1. Startseite
  2. Lokales
  3. Melsungen
  4. Melsungen

Biologieunterricht mal anders: Schüler der Gesamtschule Melsungen ziehen Küken auf

Erstellt:

Von: Clara Veiga Pinto

Kommentare

Frisch geschlüpft ist dieses kleine Küken. Noch muss es im Brutkasten bleiben. Anschließend markiert es der Lehrer Damon Sebastian Jäger mit Farben, um es von den anderen unterscheiden zu können.
Frisch geschlüpft ist dieses kleine Küken. Noch muss es im Brutkasten bleiben. Anschließend markiert es der Lehrer Damon Sebastian Jäger mit Farben, um es von den anderen unterscheiden zu können. © Clara Pinto

Mehr als 200 Küken sind in den vergangenen Tagen an der Gesamtschule Melsungen (GSM) geschlüpft.

Melsungen – Zum dritten Mal veranstaltete Damon Sebastian Jäger, Biologie- und Chemielehrer an der GSM, solch ein Kükenprojekt mit einer fünften Klasse.

Kurz nach Ostern legten die Schüler die Eier in den Brutkasten. 40 Eier spendete die Initiative Ökologische Tierzucht. Die restlichen holte der Lehrer von Züchtern aus dem Raum Melsungen. Sie haben sich dazu verpflichtet, die Tiere anschließend wieder zu übernehmen und artgerecht zu halten, betont er.

Um zu garantieren, dass es den Küken in den Hühnereiern auch gut geht, muss der Brutkasten genau eingestellt sein. „37,7 Grad sind perfekt“, sagt Jäger. „Kurz vor dem Schlüpfen wird die Temperatur um 0,2 Grad gesenkt und die Luftfeuchtigkeit erhöht. So ist garantiert, dass die Küken schlüpfen“, sagt er.

Frisch geschlüpft ist dieses kleine Küken. Noch muss es im Brutkasten bleiben. Anschließend markiert es der Lehrer Damon Sebastian Jäger mit Farben, um es von den anderen unterscheiden zu können.
Frisch geschlüpft ist dieses kleine Küken. Noch muss es im Brutkasten bleiben. Anschließend markiert es der Lehrer Damon Sebastian Jäger mit Farben, um es von den anderen unterscheiden zu können. © Clara Pinto

2019 schaffte der Lehrer den Brutkasten mit Zubehör für etwa 1500 Euro an. Auf die Idee, solch ein Projekt zu starten kam er durch einen Kollegen. „Er hatte uns damals seinen eigenen Brutkasten zur Verfügung gestellt“, erinnert er sich. Das Problem: In diesem Brutkasten gab es keine Funktion, die die Eier von allein dreht.

„Sie müssen dreimal täglich vorsichtig gedreht werden“, weiß er. Würden die Eier nicht regelmäßig gedreht, könnten die Embryonen an der Schalenmembran festwachsen, was zu einer Fehlentwicklung der Küken führen könnte.

Damals ist Jäger über mehrere Wochen jeden Abend von seinem Wohnort Borken noch einmal nach Melsungen gefahren, um die Eier zu drehen. Der neue Brutkasten übernimmt das automatisch.

40 Eier hat die Initiative Ökologische Tierzucht der GSM gespendet. In den vergangenen Tagen sind sie geschlüpft. Noch vor dem Wochenende werden sie von der Initiative abgeholt und dort weiter aufgezogen.
40 Eier hat die Initiative Ökologische Tierzucht der GSM gespendet. In den vergangenen Tagen sind sie geschlüpft. Noch vor dem Wochenende werden sie von der Initiative abgeholt und dort weiter aufgezogen. © Clara Pinto

Um die frisch geschlüpften Küken zu unterscheiden und den Besitzern zuordnen zu können, haben die Schüler ihnen verschiedenfarbige Ringe umgelegt. Manche bekamen mit einem Stift einen bunten Punkt auf den Kopf.

2019, als schon einmal ein Kükenprojekt stattfand, organisierte Jäger sogar einen Livestream auf Youtube, sodass jeder den kleinen Küken beim Schlüpfen zugucken konnte. In den Brutkasten wurde extra eine Handyhalterung eingebaut. „Damals verfolgten sogar Menschen aus Ägypten das Geschehen“, sagt er.

Artgerechte Tierhaltung und bewusster Umgang

Das Ziel des Projektes ist, den Kindern artgerechte Tierhaltung vorleben und einen bewussten Umgang zu Nutztieren zu vermitteln. Dabei verheimlicht Jäger seinen Schülern nicht, dass die Hühner irgendwann geschlachtet werden.

„Ich möchte, dass mit Nutztieren anders umgegangen wird“, sagt er. „Hunde und Katzen findet jeder süß. Schweine und Kühe werden hingegen geschlachtet und kaum jemand denkt darüber nach“, kritisiert er.

Er plant, das Projekt mit Enteneiern zu wiederholen, um die Tiere anschließend auszuwildern. Mit Enten machte er mit seinen Schülern 2019 auch Prägungsexperimente.

Dazu wurden Kindern Küken mit nach Hause gegeben. Danach untersuchten sie, ob sich die Tiere an die Kinder, die sie aufgezogen hatten, gewöhnt haben. Das haben sie. Für die Schüler war das ein großer Spaß, auch ihr Verantwortungsbewusstsein wurde gestärkt. (Clara Pinto)

Auch interessant

Kommentare