guxhagen:

Dasselbe Bild in Guxhagen: Obwohl die Gemeinde erst im vergangenen Jahr eine neue Kita eröffnete, würden die Plätze schon wieder knapp, sagt Bürgermeister Edgar Slawik. „Für das kommende Kindergartenjahr 2019/20 wird es Engpässe geben.“ Insbesondere allen Anfragen von Eltern, die in Guxhagen arbeiteten, aber nicht wohnten, könnte vermutlich nicht nachgekommen werden. Denn: Einwohner würden bei der Vergabe der Plätze bevorzugt.

Wegen der stetig steigenden Nachfrage nach Betreuungsplätzen – vor allem auch Ganztagsplätzen, wird vielerorts gebaut. 

Bauboom wegen vieler Kinder im Altkreis Melsungen

Die Kitas in den Städten und Gemeinden der Region sind proppenvoll. „Wir können nicht alle Wünsche erfüllen“, sagt Matthias Will von der Stadt Melsungen. Es konnten für das neue Kindergartenjahr zwar alle Kinder aufgenommen werden, aber nicht immer zum gewünschten Zeitpunkt und in der gewünschten Einrichtung. Das bedeutet für Eltern meist viel Organisationsbedarf.

Das sei einer der Gründe, warum die Stadt Melsungen künftig als eine der ersten Kommunen überhaupt für nahezu 100 Prozent der Kinder einen Platz zur Verfügung stellt. Dazu baut die Stadt mithilfe der Stiftung für ein Kinder- und familienfreundliches Melsungen die Kita Fuldaufer mit sechs neuen Gruppen und Platz für 124 Kinder (3,2 Mio. Euro). Dafür wird die Kita Kasseler Straße (30 Plätze) nach mehr als 20 Jahren geschlossen. Gedacht war sie als Provisorium. Die Kita Fuldaufer entsteht hinter der Asklepiosklinik. Fertig soll sie Ende 2020 sein.

Zum Konzept gehört auch die Erweiterung der Kindertagesstätte in Röhrenfurth. Dort wird zwischen Grundschule und bestehender Kita ein Gruppenraum gebaut, der als Multifunktionsraum nutzbar ist. Am Beispiel Röhrenfurth ist die aktuelle Entwicklung gut darstellbar: Dort wurden jüngst fast doppelt so viele Kinder geboren wie in den zurückliegenden Jahren.

Zu den Krippen- und Kitaplätzen kämen in Melsungen noch 44 Hortplätze, 190 Betreuungsplätze für Schulkinder im Programm Schule Plus und in Röhrenfurth nochmals 20 Betreuungsplätze in der Wolfgang-Fleischert-Schule, sagt Will. Die Stadt biete also insgesamt etwa 1000 Betreuungsplätze für Kinder an.

Die Kommunen im Altkreis reagieren auf den steten Zuspruch mit Neubauten – so beispielsweise in Felsberg und Guxhagen. Mit dem geplanten Anbau an die Kita Pusteblume reagiert auch die Gemeinde Malsfeld auf den gestiegenen Bedarf an U3- sowie Ü3-Betreuungsplätzen. Durch denAnbau entstünden insgesamt 37 neue Betreuungsplätze, sagt Bürgermeister Herbert Vaupel. Zwölf in der U3-Betreuung und 25 in der Ü3-Betreuung. Für die Erweiterung sind 1,6 Millionen Euro vorgesehen – finanziert wird der Neubau mit Geld aus dem Investitionsprogramm zur Kinderbetreuungsfinanzierung und der der Hessenkasse.

Regelbetreuung ist für Eltern kostenlos

Kindertagesstätten werden immer beliebter. Seit dem laufenden Kindergartenjahr ist in Hessen die sechsstündige Regelbetreuung für Eltern kostenlos. Dies hatte die Landesregierung beschlossen. Das gilt nicht für die Betreuung von unter Dreijährigen. Im Melsungen kostet ein Kita-Platz in der Ganztagsbetreuung aktuell 18,75 Euro zuzüglich Mittagessen in Höhe von etwa 60 Euro. Ein U3-Ganztagsplatz kostet Eltern 220 Euro zuzüglich 60 Euro.

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