Auf einem Auge blind

Mutter schüttelt Kind: Junge lebenslang auf Pflege angewiesen

Als das Kind aus dem Mund blutete, rief die Mutter den Notarzt - nun musste sich die 36-Jährige vor Gericht wegen schwerer Körperverletzung verantworten. (Symbolbild)
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Als das Kind aus dem Mund blutete, rief die Mutter den Notarzt - nun musste sich die 36-Jährige vor Gericht wegen schwerer Körperverletzung verantworten. (Symbolbild)

Sie hatte ihr Baby geschüttelt - mit fatalen Folgen. Wegen schwerer Körperverletzung wurde eine Mutter aus dem Schwalm-Eder-Kreis jetzt verurteilt.

Schwalm-Eder - Die Frau hat gestanden, am 1. Januar 2019 ihren damals neun Monate alten Säugling geschüttelt zu haben. Dabei erlitt er so schwere Hirnschäden, dass der mittlerweile dreieinhalbjährige Junge auf einem Auge blind und lebenslang pflegebedürftig ist.

Laut Staatsanwaltschaft hatte die Angeklagte, die vorher im Kreis Waldeck-Frankenberg wohnte, ihren Sohn mit beiden Händen geschüttelt, nachdem dieser angefangen hatte zu weinen. Als das Kind aus dem Mund blutete, hatte die Mutter den Notarzt gerufen. In einer Kasseler Klinik konnte der Junge gerettet werden. Er habe mit Epilepsie zu kämpfen, sagte die Mutter vor Gericht.

Mutter schüttelt Baby heftig - „Aus einer Überforderungssituation heraus” passiert

Die Tat sei „aus einer Überforderungssituation heraus” passiert, gab die Angeklagte an. In ihrer Familie sei nach den Feiertagen einiges schief gelaufen, es habe Streit gegeben. Das Essen für zehn Menschen sei übrig geblieben, ihr Mann – von dem sie inzwischen getrennt lebt – habe Ärger gemacht und ihr die Schuld gegeben. Er habe kein Interesse an der Kindererziehung gehabt, sich nie um das Baby gekümmert und lieber Bier getrunken. Am Tatabend habe sie mit dem Hund rausgehen wollen, er habe aber darauf bestanden, selbst mit dem Hund rauszugehen. Danach passierte die Tat.

Mutter schüttelt Sohn (9 Monate): Kind lebenslang pflegebedürftig

Das Kind werde sein Leben lang behindert sein, sagte die Staatsanwältin, „es ist etwas Schreckliches passiert, es war sehr, sehr schlimm“. Man müsse der Mutter zugutehalten, dass sie den Rettungsdienst informiert habe. Zwei Jahre auf Bewährung seien das rechte Maß, erklärte Richterin Corinna Eichler. Und: „Es war eine Kurzschluss-Reaktion, ein Augenblick-Versagen einer Frau, die sich sonst nichts zu Schulden kommen lässt.“ Die nicht vorbestrafte Mutter sei mit ihrem Kind allein gelassen worden und „extrem überfordert“ gewesen. Das Kind werde sein Leben lang in einer Pflegeeinrichtung leben.

Die Frau hat noch eine zweijährige Tochter. Sie ist derzeit unter der Aufsicht des Jugendamtes bei Pflegeeltern. Seit eineinhalb Jahren habe die Mutter ihren Sohn nicht mehr gesehen. Sie habe Depressionen und leide unter posttraumatischen Störungen, habe eine Therapie gemacht, um stabiler zu werden. Sie habe Freunde verloren, die Familie habe sich von ihr abgewandt. (Manfred Schaake)

In Limburg hatte ein Vater sein Baby heftig geschüttelt - der Junge ist jetzt für immer behindert*. Im vergangenen Jahr sorgte ein ähnlicher Fall von schwerer Körperverletzung gegen ein Baby für Aufsehen - doch in deisem Fall holte der Vater nicht den Rettungsdienst. *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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